Stand: 13.06.2016  0 Kommentare

Archäologen haben bei Grabungen in Oberösterreich einen sensationellen Fund gemacht. Gleich 44 keltische Goldmünzen aus dem 2. oder 1. Jahrhundert vor Chr. haben sie auf einem Feld ausgegraben.

Auf dem Feld eines Firmengeländes nahe der Stadt Traun in Oberösterreich sind Archäologen jüngst auf einen Goldschatz der besonderen Art gestoßen. Dabei haben sie  insgesamt 44 gut erhaltene keltische Goldmünzen ausgegraben, die dort zuvor mehr als 2.000 Jahre lang unentdeckt im Erdreich gelegen haben müssen. Numismatikern zufolge handelt es sich bei dem Fund um so genannte "Muschel-Statere" (siehe Bedeutung Stater) aus vorrömischer Zeit, die einst zu den wertvollsten Zahlungsmitteln im 2. und 1. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung gehört haben. Das gab das oberösterreichische Landesmuseum in einer Pressemitteilung am Mittwoch (08.06.16) bekannt.

Keltische Goldmünzen stammen aus dem heutigen Böhmen

Laut Mitteilung wiegt jedes der jetzt gefundenen Goldstücke in etwa 7,5 Gramm. Demnach weisen die Goldmünzen aus keltischer Zeit kein Prägebild auf, sondern besitzen lediglich "buckelförmige Erhöhungen", weshalb sie wegen ihres Aussehens von Numismatikern auch als "Muschel-Statere" bezeichnet werden. Dem Angaben zufolge wurden die jetzt freigelegten keltischen Goldmünzen in der späten mitteleuropäischen Eisenzeit angefertigt, also während des 2. oder 1. Jahrhundert vor Chr. Sie stammen aus dem Siedlungsgebiet des ehemaligen keltischen Stammes der Boier, also aus dem heutigen Böhmen. Vermutlich seien sie - "ebenso wie andere fremde Geldsorten" - aufgrund von antiken Handelsbeziehungen an ihren jetzigen Fundort gelangt, hieß es. Nach Angaben der österreichischen Tageszeitung Kurier lagen die Goldmünzen zum Zeitpunkt ihres Auffindens "allesamt dicht neben- und aufeinander". Dies deute daraufhin, dass "sie im Bereich des Fundortes in einem Beutel oder einem anderen organischen Behälter vergraben worden sind", wurde Jutta Leskovar, Sammlungsleiterin im oberösterreichischen Landesmuseum, wo die antiken Goldstücke nun verwahrt werden, zitiert. Funde mit solchen Münzen seien im Landesmuseum "bisher eine sehr seltene Ausnahme" gewesen, ergänzte demnach der Numismatik-Experte Bernhard Prokisch bei der medialen Vorstellung des Fundes.

"Muschel-Statere" - Übergang von Tauschwirtschaft zur Geldwirtschaft in Oberösterreich

Dem Kurier zufolge dürften die jetzt nach gut 2.000 Jahren ans Tageslicht gebrachten keltischen Goldmünzen einen Sammlerwert von mindestens 50.000 Euro haben. Doch eigentlich gebe es dafür keinen richtigen Marktwert, weil "solche Stücke ohnehin ins Museum gehören" klärte Sammlungsleiterin Leskovar bei der Vorstellung des Fundes auf. Laut Mitteilung des Landesmuseums handelt es sich bei dem jetzt bekannt gegebenen Schatzfund aus vorrömischer Zeit erst um den dritten seiner Art in Oberösterreich. Bei den Schatzfunden zuvor habe es sich demnach um "goldene Statere" gehandelt, die im Jahr 1861 in Ingling bei Passau gefunden worden waren und heute als verschollen gelten. Erst im Jahr 2004 kam es daraufhin wieder zu einem weiteren, ähnlich wichtigen Fund, als in Obernberg am Inn silberne Quinare aus der gleichen Epoche geborgen werden konnten. Die jetzt gefundenen Goldmünzen stammten aus einer Epoche, als in Oberösterreich der "Übergang von der Tauschwirtschaft zur Geldwirtschaft" erfolgte, bevor wenig später das römische Geldsystem eingeführt worden sei, hieß es dazu beim österreichischen Nachrichtenportal Der Standard. Demzufolge sei der keltische Stamm der Boier, aus deren Herstellung die neuerlich ausgegrabenen Muschel-Statere stammten, im Anschluss von den Römern (im Süden) und den Germanen (im Norden) "assimiliert" worden.

Goldmünzen gehören zur Hälfte dem Finder, zur Hälfte dem Grundstückseigentümer  

Der spektakuläre Münzfund war möglich geworden, weil auf dem gleichen Areal in der Nähe der Stadt Traun im Bezirk Linz-Land eine Maschinenhalle errichtet werden soll. Da in dem betreffenden Gebiet bereits im Jahr 1939 eine urgeschichtliche Siedlung entdeckt wurde und das Gelände deshalb unter Denkmalschutz steht, muss generell vor allen Bauvorhaben eine archäologische Grabung auf Kosten des Grundstückseigentümers vorgenommen werden. Laut dem "Kurier" beliefen sich die bisherigen Grabungskosten auf rund 70.000 Euro. Doch laut österreichischem Recht gehören archäologische Funde in Österreich jeweils zur Hälfte dem Finder und zur anderen Hälfte dem Grundstückseigentümer. Bei den jetzt geborgenen keltischen Goldmünzen hat man sich dem Portal des Neuen Volksblatt zufolge offenbar darauf geeinigt, dass der kostbare Münzschatz vollumfänglich in den Besitz des Museums gehen soll. Im Gegenzug soll der Grundstückseigentümer einen nicht näher bezifferten "finanziellen Gegenwert" erhalten, hieß es.

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