Stand: 26.03.2016  0 Kommentare

Archäologen haben in Griechenland eine 5.000 Jahre alte Silbermine entdeckt. Jetzt könnte die Geschichte des vorbronzezeitlichen Bergbaus umgeschrieben werden.

Französische Archäologen sind bei Nachforschungen unter Tage auf eine mehr als 5.000 Jahre alte Silbermine gestoßen, deren hoch entwickelte Infrastruktur alle bisherigen Erkenntnisse über den Bergbau aus dieser Zeit auf den Kopf stellt. Die Entdeckung wurde im Rahmen eines größeren Grabungsprojektes in der antiken Bergbausiedlung Thorikos an der griechischen Agäisküste gemacht und bereits Mitte Februar bekannt gegeben. Dem Fachportal New Historian (vom 14.02.16) zufolge waren viele der Stollen seit über 5.000 Jahren nicht betreten worden. Zugleich deuten darin gefundene Gegenstände darauf hin, dass die Silbermine bereits ab 3.200 v. Chr. in Betrieb war.

Räumliche und technologische Kontrolle über Silbermine

Was die Wissenschaftler an ihrem Fund am meisten verblüfft, ist die augenscheinliche Fähigkeit der frühen Bergleute, das Silbererz ohne moderne Technologien zu fördern und im Anschluss außerhalb der Mine fachmännisch zu verhütten. Die dafür notwendigen technischen Fertigkeiten und körperliche Geschicklichkeit ließen nicht nur auf eine wohldurchdachte Strategie schließen, sondern auch auf eine vollständige räumliche und technologische Kontrolle über den gesamten Produktionsprozess einer Silbermine, hieß es. Für die Gewinnung des Silbers seien eine für diese Zeit "außergewöhnlich große Anzahl an Ressourcen und ein fortgeschrittenes technisches System" nötig gewesen, dessen Größenordnung in der vorbronzezeitlichen Welt einzigartig gewesen sein müsse. Selbst für erfahrene Archäologen, die über moderne Highttech-Ausrüstung verfügten, sei das Vermessen und Kartieren der vielen engen und verzweigten Minenstollen "extrem schwierig" gewesen, so der Bericht weiter.

Spätneolithische Silbermine: frühe Bergleute extremen Bedingungen ausgesetzt

Demnach ist die Silbermine nicht nur aufgrund ihrer Größenordnung für ihre Zeit ungewöhnlich. Auch die Anordnung der Stollen und Schächte entspreche nicht der Art und Weise, wie sie in anderen ehemaligen Minen dieser antiken Bergbauregion zu finden seien. Der ursprünglichen Pressemitteilung über die Entdeckung der Silbermine zufolge fanden die Wissenschaftler zudem Steinhämmer aus Vulkangestein, alte Werzeugspuren, Malereien und Schriftzüge an den Wänden sowie Tonwaren, Öllampen und Brechareale vor. Demzufolge lässt sowohl die Enge der Stollen als auch die Härte des vorherrschenden Felsgesteins Rückschlüsse auf die harten Arbeitsbedingungen dieser frühen Bergleute zu. Der leitende Archäologe bei den Grabungsarbeiten, Professor Denis Morin von der französischen Université de Lorraine, sagte hierzu:

"Heute sind die extremen Bedingungen, unter denen diese Bergleute in diesem Labyrinth aus Stollen arbeiten mussten, nur schwer vorstellbar".

In der Silbermine herrsche zudem eine erstickende Hitze. Auch bei der jetzt erfolgten Vermessung der spätneolithischen Silbermine habe man ständig auf die Sauerstoffwerte achten müssen, ergänzte Professor Morin. Die Stollen seien heute nur mit Hilfe von Techniken der alpinen Höhlenkletterei zu erreichen.

Athen profitierte von Silber aus dem antiken Bergbaugebiet

Man gehe davon aus, so Morin, dass diese Silbermine bereits im 4. und im 3. Jahrtausend v. Chr. ausgebeutet wurde. Viele der Stollen seien aber in der Folge zugeschüttet worden, weshalb sie jahrtausendelang bis zur jetzigen Entdeckung unberührt geblieben seien. Die jetzt wiederentdeckte ehemalige Silbermine befindet sich in einem wichtigen antiken Bergbaugebiet in der heutigen Region Attika in Griechenland. Diese Region war im 5. und 4 Jahrhundert v. Chr. zu einem großen Zentrum der Silberproduktion aufgestiegen. Historiker glauben, dass es nicht zuletzt das Silber aus dieser Region war, dem Athen seinen damaligen Reichtum und seine Dominanz in der ägäischen Welt zu verdanken hatte. Laut Professor Morin wird man sich bei der anhaltenden Erforschung der spätneolithischen Silbermine aber nicht nur auf das Vermessen und Kartieren der Stollen beschränken. Man erwarte darüber hinaus viele weitergehende Erkenntnisse über die damals angewendeten Technologien und Techniken zur Förderung und Verhüttung von Silbererz sowie die Zweckbestimmung und geografische Weiterverbreitung der daraus gewonnenen Edelmetalle vor mehr als 5.000 Jahren. Sollten seine Vermutungen wissenschaftlich bestätigt werden, so Morin, dann müsse man schon bald die chronologische Abfolge der Bergbaugeschichte in dieser Region anpassen.

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