Stand: 13.04.2011  7 Kommentare

So schnell kann es gehen: Erst am Freitag berichteten wir darüber, dass der Silberpreis die Grenze von 40 US-Dollar überschritt und es damit für die beliebten Silberzehner in Deutschland eng wird. Denn diese enthalten 10g Feinsilber, das beim aktuellen Preisgefüge bereits rund 9 Euro wert ist. Würde der Silberpreis nur wenige US-Dollar steigen oder der Euro-Wechselkurs um einige Cent sinken, dann läge der Materialwert der Münzen über dem Nominalwert von 10 Euro. In diesem Fall dürften die Münzen nicht mehr ausgegeben werden.

Heute folgte die Pressemitteilung des Bundesfinanzministeriums, in der das Ende der Silberzehner in der bisher bekannten Form bekanntgegeben wurde. Künftig erscheinen die Münzen nur noch in der Sammlerausführung in einer Silberlegierung und werden mit erheblichem Prägeaufschlag abgegeben. Die zum Nominalwert am Bankschalter erhältlichen Münzen werden kein Silber mehr enthalten.

10 Euro Münzen künftig in zwei Versionen

Das Finanzministerium reagiert damit anders als bei der letzten Silberhausse. Bereits 1979 stand man vor dem Problem, dass der Silberwert den Nennwert (damals noch 5 DM) der Münzen überschritt. Ab 1979 gab es die Münzen daher nur noch in unedler Kupfer-Nickel-Legierung. Erst acht Jahre später, der Silberpreis war in der Zwischenzeit beträchtlich gesunken, kamen wieder Münzen in Silberlegierung heraus - mit verdoppelter Nominale von 10 DM in einer Legierung von 625/1000. 1998 wechselte man wieder zum Sterlingsilber - einer Legierung, die erst 2011 zugunsten der unedleren Legierung von 625/1000 abgelöst wurde. Bereits vier Monate später ist die Ära von Silberkursmünzen in Deutschland zu Ende. Am Bankschalter sind künftig keine edelmetallhaltigen Münzen mehr erhältlich. Der offenbar sehr kurzfristig getroffenen Entscheidung fällt der für den 5. Mai geplante Ausgabetermin der nächsten Münze "125 Jahre Automobil" zum Opfer. Einen neuen Ausgabetermin gibt es noch nicht.

Edelmetall gibt es nur noch für Sammler

Edelmetallhaltige Münzen gibt es ab sofort nur noch bei der Verkaufsstelle für Sammlermünzen. Neben den bekannten 20 und 100 Euro Goldmünzen sind das auch die weiter geprägten 10 Euro Silbermünzen in der Prägequalität "Spiegelglanz". Sie werden auch künftig in einer Silberlegierung der Feinheit 625/1000 geprägt, ihr Preis erhöht sich jedoch beträchtlich. Kosteten sie bislang stets 15 Euro, so beträgt ab sofort schon der Mindestpreis 15 Euro. Der Ausgabepreis orientiert sich aber künftig am Silberpreis zuzüglich eines Prägeaufschlages von 10 Euro zuzüglich der Mehrwertsteuer. Beim aktuellen Silberpreis werden die Münzen daher nicht mehr 15, sondern mehr als 21 Euro kosten. Die für den 5. Mai geplante Münze erscheint nun erst am 9. Juni in Spiegelglanzausführung. Novum wird die Angabe des Feinheitsgrades auf der Münzwertseite sein.

Wertseite der 10 Euro Münze 125 Jahre Automobil mit Feinheitsangabe 625
Die für Sammler geprägten Spiegelglanzausgaben erhalten künftig auf der Wertseite die Angabe des Feinheitsgrades 625/1000

Neue 10 Euro Münzen für Edelmetallinvestoren uninteressant

Die in Kupfer-Nickel ausgeprägten und zum Nominalwert abgegebenen Standardversionen der 10 Euro Münzen sind fortan für Edelmetallinvestoren völlig bedeutungslos. Bei aktuellen Metallpreisen beträgt der reine Materialwert statt 9 Euro nur noch 15 Eurocent. In Spiegelglanzausführung waren und sind die Münzen aufgrund des hohen Prägeaufschlags ohnehin uninteressant für Edelmetallinvestoren.

Offizielle Mitteilung des Bundesfinanzministeriums

10-Euro-Gedenkmünzen künftig in zwei verschiedenen Legierungen

Die Bundesregierung beschloss heute vor dem Hintergrund des stark gestiegenen Silberpreises, die deutschen 10-Euro-Gedenkmünzen künftig in zwei verschiedenen Legierungen auszugeben.

Hierzu erklärt das Bundesministerium der Finanzen:

  1. Beginnend mit der 10-Euro-Gedenkmünze "125 Jahre Automobil" werden die Münzen in der Prägequalität "Normalprägung", die zum Nennwert (10 Euro) in den Verkehr gebracht werden, aus einer Kupfer-Nickel-Legierung hergestellt.
  2. Die Münzen in der höherwertigen Sammlerqualität "Spiegelglanz" werden auch künftig aus Silber (625 Silber/375 Kupfer) geprägt. Diese Münzen, die zur Unterscheidung mit der Aufprägung "Silber 625" gekennzeichnet sind, werden zu einem über dem Nennwert liegenden Preis veräußert. Dieser wird gebildet durch den Materialwert des Silbers zum Zeitpunkt der Ausgabe (Londoner Fixing) zuzüglich eines Aufschlages von 10 Euro sowie der Mehrwertsteuer. Der Mindestpreis wird 15 € betragen.

Die Änderung erfolgt aus Anlass des stark gestiegenen Silberpreises, der die Emission einer Münze mit dem bisherigen Silbergehalt (10 g) zum Nennwert von 10 € nicht mehr zulässt. Einerseits wäre die aus haushaltsrechtlichen Gründen zwingend erforderliche kostendeckende Ausgabe der Münze nicht möglich. Andererseits könnte eine solche Münze zum Spekulationsobjekt auf die Silberpreisentwicklung werden.

Im Ergebnis der beschlossenen Anpassungen wird der Ausgabetermin für die 10-Euro-Gedenkmünze "125 Jahre Automobil" vom 5. Mai 2011 auf den 9. Juni 2011 verschoben. Die Ausgabetermine für die übrigen, noch ausstehenden 10-Euro-Gedenkmünzen des Jahres 2011 bleiben unverändert.

Wegen der für die Herstellung der Münzen erforderlichen Vorlaufzeiten sind zu den jeweiligen Ausgabeterminen zunächst nur die Silbermünzen in der höherwertigen Sammlerqualität "Spiegelglanz" erhältlich, die über die Verkaufsstelle für Sammlermünzen der Bundesrepublik Deutschland (VfS) bezogen werden können. Die Münzen aus Kupfer-Nickel werden erst zu einem späteren Zeitpunkt, über den das Bundesministerium der Finanzen gesondert informieren wird, bei der Deutschen Bundesbank verfügbar sein.

Quelle: Bundesfinanzministerium


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Autor: Thomas Kallwass

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Kommentare [7]
  • von hERMANN mÜTZEL | 11.06.2015, 17:46 Antworten

    iNTRESANT

  • von 10euro | 02.08.2011, 01:12 Antworten

    Hallo,
    ich finde das mit der Ku-Ni Version echt richtig schade. Die Silber-10er hatten irgendwie so ne Tradition bei den Sammlern, die geörten einfach zur BRD-Sammlung dazu, auch zu DM-Zeiten.

    Und der Staat verdient sich mit mit 9,85 Euro pro Münze doof und dämlich.

  • von Robert Belan | 09.06.2011, 15:26 Antworten

    Jeder Sammler wird von diesen Blechen jeweils ein Stück pro Ausgabe behalten. Die Masse dieser Münzen landet im normalen Zahlungsverkehr.

  • von Stephan Weber | 03.06.2011, 15:20 Antworten

    Wie schade, also damit wird das Sammeln von Gedenkmünzen eindeutig sehr viel uninteressanter werden. Wahrscheinlich wird es sogar in die Bedeutungslosigkeit verfallen. Klüger wäre es gewesen, den Nennwert der Münze zu erhöhen.

  • von Ein Staatsbürger | 28.05.2011, 01:41 Antworten

    Ist ja schon super wie uns der Staat "BRD" glaubt an uns kleinen Sammler in die Geldbörse greift, nicht nur bei den "10 € Silbermünzen", sondern auch oder noch viel mehr bei den Goldmünzen, insbesondere bei der 2011er 20 € Deutscher Wald!!! Wer bitte erklärt mir,das sich der Ausgabeaufschlag sich von 25 € in 2010 auf jetzt 50 € bei der 2011er verdoppelt. Will das BMF an den Wertsteigerungen des 2. Marktes partizipieren oder was soll das. Oder anders gefragt wo soll das enden?

  • von Homer's Münzen | 01.05.2011, 20:47 Antworten

    Hallo Inflation
    Das ganze erinnert mich als die Goldmark abgeschafft wurde... Geschichte wiederholt sich leider immer wieder... Schade Euro. Dieses Experiment mit dir ging leider schief.

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