Auf dem Edelmetallmarkt werden die Korrekturphasen immer kürzer. Schon zweieinhalb Monate nach Beginn der jüngsten Korrektur notiert Gold bereits wieder auf neuen Allzeithochs. Beim Silber liegen die Kurse zwar noch immer 20% unter den Hochs, auf Jahressicht bleibt Silber aber dennoch klarer Outperformer.
Wirtschaftliches Umfeld ist günstig für Edelmetalle
Die Gründe für den jüngsten Preisanstieg sind klar: globale Inflationsängste und weiter steigende Staatsverschuldungen, in den USA kündigt sich bereits wieder ein neues Liquiditätsprogramm der Notenbank an und Europas gemeinsame Währung droht auseinanderzubrechen. Gründe für den Edelmetallerwerb finden sich also zur Genüge.
Nachfrage vor allem bei Münzen und Barren hoch
Bemerkenswert am jüngsten Preisanstieg ist, dass sich keine anziehende Nachfrage in den Marktstatistiken wiederfindet. Weder erreichen die Bestände der physisch hinterlegten Edelmetallfonds neue Hochs - nicht einmal ansatzweise - noch zeigen die Futuremärkte eine ungewöhnliche Kaufbereitschaft. Dagegen berichten Edelmetallhändler in Deutschland von einem sehr ausgeprägten Kaufinteresse ihrer Kunden, die Liefersituation bei vielen Produkten sei angespannt.
Physisch hinterlegte Edelmetallfonds werden gemieden
Fast auf einem Jahrestief befinden sich die Bestände des weltgrößten physisch hinterlegten Silber-ETFs. Die während der Silberhausse aufgebauten Bestände hat der iShares Fonds binnen weniger Wochen vollständig wieder verkaufen müssen. Dabei kamen mehr als 61 Millionen Unzen Silber auf den Markt, das ist fast ein Zehntel der weltweiten jährlichen Fördermenge.
Einen solchen Abverkauf hat der weltgrößte Gold-ETF zwar nicht erlebt. Die Bestände des SPDR Gold Fonds stagnieren jedoch seit Jahresbeginn.

Die Nachfrage nach physisch hinterlegten Edelmetallfonds bleibt schwach.
Vermögensverwalter bevorzugen derzeit Gold-Futures
Mehr Dynamik ist auf dem kurzlebigeren Futuremarkt zu erkennen. Nach einer kurzen Konsolidierungsphase stockten die Vermögensverwalter ihre Netto-Longpositionen beim Gold wieder deutlich auf. Allein in der vergangenen Woche stiegen die Netto-Longpositionen um 20% und liegen inzwischen wieder 46% über ihrem langfristigen Durchschnitt. Zum Bestandshoch fehlen nur noch knapp 5%. 95,7% aller Positionen sind Longpositionen. Es gab aber in der Vergangenheit durchaus auch Phasen, in denen die Vermögensverwalter noch optimistischer waren.
Auf dem Silbermarkt ist der Optimismus noch verhaltener. Zwar stiegt die Netto-Longposition der Vermögensverwalter vom Tief um fast 40%. Um an die Mitte Februar markierten Bestandshochs in diesem Jahr anzuschließen, müssten die Bestände aber nochmals fast verdoppelt werden. Sie liegen sogar noch mehr als 20% unter dem langjährigen Durchschnitt.
85,8% aller Positionen sind Longpositionen.

Vermögensverwalter bevorzugen derzeit klar Gold-Futures, die Silberpositionen sind vom Jahreshoch weit entfernt.
Das Verhältnis von Long- zu Shortpositionen zeigt klar, dass die Vermögensverwalter nach wie vor eindeutig auf weiter steigende Kurse setzen. Dabei sind sie aber zumindest im Falle des Silbers deutlich vorsichtiger als noch vor wenigen Monaten. Die Positionen beim Silber sind kleiner, bevorzugt wird derzeit wieder Gold.
Hohe Inflation begünstigt steigende Edelmetallpreise
Nach wie vor günstig für Edelmetallinvestments sind die geldpolitischen Bedingungen. In den USA denkt die Zentralbank bereits über ein weiteres Liquiditätsprogramm nach, mit dem den Märkten weitere mindestens dreistellige Milliardensummen zugeführt werden sollen. Zwar haben schon die ersten beiden Programme nichts an der hohen Arbeitslosigkeit geändert, gegen das die Programme wirken sollen, dafür aber wie gewünscht die Inflation erhöht. Die US-Verbraucherpreise stiegen im Juni mit einer Jahresrate von 3,6%.
In der EU lag der Verbraucherpreisanstieg im Juni bei 3,1%, in der Eurozone bei 2,7%. In China lag der Anstieg gar bei 6,4%. Bei unverändert niedrigen Nominalzinsen sind die Realzinsen, diejenigen Zinssätze, die nach Abzug der Inflation real auf das Kapital wirken, demnach weiterhin klar negativ. Und negative Realzinsen, also eine schrumpfende Kaufkraft, sind sehr gute Voraussetzungen für weitere Preisanstiege beim Edelmetall.
Dazu kommt derzeit der "Krisenbonus", den Edelmetalle genießen. Solange nicht sicher ist, wie es mit dem Euro weitergehen wird, stehen Edelmetalle nicht zuletzt bei den Einwohnern der Krisenstaaten selbst auf dem Kaufzettel.

Silber stößt an einen Widerstand 20% unter den Jahreshochs, der jedoch schnell gebrochen werden könnte.

Gold hingegen notiert am Allzeithoch.
Anonymer Edelmetallkauf könnte sich künftig schwieriger gestalten
Die Zeiten anonymer, bar bezahlter Tafelgeschäfte könnten sich in Zukunft schwieriger als bisher gestalten. Bislang sind gewerbliche Händler erst ab Transaktionssummen von 15.000 Euro verpflichtet, die Identität des Käufers festzustellen. In einem Regierungsentwurf zur Änderung des Geldwäschegesetzes soll diese Grenze deutlich reduziert werden, im Erstentwurf war eine Höchstgrenze von nur noch 1.000 Euro gefordert. Mittlerweile sind aber auch Reduzierungen bis auf 2.000 oder 5.000 EUR vorgeschlagen worden. Diese Reduzierung würde jedoch nicht nur bei Edelmetallkäufen greifen, sondern auch bei anderen Bargeschäften im Alltag. Die Umsetzbarkeit in der Praxis bleibt bei einer so starken Reduzierung vorerst fraglich.
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Autor: Thomas Kallwass