Stand: 12.11.2012  0 Kommentare

Seit Oktober 2012 kursierte in vielen Medien die Falschmeldung, die Mehrwertsteuer für Anlagesilber, also auch für Silbermünzen, würde ab 2013 auf generell 19 % erhöht. Derzeit unterliegen Silberanlagemünzen noch dem reduzierten Mehrwertsteuersatz von 7 %. Hintergrund ist die Abschaffung des verminderten Steuersatzes für Kunstgegenstände und Sammlerstücke wie von der Europäischen Kommission aus Brüssel gefordert. Doch beschlossen wurde die Steuererhöhung im Jahressteuergesetz 2013 nicht.

Die Steuererhöhung kommt voraussichtlich 2014

Den Spekulationen um eine Mehrwertsteuererhöhung lag die Richtlinie 2006/112/EG des Rates der Europäischen Union vom 28. November 2006 zugrunde. In der sogenannten Mehrwertsteuersystemrichtlinie wurde von der EU auf 118 Seiten festgehalten, wie die Mehrwertsteuersysteme in den 27 Mitgliedsstaaten der EU vereinheitlicht werden sollen. Die Richtlinie ist für die Mitgliedsstaaten bindend. Dass Silbermünzen in Deutschland dem vollen Steuersatz zu unterwerfen sind, geht aus einem winzigen dreizeiligen Absatz auf Seite 24 hervor.

Maple Leaf Masterbox
Masterbox Maple Leaf

Nach der EU-Richtlinie gibt es genau vorgegebene Waren- und Dienstleistungsgruppen, die die EU-Mitgliedsstaaten mit dem ermäßigten Steuersatz besteuern dürfen. Edelmetalle mit Ausnahme von Anlagegold fallen leider nicht darunter.

Die Steuererhöhung würde Silbermünzen in Deutschland merklich verteuern. Für 1.000 Euro bekäme ein Anleger (Stand November 2012) nicht mehr 34,5 Unzen, sondern nur noch 31 Unzen. Die Preise der beliebten 500er Master-Boxen lägen wieder über der wichtigen 15.000 Euro (9.999,99 Euro seit 26.6.17) Grenze, ab der ein anonymer Kauf nicht mehr möglich ist.

Anlagegold bleibt steuerfrei

Dass nicht auch Gold unter die Mehrwertsteuerpflicht fällt, liegt an den zahlreichen getroffenen Sonderregelungen für Anlagegold. Der Abschnitt umfasst rund eineinhalb Seiten und regelt detailliert, dass unter anderem Gold in Barrenform mit einem Feingehalt von mindestens 995 oder nach dem Jahr 1800 geprägte Goldmünzen mit einem Feingehalt von mindestens 900, die in ihrem Ursprungsland offizielles Zahlungsmittel waren oder sind, von der Mehrwertsteuer befreit sind. Allerdings nur dann, wenn der Marktpreis der Münze den Edelmetallwert um nicht mehr als 80 % übersteigt. Sammlermünzen, die zu einem Preis gehandelt werden, der den Goldwert um 80 % übersteigt, unterliegen dem vollen Mehrwertsteuersatz.

Der Staat will Edelmetalle nicht unattraktiv machen

Gerüchte, Mutmaßungen, Verschwörungstheorien und Befürchtungen, der Staat wolle die Menschen mit einer Mehrwertsteuererhöhung vorsätzlich vom Edelmetallkauf abhalten, entbehren jeder Grundlage. Die EU-Richtlinie enthält eine Positivliste mit Waren und Dienstleistungen, die der verminderten Mehrwertsteuer unterworfen werden sollen. Auf der Liste finden sich nur noch Waren und Dienstleistungen des Grundbedarfs, also Lebensmittel, Medizin, Wohnen, soziale Interaktion und Mobilität. Edelmetalle fallen nicht unter den Grundbedarf eines Menschen und stehen daher nicht auf der Liste.

Mit dem Sonderfall der gänzlichen Mehrwertsteuerbefreiung von Anlagegold ist die EU weit davon entfernt, Edelmetalle vorsätzlich unattraktiv für Anleger zu machen. Im Jahr 2006, als die Richtlinie verabschiedet wurde, stellte Silber eine Ausnahmeerscheinung dar, die auf dem Anlagemarkt praktisch keine Rolle spielte. 2007 umfasste die Investmentnachfrage nach Silber nur 5 % der Gesamtnachfrage nach dem Metall. Selbst im Jahr 2011 machte die industrielle Nachfrage noch deutlich mehr als 50 % der Gesamtnachfrage aus. Silber war und ist als Anlage-Gut nur eine Randerscheinung. Der Markt für Anlagegold ist um ein Vielfaches größer als der Silbermarkt. Dass Silber als Anlagemetall nicht auch von der Mehrwertsteuer befreit wurde, ist eher auf die fehlende Bedeutung des Metalls für Anleger zurückzuführen als auf das bewusste Unattraktivmachen von Silberkäufen.

Silberbarren und -münzen
Barren und Münzen: Bald gleich besteuert?

Auswirkungen der Steuererhöhung für Anleger

Während neue Silberanleger oder Aufstocker unter einer Steuererhöhung zu leiden hätten, würden Altanleger, die bereits Silbermünzen besitzen, davon profitieren. Zwar wird die Mehrwertsteuer bei Verkäufen an gewerbliche Ankäufer nicht mit ausgezahlt. Doch bei Verkäufen an Privatpersonen (Verkauf über den Sekundärmarkt) hat sich die Berücksichtigung der Mehrwertsteuer im Verkaufspreis eingebürgert. Silberbestände würden also bei einem angenommenen Verkauf an privat ab dem Zeitpunkt der Steuererhöhung um einige Prozente höhere Verkaufserlöse bringen. Ob das Interesse an Silberanlagemünzen nach einer Anhebung der Mehrwertsteuer zurück geht, bleibt abzuwarten. Eine teilweise Verlagerung der Investments zugunsten von Gold wäre sicherlich jedoch zu erwarten.

Auswirkungen auf die Vielfalt der Silber-Anlageprodukte

Münzbarren und Münzstangen
Münzbarren und -tafeln, Münzstangen

Die Steuererhöhung könnte manche Prägeanstalten und Händler belasten. Neue Silberanlage-Produkte wie Münzbarren oder Münzstangen (beide zählen steuerlich als Münze), die als Alternative zu Barren angepriesen und nur mit 7 % besteuert werden, machen ohne die Steuerdifferenz wenig Sinn. Die bei vielen Anlegern beliebten Kilo-Münzen könnten ebenfalls an Attraktivität zu Gunsten von Standard-Silberbarren einbüßen. Denn netto, also ohne Berücksichtigung der Steuer, sind Münzen durch höheren Kosten der Prägung teurer als Barren gleicher Masse.

1 kg Kookaburra Silber
1 kg Silbermünze Kookaburra, noch mit 7 % besteuert

Werden Münzen mit dem vollen Mehrwertsteuersatz von 19 % belegt, sind Kilomünzen und Münzbarren wieder teurer als Barren. Netto, ohne die MwSt. gerechnet, kosten Kilomünzen derzeit (Stand November 2012) ca. 4 % mehr als Kilobarren, was einem Preisunterschied von ca. 35 - 40 Euro zugunsten gegossener Barren entspräche. Dies könnte zur Folge haben, dass sich die Nachfrage nach Kilomünzen reduzieren wird. Für die Kilomünze spricht aber weiterhin die Gestaltung mit einem Motiv sowie der aufgeprägte Nennwert. Zudem dürften Kilomünzen schwieriger zu fälschen sein als Kilobarren in Silber. Das Argument, Barren wären besser zu lagern als Kilomünzen, ist sicherlich nur für wenige Anleger ein Aspekt, der Berücksichtigung bei dieser Abwägung findet.

Die Steuererhöhung wird kommen

Silber-Mehrwertsteuer

Fazit: Dass der Mehrwertsteuersatz für Silbermünzen erhöht werden muss, steht seit 2006 fest. Dass in Deutschland der verminderte Satz auch im Jahr 2013 noch gilt, ist vor allem auf die Trägheit aller drei seither regierenden Koalitionen zurückzuführen, die die Umsetzung der EU-Richtlinie hinauszögerten. Angesichts eines laufenden Vertragsverletzungsverfahrens der Kommission war es jedoch nur eine Frage der Zeit, bis für Silbermünzen der volle Mehrwertsteuersatz gilt. Voraussichtlich wird dies nun am 1.1.2014 der Fall sein.

Anzeichen für eine geplante Ausweitung der Mehrwertsteuerpflicht auf Käufe von Anlagegold gibt es keine.

© Gold.de
Autor: Thomas Kallwaß/SH

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