Stand: 30.11.2015  1 Kommentare

Spektakulärer Münzfund. Ein Schweizer Landwirt ist auf seiner Obstplantage über einen großen Münzschatz aus der Römerzeit gestolpert. Jetzt konnten Archäologen mehr als 4.000 nahezu prägefrische römische Münzen mit hohem Silbergehalt bergen.

Einem Maulwurf ist es zu verdanken, dass ein umfangreicher Münzschatz aus der Römerzeit nach mehr als 1.700 Jahren endlich wieder ans Tageslicht gebracht werden konnte. Das gute Tier dürfte sich durch das antike Geld im Erdreich gestört gefühlt haben und entsorgte ein paar der römischen Münzen auf der Oberfläche. Auf dem Maulwurfshügel liegend wurden die zunächst grün schimmernden Münzen von dem Landwirt einer Obstplantage in Ueken im Kanton Aargau in der Schweiz gefunden. Der Obstbauer verständigte die Kantonsarchäologie. Und als die Fachleute zur Fundstelle kamen, fielen sie fast aus dem Häuschen. Unter strengster Geheimhaltung gruben sie zwischen September und Anfang November insgesamt 4.166 römische Münzen aus der Zeit um 295 nach Christus aus. Das gab die Aargauer Staatskanzlei (auch mit Bildern und Video) am Donnerstag (19.11.15) vergangener Woche bekannt.

Römische Münzen haben prägefrisches Erscheinungsbild

Demnach zählt der Münzfund von Ueken zu den größten bisher in der Schweiz gefundenen Münzschätzen. Doch nicht nur das. Alle Münzen befinden sich den Angaben zufolge in einem überraschend guten Zustand. Bereits nach einer ersten Reinigung fiel den Archäologen auf, dass die römischen Münzen ein fast prägefrisches Erscheinungsbild aufweisen. Das verblüffte jedoch nicht nur die Archäologen, sondern auch den Numismatik-Experten Hugo Doppler, der die ersten 200 Münzen aus diesem Fund im Anschluss untersucht hat. Auch nach 1.700 Jahren im Boden sind die Prägungen auf den Vorder- und Rückseiten der Münzen gut zu erkennen und ohne Schwierigkeiten lesbar. Anhand dieser Informationen konnte Doppler feststellen, dass es sich um so genannte Antoniniane aus der Zeit nach 274 nach Christus handelt. Aufgrund ihrer guten Verfassung - es wurden kaum Gebrauchsspuren gefunden - glaubt der Münzexperte, dass die römischen Münzen damals gleich nach ihrer Prägung aus dem Verkehr gezogen worden sind und nie in Umlauf gegangen waren. Demnach sagte der Numismatiker:

"Der Besitzer muss die Münzen gezielt ausgesucht haben, um sie zu horten."

Vermutlich habe der damalige Besitzer seinen Schatz über mehrere Jahre zusammengetragen und vermutlich nicht allzu lange nach dem Jahr 294 nach Christus im Erdboden vergraben, ist Doppler überzeugt. Denn die jüngsten Münzen des Horts stammen aus eben diesem Jahr und tragen das Portrait des damaligen römischen Kaisers Diocletianus.

Bronzemünzen mit hohem Silbergehalt als Wertanlage

Laut Mitteilung war Münzexperte Doppler in der Lage, Prägungen verschiedener römischer Kaiser zu identifizieren. Unter den Münzen befanden sich demzufolge unter anderem Ausgaben der Kaiser Aurelianus (270 - 275 n. Chr.), Tacitus (275 -276), Probus (276 - 282), Carinus (283 -285), Diocletianus (284 - 305) und Maximianus (286 - 305). Es soll sich durchweg um hochwertige Bronzemünzen mit einem zur dieser Zeit hohen Silbergehalt von fünf Prozent handeln. Das ist durchaus viel für Antoniniane aus dieser Zeit, da diese Münzen gegen Ende des 3. Jahrhunderts nur noch aus reiner Bronze hergestellt wurden. Aufgrund der in der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts vorherschenden galoppierenden Inflation und der damaligen wirtschaftlichen Unsicherheit vermutet Numismatiker Doppler, dass die rund 4.000 Münzen als Wertanlage aufbewahrt werden sollten.

Welchen genauen Wert diese Münzen zu der damaligen Zeit hatten, beziehungsweise welchen Wert dem gesamten Münzschatz zugesprochen werden konnte, lässt sich aufgrund des rapiden Wertverfalls der römischen Währung in dieser Epoche heute nur noch schwer ermitteln. Allerdings wird davon ausgegangen, dass es sich um ein beträchtliches Vermögen gehandelt haben muss. Schätzungen gehen von zwischen ein und zwei durchschnittlichen Jahreseinkommen jener Zeit aus.

Römischer Münzschatz dieser Art "äußerst selten"

Als gesichert hingegen gilt, dass zu der Zeit, in der der Münzschatz in sein langjähriges Versteck gebracht wurde, das reine Chaos herrschte. Da die Nordwestgrenzen des Römischen Reiches damals zerfielen und es daraufhin zu wiederholten Einfällen und Beutezügen von gallischen und alemannischen Gruppierungenn in die heutige Schweiz gekommen war, wurden die dortigen römischen Siedlungen und Städte wie etwa Augusta Raurica stark in Mitleidenschaft gezogen. Offenbar war deshalb der ehemalige Besitzer der jetzt gefundenen römischen Münzen auch nicht der einzige, der zu der damaligen Zeit sein Vermögen in Säcke, Kisten oder Töpfe packte und vergrub, um es hoffentlich später einmal wieder abzuholen.

Mindestens vier weitere Münzschätze in dieser Größenordnung aus derselben Zeit sind laut dem Nachrichtenportal Watson in den vergangenen 150 Jahren in der Schweiz gefunden worden. Demzufolge war man im Jahr 1854 während des Baus der Eisenbahn auf den ersten großen Münzschatz aus der Römerzeit gestoßen. Damals fand man insgesamt 2285 römische Münzen in einem Topf vergraben. Bereits ein Jahr später konnten mehr als 5.000 Münzen in einer Blechkiste sichergestellt werden. Danach dauerte es allerdings 65 Jahre, bis abermals mit rund 1.500 Münzen ein weiterer großer Münzfund gemeldet werden konnte. Schließlich fand man zuletzt im Jahr 1966 mit abermals 2285 Münzen den letzten großen Münzschatz. Der Aargauer Kantonsarchäologe Georg Matter, der die Grabungen bei dem Münzfund von Ueken leitete, sagte demnach:

"Ein Münzfund in derartiger Größe ist äußerst selten. In der ganzen Schweiz sind vielleicht vier oder fünf derartige Münzschätze gefunden worden."

Sauer verdiente Antoniniane kommen nicht an

Ein Archäologenkollege aus dem Kanton Baselbiet, Reto Marti, glaubt auch, dass die jetzt gefundenen Münzen nicht für lange Zeit in Umlauf gewesen sein können. Darauf deute die hohe Qualität und der nahezu prägefrische Zustand hin. Doch Marti vermutet, dass es sich beim jüngsten Münzfund nicht unbedingt um Privatvermögen gehandelt haben müsse. Es könne auch eine "staatliche Sendung" gewesen sein, um in der Gegend stationierte Legionäre zu bezahlen, meint er. Doch wenn dem so war, dann sind die sauer verdienten Antoniniane jedenfalls nicht angekommen. Auch bei dem 49-jährigen Landwirt, der die römischen Münzen zuerst entdeckte, wird Kraft des Gesetzes kein Finderlohn ankommen. Denn archäologische Funde gehören in der Schweiz der Allgemeinheit. Das stört den Obstbauer aber nicht. Dem Schweizer Portal 20 Minuten sagte er: "Die Münzen haben sowieso keinen Wert für mich". Und wenn die Münzen aus Gold gewesen wären? Nun, dann "hätte ich es mir noch einmal überlegt", fügte der ehrliche Finder schelmisch hinzu.

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Kommentare [1]
  • von Paul | 03.12.2015, 08:04 Antworten

    Sind das nun 4116 Goldmünzen oder "durchweg hochwertige Bronzemünzen mit einem hohen Silbergehalt"? Oder ist das aus der Entfernung nicht festzustellen?

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