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Korrekturpotential für Gold und Silber
Samstag, 23.10.2010

Nachdem Gold am vorletzten Donnerstag ein neues Allzeithoch bei 1387 US-Dollar markierte, befindet sich die Korrektur mittlerweile in vollem Gange. Dabei ist es jedoch mitnichten so, dass die Korrektur völlig überraschend kommt. Wieder einmal passte alles zusammen: angeblich sehr bullische Bankenanalysten, Charttechnik und umfassende Medienberichterstattung über Gold. Solche Konstellationen waren schon in der Vergangenheit treffsicherer Indikator für kommende Korrekturen.

Goldnachfrage schwach

Während die Medien die täglich neuen Hochs kommentierten und Bankenanalysten ihre Kursprognosen um hunderte US-Dollar anhoben, hielt sich die Nachfrage nach physischem Gold in engen Grenzen. Der weltgrößte, physisch hinterlegte ETF für Gold verzeichnete praktisch keine Mittelzuflüsse, der Bestand liegt noch immer unter dem Hoch aus dem Sommer. Die Edelmetallhändler in Deutschland berichteten von durchschnittlichem Kaufinteresse. Gleichzeitig erklomm Gold täglich neue Hochs, stieg teilweise um 2% am Tag.

Abbildung 1: Gold-USD notiert am steilen Aufwärtstrend, der kaum halten dürfte

Vom Hoch sind die Notierungen bereits wieder 60 US-Dollar oder 4,5% entfernt. Sie sind am mittelfristigen, seit Juli existenten Aufwärtstrend angekommen. Dass die Korrektur hier Abbildung 1: Gold-USD notiert am steilen Aufwärtstrend, der kaum halten dürfte schon zu Ende sein soll, halten wir jedoch für unwahrscheinlich. Zu steil ist der Aufwärtstrend. Er sorgte für Gewinne von fast 20% in nur zweieinhalb Monaten. Ein solches Tempo ist nicht aufrecht zu erhalten. Realistischer sind weitere Abgaben bis 1230- 1265 US-Dollar. In diesem Bereich befindet sich der langfristige Aufwärtstrend und zwei Horizontalunterstützungen.

Europreise könnten stabil bleiben

Für Anleger im Euroraum und Käufer physischen Goldes ist natürlich der Chart der Euronotierungen wichtiger. Während wir bei in US-Dollar notierten Goldes noch Korrekturpotential von 7% sehen, erscheint uns der Chart der Euronotierungen deutlich freundlicher. Vom Allzeithoch sind die Euronotierungen 9,5% entfernt und stehen unmittelbar am langfristigen Aufwärtstrend. Es ist durchaus vorstellbar, dass sich in den nächsten Wochen die Kursänderungen bei Gold-USD und EURUSD gegenseitig aufheben und die hiesigen Goldpreise stagnieren.

Abbildung 2: Gold in Euro ist vom Hoch weit entfernt, das Korrekturpotential ist begrenzt

Sollte der Trend gebrochen werden, kann es zu weiteren Kursverlusten bis 930 EUR kommen. Dieses Kursziel korrespondiert auch mit dem Korrekturpotential von Gold-USD und EURUSD. Bei einem Goldpreis von 1230 US-Dollar und einem möglichen EURUSDKurs von 1,32 ergibt sich ein Europreis von 930 pro Unze. Behält der Euro hingegen seine momentane Stärke bei, entsprächen 1230 US-Dollar pro Unze 890 EUR.

Sinnvoll kann es sein, auf die Zu- und Abflüsse der ETFs sowie verschiedene Abbildung 2: Gold in Euro ist vom Hoch weit entfernt, das Korrekturpotential ist begrenzt Händlerberichte zu achten. Käufer physischen Metalls bewiesen bislang mit Ausnahme der Griechenlandkrise im Frühjahr ein gutes Gespür für günstige Kaufgelegenheiten.

Größeres Korrekturpotential bei Silber

Silber zeigte sich noch wesentlich bullisher als Gold und erreichte auch in Euro neue Jahreshochs mit 17,70 EUR. Damit wurde das Hoch vom Frühjahr um rund 10% hinter sich gelassen. In US-Dollar ist die Rallye noch beeindruckender. Das bisherige Jahreshoch bei 19,70 wurde um 27% übertroffen und der Kreuzwiderstand bei 25 USDollar erreicht. Binnen zweier Monate stiegen die Dollarnotierungen um über 40%.

Silber stieß jedoch an einen Widerstand, den man schon seit Anfang des Jahres hätte kennen können: den alten Aufwärtstrend. Der wurde 2008 etabliert und Anfang 2010 gebrochen. Fortan fungierte diese Trendlinie als Widerstand. Das alte Jahreshoch im Mai lag exakt an der alten Trendlinie. Und auch das neue Jahreshoch liegt unmittelbar an dieser Linie. Eine Korrektur bei 25 US-Dollar war damit praktisch vorprogrammiert, zumal das alte Zwischenhoch aus den 80ern bei rund 24 US-Dollar lag und ebenfalls einen Widerstand darstellte. Mittlerweile verlor Silber bereits wieder rund 2 US-Dollar oder 8% an Wert und die Dynamik scheint ungebrochen. Unterstützung ist bei 21,40 US-Dollar erkennbar. Aufgrund der bei Silber normalen, hohen Volatilität sollte man sich aber besser auf einen Test des Ausbruchslevels von 19,70 US-Dollar einstellen.

Abbildung 3: Vorhersehbare Korektur: Silber traf exakt den alten Aufwärtstrend von 2008

Auch bei Silber sind die Europreise fester

In Euro ist das Korrekturpotential auch bei Silber bedeutend kleiner. Derzeit notiert Silber unmittelbar am mittelfristigen Aufwärtstrend, der aufgrund des hohen Steigtempos aber kaum gehalten werden dürfte. Doch schon bei 16 EUR befinden sich die alten Jahreshochs und damit eine gewichtige Unterstützung. Bei 15 EUR ist zudem der langfristige Aufwärtstrend erkennbar. 15 EUR entsprechen zudem fast exakt einem Silberkurs von 19,70 US-Dollar und einem von uns angenommenen EURUSD-Kurs von 1,32.

Im Gegensatz zu den Gold ETFs verzeichneten die physisch hinterlegten Silber ETFs zuletzt Mittelzuflüsse. Der Bestand des weltgrößten Silber ETFs stieg in den letzten Monaten um 10%. Die physische Nachfrage nach dem Metall dürfte aber kaum allein verantwortlich sein für den extremen Preisanstieg seit Juli.

Abbildung 4: Die physische Nachfrage blieb auf Silber beschränkt

Inflationsangst schlechte Erklärung für Rallye

Zwar gibt es fundamental begründete Erklärungsversuche für die jüngsten Preisanstiege, wahrscheinlicher als fundamentale Gründe erscheint uns jedoch eine charttechnisch induzierte Rallye. Die schwache Nachfrage nach Gold signalisiert, dass es kaum die vor allem von Medien verbreiteten angeblichen Inflationsängste waren, die die Preise nach oben trieben. Vielmehr brach Silber aus einer mehrmonatigen Seitwärtsphase nach oben aus und zog in Scharen kurzfristig orientierte Trader an. Es war Silber, das in enormen Tempo stieg, die physische Nachfrage auf sich vereinte und Gold steigen ließ, nicht umgekehrt. Bei Inflationsängsten sähe das Szenario wie folgt aus: Gold führt, wird auch physisch gekauft und Silber folgt.

Es ist richtig, dass die jüngsten Äußerungen der amerikanischen FED die Abbildung 4: Die physische Nachfrage blieb auf Silber beschränkt Wahrscheinlichkeit einer steigenden Inflationsrate erhöhen. Angesichts einer in den USA ausgesprochen schwachen Konjunktur möchten viele FED-Offizielle ein neues Liquiditätsprogramm starten. Wieder einmal sollen Staatsanleihen im Umfang hunderte Milliarden mit frisch gedrucktem Geld gekauft werden. Ziel dabei ist, das Zinsniveau am freien Markt noch weiter zu senken, um Investitionen in die Realwirtschaft gegenüber festverzinslichen Anlagen attraktiver zu machen. Schon heute ist die FED der zweitgrößte Gläubiger des amerikanischen Staates - ein neues Aufkaufprogramm würde die Zentralbank zum größten Geldgeber des eigenen Landes machen. Bislang war es stets so, dass die Monetarisierung, d.h. der Kauf von Staatsanleihen mit neu gedrucktem Zentralbankgeld, irgendwann zu höherer Inflation führt.

Der Markt zeigt aber keinerlei Inflationsängste an. Würde man sich darum sorgen, lägen die Renditen für amerikanische Anleihen nicht bei Allzeittiefs. Wer Angst vor Inflation hat, fordert höhere Zinsen. Derzeit geben sich die Anleger jedoch mit 2,5% und weniger zufrieden. Ein Renditeanstieg, der noch sehr viel genauer als steigende Goldpreise eine zunehmende Inflationsangst ausdrücken würde, ist nicht in Sicht.

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