Im Zuge der seit Mai (Silber) bzw. September (Gold) 2011 laufenden Preiskorrektur haben sich die Spekulanten in großem Umfang von den Edelmetall-Terminmärkten zurückgezogen. Ihre Netto-Longpositionen, mit denen auf steigende Preise spekuliert wird, sanken teilweise auf den tiefsten Stand seit mehr als drei Jahren. Die Positionierung der Spekulanten auf dem Terminmarkt taugt durchaus als Kontraindikator, bewiesen doch die Spekulanten in der Vergangenheit ein ausgesprochen schlechtes Gespür für Preisänderungen.
So erreichte zum Beispiel die Netto-Longposition beim Silber ausgerechnet im Spätsommer 2010 einen mehrjährigen Rekord – also genau vor dem Preisanstieg auf 50 US-Dollar. Von diesem Preisanstieg hatten die Futurespekulanten nicht viel. Denn sie hatten ihre Positionen bereits in großen Teilen abgebaut, als Silber sich zu Spitzenpreisen aufmachte.

Die Größe der Netto-Longpositionen in Futures der Spekulanten erreicht sowohl bei Gold als auch Silber mehrjährige Tiefs
Die erste Trendwende am Terminmarkt ist eingeleitet
Betrachtet man die Futurespekulationen als Kontraindikator, so lassen sich jetzt beste Investitionsmöglichkeiten identifizieren. Denn beim Silber erreichte die Netto-Longposition zum Jahreswechsel den niedrigsten Stand seit dem Spätherbst 2008 - und steigt seitdem wieder. Im Spätherbst 2008 wurden in Folge des Zusammenbruchs der Bank Lehman Brothers die Positionen im Rekordtempo liquidiert. Preis- und Positionstief fielen im Jahr 2008 praktisch auf den gleichen Tag.
Ähnlich sieht es beim Gold aus. Auch hier erreicht die Netto-Longpositionsgröße das Niveau von Ende 2008. Im Gegensatz zu Silber hat sich die Stimmung der Spekulanten beim Gold jedoch nach den letzten Daten noch nicht geändert. Das dürfte sich angesichts der erheblichen Preiszuwächse aber in den kommenden Wochen ändern.
Interessant ist auch ein Blick auf die Verteilung zwischen Long- und Short-Positionen - also Positionen, die auf steigende und fallende Kurse setzen. Beim Silber wurde zum Jahreswechsel annähernd die Parität erreicht. Das heißt, auf steigende Kurse wurde fast genauso oft gewettet wie auf fallende. Inzwischen liegt das Verhältnis wieder bei 3:1.

Zum Jahreswechsel wurde fast genauso oft auf fallende wie steigende Silberpreise spekuliert. Inzwischen liegt die Spekulation auf steigende Preise wieder voll im Trend.
Beim Gold setzen die Spekulanten seit jeher mehrheitlich auf steigende Kurse. Mit mehr als 85% aller Positionen wird auf steigende Kurse gesetzt – derzeit aber nur mit relativ kleinen Positionsgrößen. Viel riskiert wird derzeit also nicht.
Die Bestände der physisch hinterlegten ETFs stagnieren teils seit Jahren
Das Bild der vorsichtigen Spekulanten wird von den Beständen der physisch hinterlegten ETFs, also der börsenhandelbaren Fonds, bestätigt. Der weltgrößte Silber-ETF weist derzeit Bestände auf, die deutlich mehr als 50 Millionen Unzen unter dem Allzeithoch vom Frühjahr 2011 liegen. Die Bestände stagnieren seit mehr als einem halben Jahr.
Die Bestände des weltgrößten Gold-ETFs stagnieren gar seit Mai 2010 und liegen noch immer unter dem damals markierten Hoch. Derzeit werden sowohl beim Gold- als auch beim Silber also offensichtlich vor allem Langfristpositionen gehalten, nicht jedoch neue Positionen aufgebaut.

Beim Gold stagnieren die Bestände des weltgrößten ETFs seit 2010, beim Silber ist das Bestandshoch sogar in weite Ferne gerückt.
Charttechnik: Gold hat noch Potential - Europäer haben das Nachsehen
Charttechnisch lässt sich die Vorsicht beim Gold gut begründen. Der Preis des gelben Metalls brach zwar in dieser Woche seinen Abwärtstrend. Dafür notiert Gold aber unmittelbar unterhalb seines ebenso gebrochenen, langfristigen Aufwärtstrend. Das ist ein wichtiger Widerstand, den es erst einmal zu knacken gilt. In US-Dollar gerechnet könnten sich dann jedoch Anschlussgewinne bis zum Allzeithoch bei 1.920 oder gar bis 2.000 US-Dollar ergeben. Das entspricht einem mittelfristigen Gewinnpotential von 11-16%.

Gold (US-Dollar): Der Abwärtstrend ist durchbrochen - dort der alte Aufwärtstrend gilt jetzt als Widerstand.
Auf dem Preischart in Euro ist zwar kurzfristig mehr Potential erkennbar. Dafür ist aber das Allzeithoch nur noch eine Hand breit entfernt. Das mittelfristige Potential ist daher charttechnisch gesehen auf nur rund 4% beschränkt. Der inzwischen wieder aufwertende Euro frisst für Europäer einen gehörigen Teil des Goldpreisanstieges auf.

Gold (Euro): Das Allzeithoch ist nicht mehr weit - der wieder stärker werdende Euro frisst die Goldrendite auf.
Silber ist wieder im Aufwärtstrend
Silber eroberte sich seinen alten Aufwärtstrend bereits in der vergangenen Woche zurück, notiert dafür aber in einem kräftigen Widerstandsbereich. Der bei 35,70 US-Dollar endende Widerstandsbereich wurde seit Herbst 2011 nicht nach oben verlassen. Sollte es dieses Mal gelingen, könnte der Preis charttechnisch gesehen aber bis auf 45 oder gar 50 US-Dollar steigen.
Auch beim Silber werden mögliche Kursgewinne für Europäer vom wieder erstarkenden Euro teilweise kompensiert.

Silber (US-Dollar): Der alte Aufwärtstrend ist wieder aktiv - und doch hat Silber mit harten Widerständen zu kämpfen.
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Autor: Thomas Kallwass