Passend zum Start der 5. Edelmetall- und Rohstoffmesse in München am 6. November erreichte der Goldpreis ein neues Hoch: 1100 US-Dollar kostete eine Feinunze Gold, im Laufe des Tages gab der Preis auf 1096 Dollar (ca. 730 Euro) nach. Kein Wunder, dass das Sicherheitspersonal die in der Event-Arena im Olympiapark ausgestellten „Schätze“ nicht aus den Augen ließ. Allein die 100-Kilo-Goldmünze, die größte Golmünze der Welt, die am Stand von Coininvest zu sehen war, hatte einen aktuellen Materialwert von 3,5 Millionen US-Dollar (ca. 2,3 Mio. Euro). Doch auch die 12,5-Kilo-Barren, die bei dem Londoner Edelmetallhändler und bei Goldmoney (mit Sitz auf der britischen Kanalinsel Jersey) zu sehen waren, ließen bei so manchen Messebesuchern Gefühle wie bei einer Stippvisite in Fort Knox aufkommen. Die Goldbarren durften sogar angefasst werden – anheben war gar nicht so einfach, mitnehmen nicht nur wegen des Wachpersonals, sondern auch wegen der lediglich in die Schauboxen gesägten armbreiten Löcher unmöglich.
Rund 100 Aussteller, gut die Hälfte davon Minengesellschaften auf der Suche nach Investoren, 12 Edelmetall- und Münzhändler, 3 Barren- und Münzhersteller sowie diverse Finanzdienstleister und Verlage nutzten die Chance, sich auf der größten Messe ihrer Art in Deutschland den Interessenten zu präsentieren.
Rund 2 Prozent des liquiden Vermögens der Deutschen ist in Edelmetall angelegt, dies war auf einem der vielen Vorträge und Podiumsdiskussionen zu hören. Genug, um vor allem in Krisenzeiten den Edelmetallhändlern ein gutes Geschäft zu bescheren. Nachdem die Messe (und die Händler) im vergangenen Jahr vom Höhepunkt der Krise und dem Investmentboom - weg von Aktien und Bargeld, hin zu physischem Edelmetall - profitierten, sanken die Umsätze 2009 bei vielen wieder auf ein normales Niveau, manche Branchengrößen berichteten sogar von bis zu 30 Prozent weniger Umsatz als im Vorjahr. Nach Aussage von Robert Hartmann, Geschäftsführer von Pro Aurum, ist „das Schreckgespenst Finanzmarktkrise etwas verdaut“, die Leute seien nun wieder zögerlicher, was die Geldanlage in Gold und Silber angehe. Bei anderen Händlern sah man jedoch volle Stände, es wurde viel an die Messegäste verkauft und auch die zurückliegenden Monate wurden als sehr positiv beschrieben.
Während Münzen- und Barrenhersteller wie Umicore oder die Münze Österreich vor 12 Monaten an ihre Kapazitätsgrenzen gestoßen waren, läuft das Primärgeschäft „jetzt wieder normal“, wie Ralf Drieselmann von Umicore mitteilte. „Die Nachfrage hat sich normalisiert nach der Extremsituaton 2008“, erklärte auch Franz Artmüller von der Münze Österreich, die im vergangenen Jahr an die Grenzen der Produktionskapazitäten des Wiener Philharmonikers gestoßen war. Das hatte jedoch nichts mit einer Knappheit von Gold zu tun. „Einen Engpass beim Material hat es nie gegeben“, so Artmüller. Auch Drieselmann stimmte ihm bei: „Es wird zu keiner Zeit eine Knappheit des Rohstoffs Gold geben, es lagern genügend Barren in den Tresoren.“ Um der gesteigerten Nachfrage Ende 2008 gerecht zu werden, fuhren beide Hersteller Extraschichten, mehr „Output“ war einfach nicht möglich.
Der Verantwortliche von Umicore erkannte jedoch ebenso wie viele seiner Kollegen, dass sich derzeit auf dem Sekundärmarkt viel tut und „alte“ Münzen zu Bargeld gemacht werden. Robert Hartmann führte dies unter anderem auf die Zeit Mitte der 90er und Anfang des neuen Jahrtausends zurück, als der Dollar schwach und die Münzen und Barren günstig waren: „Das ist auch legitim, jetzt Kasse zu machen“. Doch es gibt nicht nur für Anleger, die ihr Gold, Silber, Platin und Palladium in Form von Münzen und Barren bei den Händlern vor Ort oder im Internet kaufen (nach Brancheninformationen gibt es derzeit rund 100 Onlineshops) ist die zweitägige Messe ein festes Datum im Terminkalender, auch Aussteller wie Goldmoney (über den Gold gekauft und gelagert werden kann), Xetra-Gold (eine auf Goldbestände lautende nennwertlose Anleihe) oder die Sparkasse Pforzheim mit ihrem Goldkonto erfreuen sich einer steigenden Zahl von Interessenten.
An den Ständen der ausstellenden Edelmetallhändler gab es neben den beliebtesten Bullionmünzen der vergangenen Jahre z. B. auch die 2010er Jahrgänge der Lunar-Serie oder die neuen 100-Gramm-Münzbarren der Cook Islands zu sehen. Geiger Edelmetalle präsentierte sogar das alte Handwerk der Münzprägung mit einer 150 Jahre alten Prägemaschine: Eine 1/4-Unze-Silbermünze mit dem Firmenmotiv Schloss Güldengossa wurde von Seniorchef Adalbert Geiger und dem Nachwuchs der Familie in kürzester Zeit vor den Augen der Messebesucher geprägt. Auf ein mögliches Ende des Golpreisanstiegs angesprochen, winkten die Experten ab. Robert Hartmann sagte stellvertretend für seine Kollegen: „Mittel- und langfristig gehe ich davon aus, dass wir den Höhepunkt noch nicht erreicht haben“.