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Stand: 26.05.2026 von Jörg Bernhard
2007 erschien der „In Gold We Trust“-Report zum ersten Mal. Mittlerweile hat sich die von der liechtensteinischen Vermögensverwaltung Incrementum AG herausgegebene Publikation zur meistgelesenen Goldstudie weltweit entwickelt.
20 Jahre „In Gold We Trust“: Was der neue Report über Gold verrät

Das Wall Street Journal bezeichnete ihn einmal als „Goldstandard aller Goldstudien“. Die aktuelle, 20. Jubiläumsausgabe wurde in der vergangenen Woche veröffentlicht und umfasst in der Komplettversion über 450 Seiten mit mehr als 330 Charts und Tabellen. Allein die Vorjahresausgabe wurde mehr als zwei Millionen Mal heruntergeladen bzw. geteilt. Seit dem ersten Report hat sich viel getan. Damals noch auf 22 Seiten mit 24 Charts, ist daraus heute ein umfassendes Makro-Framework geworden, das in fünf Sprachen erscheint und von über 60 Mitarbeitenden aus aller Welt erstellt wird. Verantwortliche Autoren sind die Fondsmanager Ronald-Peter Stöferle und Mark Valek, beide Managing Partner der Incrementum AG.

Titel der Jubiläumsausgabe: Back to the Monetary Future

Der Titel der diesjährigen Ausgabe lautet „Back to the Monetary Future“ und ist zugleich programmatisch zu verstehen: Die Autoren argumentieren, dass die Zukunft des Geldes in seiner Vergangenheit liegt. Wer die geldpolitischen Weichenstellungen der vergangenen Jahrzehnte analysiert – vom Ende des Goldstandards 1971 über die Finanzkrise 2008 bis zu den Verwerfungen der Coronajahre – der versteht zugleich, was heute an den Märkten passiert.

Die Pax Americana, also die seit 1945 bestehende politische, wirtschaftliche und monetäre Weltordnung unter US-amerikanischer Führung, zeigt laut Stöferle und Valek zunehmend Risse. Die Welt bewege sich von einer unipolaren in eine multipolare Ordnung, was sich direkt auf Währungen, Kapitalmärkte und die Rolle von Gold als Reservewährung auswirke.

Die fünf zentralen Aussagen des Reports

  • Gold in einem anhaltenden Bullenmarkt: Seit dem ersten Report im Jahr 2007 hat sich der Goldpreis in Dollar fast versiebenfacht (siehe Chart). Die im Report 2020 ausgerufene „Goldene Dekade“ ist nach Einschätzung der Autoren noch lange nicht beendet. Das damalige konservative Preisziel von 4.800 Dollar bis 2030 wurde bereits 2026 erreicht. Der Fokus richtet sich nun auf das inflationäre Alternativszenario von 8.900 Dollar bis zum Ende des Jahrzehnts.

    Goldpreis: In zwei Jahrzehnten ungefähr versiebenfacht

  • Goldpreis in US-Dollar seit 2007 bis 26.05.26Quelle: goldprice.org

  • Remonetarisierung von Gold: Gold gewinnt schrittweise wieder monetäre Bedeutung zurück – nicht durch politische Beschlüsse, sondern durch seine Funktion. Zentralbanken weltweit kaufen seit Jahren enorme Mengen Gold. Allein 2025 erwarben sie 863 Tonnen im Wert von rund 95 Milliarden Dollar. Die Autoren identifizieren insgesamt sechs Treiber dieser Entwicklung: von der Reservepolitik über Bilanzierungsregeln bis hin zur Tokenisierung von Gold.
  • Staatsanleihen verlieren an Strahlkraft: Das klassische 60/40-Portfolio aus Aktien und Anleihen steht laut den Autoren unter Druck. Hohe Staatsverschuldung, strukturell erhöhte Inflationsraten und die zunehmende Politisierung der Geldpolitik stellen den Status von Staatsanleihen als risikolose Anlage grundlegend in Frage. Deshalb schlagen die Autoren ein angepasstes Portfolio vor, das neben physischem Gold auch Silber, Minenaktien, Rohstoffe und Bitcoin enthält.
  • Performance-Gold mit Nachholpotenzial: Silber, Goldminenaktien und Rohstoffe hinken dem Goldpreis noch hinterher, weisen aber erhebliches Aufholpotenzial auf. Silber erzielte 2025 mit einem Plus von fast 147 Prozent die stärkste Jahresperformance seit 1979. Goldminenunternehmen verzeichnen rekordhohe Margen, werden an der Börse aber nach wie vor mit einem historisch niedrigen Bewertungsaufschlag gehandelt.
  • Gold und Bitcoin als Ergänzung: Die Autoren sehen zudem Gold und Bitcoin nicht als Konkurrenten, sondern als komplementäre Bestandteile einer modernen Anlagestrategie. Während Gold für Stabilität und historische Glaubwürdigkeit steht, bietet Bitcoin digitale Knappheit und höhere Konvexität.

Weit mehr als eine Goldstudie

Was den „In Gold We Trust“-Report von vielen anderen Publikationen unterscheidet, ist seine thematische Breite. Die Autoren analysieren neben dem Goldmarkt auch Inflation, Staatsverschuldung, Geopolitik, Währungssysteme, Bitcoin, Silber, Rohstoffe, den Minensektor und vieles mehr. Für Privatanleger, die ihr Depot krisenfester aufstellen oder die großen Zusammenhänge an den Finanzmärkten besser verstehen möchten, bietet der Report einen erheblichen Informationsmehrwert.

Sowohl die Kompaktversion als auch die Komplettversion ist kostenlos auf ingoldwetrust.report abrufbar. Wer möglichst viel über Geld und Gold wissen möchten, sollte sich zumindest eine der beiden Publikationen zu Gemüte führen – am besten als Urlaubslektüre in möglichst entspannter Umgebung. Dann könnte aus dem Nutzwert möglicherweise ein geldwerter Vorteil entstehen.

Ausblick für die laufende Woche

Eine US-Zinssenkung noch in diesem Jahr gilt derzeit als eher unwahrscheinlich. Darauf deutet zumindest das FedWatch-Tool der CME Group hin. Mit über 56 Prozent erscheint aktuell sogar eine Zinserhöhung wahrscheinlicher.

Details zu den Daten, Prognosen sowie historische Zeitreihen finden Sie hier.

Goldanleger sollten sich von den gestiegenen Renditen von Staatsanleihen jedoch nicht verunsichern lassen.

In einem Umfeld schwächerer Konjunkturdaten können höhere Zinsen die Schuldentragfähigkeit vieler Staaten zusätzlich belasten. Da physische Goldbarren und Goldmünzen frei von Kontrahentenrisiken sind, spricht vieles dafür, strategische Goldpositionen nicht allein wegen gestiegener Opportunitätskosten infrage zu stellen. Gerade in wirtschaftlich und geopolitisch unsicheren Zeiten dürfte ein Sachwert, der sich über Generationen als Inflations-, Vermögens- und Krisenschutz bewährt hat, vielen Anlegern ein gewisses Maß an Stabilität vermitteln – sofern Gold im Portfolio nicht selbst zu einem Klumpenrisiko geworden ist.

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Stand: 26.05.2026
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