Erstmals überschritt der Silberpreis in dieser Woche die denkwürdige Marke von 30 Euro pro Unze. Auch in US-Dollar gab es ein neues 30-Jahres-Hoch:
Silber kostet heute erstmals seit den 80er Jahren wieder mehr als 40 US-Dollar pro Unze.
Die Silberpreisentwicklung hat sich somit in diesem Jahr sogar noch beschleunigt, nachdem der Preis im September 2010 aus seiner mehrjährigen Seitwärtsphase nach oben ausbrach. Erst im Dezember 2010 berichteten wir, dass der Silberpreis über 30 US-Dollar stieg. Inzwischen steht der Preis schon wenige Cent über 40 US-Dollar.
Eine Trendbeschleunigung ist ein ausgesprochen positives Zeichen für die nahe Zukunft – denn normalerweise läuft die Entwicklung umgekehrt. Je älter ein Trend wird, desto mehr flacht er ab – bis er sich schließlich irgendwann in sein Gegenteil verkehrt. Gleichzeitig mahnt die Entwicklung aber auch zur Vorsicht.

Silber zeigt einen exponentiellen Anstieg, in sieben Monaten hat sich der Preis mehr als verdoppelt
Physische Nachfrage treibt die Preise vor sich her
Getrieben werden die Preise inzwischen offenbar von der physischen Nachfrage. Die von uns beobachteten, physisch hinterlegten ETFs erreichen praktisch wöchentlich neue Bestandshochs. iShares ETF, der als der größte der Welt gilt, lagert in seinen Tresoren inzwischen mehr als 360 Millionen Unzen – weltweit werden pro Jahr nur rund 675 Millionen Unzen gefördert.
Am Futuremarkt kosten Kontrakte zur sofortigen Lieferung mehr als Kontrakte, mit denen die Lieferung erst in der Zukunft verlangt werden kann. Das ist eine sehr ungewöhnliche Situation für Silberfutures und deutet darauf hin, dass am physischen Markt Knappheit herrscht. Von uns befragte deutsche Händler berichten hingegen von keinem Kaufrausch. Wurde ihnen in der Vergangenheit bei Preisschüben das Material förmlich aus der Hand gerissen, so bleibt die Situation im Moment entspannt. Es sind offenbar vor allem Großverbraucher wie die Industrie oder Großanleger, die gleich ganze Standardbarren kaufen, die den Preis nach oben treiben.

Anleger scheinen seit dem Jahreswechsel verstärkt von Gold in Silber umzuschichten. Der weltgrößte Gold-ETF schwächelt allerdings bereits seit Mai 2010.
Die hohen Preise bereiten ungewöhnliche Probleme
Mit dem Überschreiten der psychologisch nicht unwichtigen Grenze von 30 Euro gehen auch einige Probleme für Investoren einher.
So kosten die bei Investoren beliebten Masterboxen, die 500 Münzen à einer Unze enthalten, jetzt mehr als 15.000 Euro. Beim Kauf ist nun zwingend ein Ausweis vorzulegen, der Verkäufer muss die Käuferidentität archivieren. Ein anonymer Kauf größerer Silbermengen wird somit immer schwieriger. Schon seit einigen Wochen können die nicht minder beliebten Tubes, die 20 Münzen à einer Unze enthalten, nicht mehr kostengünstig mit den gängigen Paketdiensten versandt werden. Denn die deckeln für die Versicherung den Edelmetallwert der Sendung bei 500 Euro – darüber hinaus gehende Werte müssen mit darauf spezialisierten, teureren Werttransportdienstleistern versandt werden.
Auch bei den 10 Euro Gedenkmünzen könnte es problematisch werden: Im November 2010 – also vor nicht einmal einem halben Jahr – wurde bereits der Edelmetallgehalt aufgrund des gestiegenen Silberwerts drastisch gesenkt. Bestanden diese bis November 2010 noch aus 18 g Sterlingsilber (925er Feinheit) und somit 16,65 g Feinsilber, so werden sie seitdem nur noch aus 16 g schweren 625er Silber ausgeprägt. Diese 10 g Feinsilber kosten momentan an der Börse aber auch schon 9 Euro. Sänke der EUR/USD-Wechselkurs unter 1,30, dann wäre das in den Münzen enthaltene Silber mehr wert als die 10 Euro Nennwert der Münzen. Die Bundesbank dürfte diese Münzen dann nicht mehr in Verkehr bringen.
Die von uns Ende Oktober 2010 noch zum Kauf empfohlenen 10 Euro Münzen aus Sterlingsilber haben inzwischen einen reinen Edelmetallwert von fast 15 Euro.
Ob die Münzen künftig mit höherem Nennwert oder aus einem unedlen Metall geprägt werden, steht noch nicht fest. In den 80er Jahren, als die Bundesbank vor dem gleichen Problem stand, wurden die Münzen in einer unedlen Legierung völlig ohne Silber geprägt. Klar ist aber, dass die Bundesbank bereits jetzt an einem Notfallplan arbeiten dürfte.
Nächste Station Allzeithoch?
Interessant wird es noch einmal, sollte die Grenze von 40 Euro pro Unze gerissen werden. Dann wird Silber mehr als 50 US-Dollar kosten und damit so teuer sein wie noch nie seit Geburt eines jeden lebenden Erdenbürgers.
Als Gold 2009 seine alten Allzeithochs nachhaltig hinter sich lassen konnte, setzte nochmals ein deutlicher Preisschub ein. Sollte bei Silber eine ähnliche Reaktion folgen, so wäre der Preisanstieg seit September erst der Auftakt zu einer sehr viel weiter gehenden Silberhausse.
Exponentielle Kursanstiege mahnen stets zur Vorsicht
Ungefährlich sind solch exponentiellen Kursanstiege jedoch nicht. Bereits jetzt übersteigt die Silberhausse alles, was man mit Ausnahme der 80er Jahre beim Silber beobachten konnte. In einem halben Jahr hat sich der Preis mehr als verdoppelt. Preisverdoppelungen sind zwar kein Indiz für kommende Preiseinbrüche – doch sollte ein Preisrückgang einsetzen, dann kann er ähnlich kraftvoll ausfallen wie der vorhergehende Preisanstieg. Denn aus charttechnischer Sicht sind die Unterstützungen rar und in weitem Abstand voneinander gesät. Korrekturen bis 34, 30 oder gar 25 US-Dollar würden uns nicht wundern.
Angesichts des momentan sehr niedrigen Gold-Silber-Ratios erscheint es momentan auch chancenreich, auf eine Aufholjagd oder zumindest relative Stärke des Goldes zu setzen. Das tun auch schon die großen Spekulanten. Gemäß Daten der CFTC halten Spekulanten zu 97,7 % Future-Longpositionen beim Gold, aber "nur" zu 91,3 % beim Silber.
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Autor: Thomas Kallwass