Unsere Ende Oktober geäußerte Erwartung, Silber würde bis 20 US-Dollar korrigieren können, erfüllte sich nicht. Stattdessen folgte das Metall seinem steilen Aufwärtstrend, bis es am vergangenen Montag erstmals seit 30 Jahren wieder über 30 US-Dollar notierte. Zwar ist der Aufwärtstrend intakt, es mehren sich aber Warnzeichen für eine umfassende Korrektur.
Bernanke befeuert Edelmetalle
Auslöser für den neuerlichen Angriff auf 30 US-Dollar beim Silber 1400 US-Dollar beim Gold dürfte ein Interview mit FED-Präsidenten Bernanke gewesen sein. Der gab am Wochenende bekannt, dass das erst Anfang November beschlossene Quantitative Easing 2 Programm aufgestockt werden könnte, da die Konjunktur nicht selbsttragend sei. Man kann davon ausgehen, dass der Präsident der größten Zentralbank der Welt solche Aussagen nicht trifft, ohne sich vorher die wenigstens inoffizielle Unterstützung der anderen FED-Gouverneure gesichert zu haben. Da Quantitative Easing nichts anderes ist als eine euphemistische Umschreibung für Inflationierung, profitierten die Edelmetalle unmittelbar am Montag.
Kursziel 270 US-Dollar?
Bleibt der steile Aufwärtstrend intakt, so schneidet Silber zum Jahreswechsel 2010/2011 die Marke von 32 US-Dollar - ein noch realistisch erscheinendes Preislevel. Zum Jahreswechsel 2011/2012 wären es dann aber schon 270 US-Dollar. Die exorbitanten Kurssteigerungen deuten entweder auf eine sich anbahnende Hyperinflation hin - oder auf ein ungesundes Kurswachstum, das das Metall zunehmend anfälliger werden lässt für Kursrückschläge. Und die Nervosität, sichtbar in den immer größeren Kursausschlägen, nimmt bereits seit Wochen zu:
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Die erste Korrektur im Oktober dauerte sechs Tage und reduzierte den Silberkurs um 8,5%.
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Die zweite Korrektur im November dauerte nur noch fünf Tage und reduzierte den Wert um 15%.
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Die am Dienstag begonnene Korrektur reduzierte den Wert des Silber binnen acht Stunden um 7,4%.

Differenzen zwischen den Indikatoren und dem Kurstrend deuten eine kommende Trendumkehr an
Zwar ist der Trend auch nach der begonnenen Korrektur noch intakt und ungetestet, die Trendstärke nimmt aber schon seit Wochen ab. Der RSI-Indikator befindet sich bereits seit rund zwei Monaten im Abwärtstrend, was die Gefahr einer Trendumkehr beim Silberkurs erhöht. Und seit Anfang November sinkt auch das Momentum. Das Momentum gilt als Vorläuferindikator - das Hoch im Momentum liegt zeitlich vor dem Hoch im Kursverlauf. Es scheint, als ginge die Kraft der Bullen nach einem Anstieg von 73% seit Ende August langsam aber sicher zur Neige.
Gold-Silber-Ratio spricht für Gold
Interessant ist auch das Gold-Silber-Ratio - also das Preisverhältnis der beiden für gewöhnlich hoch korrelierten Metalle. Derzeit beträgt das Verhältnis 1:48 - für eine Unze Gold bekommt man 48 Unzen Silber. Am Dienstag waren es noch 1:47. Je niedriger das Verhältnis ist, desto höher ist Silber relativ zu Gold bewertet. Betrachtet man die letzten 30 Jahre, so ist 1:48 noch kein übermäßig niedriges Verhältnis. 1998 lag das Verhältnis für einige Tage unter 40. Man kann allerdings feststellen, dass es in den letzten Jahrzehnten nur wenige Monate gab, in denen ein Verhältnis unter 1:50 beobachtet werden konnte.
Mit Hilfe des Gold-Silber-Ratios kann man keinen optimalen Investitionszeitpunkt für Edelmetalle generell festlegen. Hat man sich aber darauf festgelegt, Edelmetalle zu erwerben, dann hilft das Ratio bei der Kapitalaufteilung. Je niedriger das Ratio ist, desto eher dürfte Gold in den kommenden Monaten Silber outperformen, was eine Silberuntergewichtung rechtfertigt.
Kleine Futurepositionen aber hohe physische Nachfrage
Zwiespältig sind die offenen Futurepositionen der Spekulanten zu sehen. Die US Commodity Futures Trading Commission veröffentlicht wöchentlich eine Statistik der offenen Positionen. Demnach sind zwar 93% der spekulativen Silber-Futurepositionen long, beim Gold sogar 94%, das waren sie aber auch schon Anfang August vor dem Beginn der Hausse.

Sowohl beim Silber als auch beim Gold zeigen die Netto-Futurepositionen der Spekulanten keine unnormalen Übertreibungen an
Die Anzahl der gehaltenen Kontrakte spricht sogar gegen eine Überhitzung, wurden doch im Laufe der Hausse Positionen abgebaut. Hielten die Spekulanten Anfang August noch netto 29.000 Kontrakte long, sind es jetzt nur noch 27.500 Kontrakte. Anfang Oktober wurden gar netto 48.000 Kontrakte long gehalten.
Statt Futures werden aber offenbar physische Bestände in Form von ETFs gekauft. Während der weltgrößte Gold ETF noch immer hinter dem Bestandhoch hinterher hinkt, liegen in den Tresoren des weltgrößten Silber ETFs mittlerweile fast 356 Millionen Unzen. Anfang August waren es nur 300 Millionen Die Differenz von 56 Millionen Unzen entspricht 11.200 Futurekontrakten.

Während der Hausse sank der Anteil der Longpositionen an allen Futurepositionen der Spekulanten
Charttechnische Kursziele
Bleibt der Aufwärtstrend intakt, gibt es bis zum Allzeithoch bei rund 50 US-Dollar kaum noch Widerstand. In den 80er Jahren gingen der Anstieg und der sich anschließende Crash viel zu schnell, als dass sich charttechnisch relevante Widerstände und Unterstützungen hätten ausbilden können.
In einer eventuellen Korrektur dürfte der Aufwärtstrend bei momentan 27,80 US-Dollar im Fokus stehen. Bricht er, ist davon auszugehen, dass diverse kurzfristige spekulative Positionen aufgelöst werden. Unterstützungen sind bei 26,40, 25,00, 22,80, 21,40 und 19,70 US-Dollar erkennbar. An diesen Unterstützungen aufgebaute Teilpositionen ergäben einen Durchschnittskurs von 23,00 US-Dollar.
Fazit
Silber notiert im intakten Aufwärtstrend, die Gefahren für den Trend nehmen aber zu. Wer jetzt noch kaufen möchte, sollte eine Korrektur aussitzen können. Panik ist ein schlechter Ratgeber für Anlageentscheidungen. Die Angst, bei einem exponentiellen Silberpreisanstieg nicht dabei zu sein, sollte verdrängt werden. Wenn Sie bislang noch kein Silber besitzen, aber gern welches kaufen möchten, dann empfiehlt sich die zeitliche Streuung der Kaufaufträge. Kaufen Sie monatlich in kleineren Beträgen, dann werden Sie langfristig einen guten Durchschnittskurs erhalten. Aus unserer Sicht überwiegen die Risiken momentan die Chancen, weshalb Sie derzeit als Neueinsteiger nicht Ihr gesamtes für Edelmetallkäufe vorgesehenes Kapital auf einmal investieren sollten. Das Gold-Silber-Ratio signalisiert zudem, dass eine Übergewichtung des Goldes zu einer Outperformance führen könnte.
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Autor: Thomas Kallwass