Gold: 3.756,60 € 0,00 %
Silber: 54,99 € 0,00 %
Stand: 26.03.2026 von Wolfgang Wrzesniok-Roßbach
Der Edelmetallmarkt im Jahr 2026 gleicht einer Achterbahnfahrt – und dieser Rollercoaster Ride findet inzwischen sogar innerhalb von wenigen Stunden statt. Dies wurde beim zweiten „ZukunftsForum Edelmetalle“ deutlich, das am 23. und 24. März in Frankfurt stattfand.
Ära der Sachwerte: Insights aus dem ZukunftsForum Edelmetalle

Die Geopolitik bleibt also auch künftig ein beherrschender Einflussfaktor auf Gold und die Weißmetalle – doch es gibt weitere dominierende Trends, die bei der Branchenkonferenz deutlich wurden. Während kurzfristige Volatilität die Händler atemlos hält, festigen sich mindestens sieben langfristige strukturelle Entwicklungen, die Gold, Silber und Platinmetalle als unverzichtbare Anker in einer fragmentierten Weltwirtschaft positionieren.

Podiumsdiskussion beim ZukunftsForum Edelmetalle, 23.03.2026Podiumsdiskussion ZukunftsForum Edelmetalle, 23.03.2026


Warum 2026 kein normales Marktjahr ist

Was hinter der neuen Volatilität am Edelmetallmarkt steckt

Nachdem Gold und Silber am Morgen des ersten Konferenztages mit einem Kursminus von jeweils acht Prozent in den Handel gestartet waren, setzte am späten Vormittag eine deutliche Erholung ein, als Zeichen der Entspannung im Nahost-Konflikt bekannt wurden.

  1. Geopolitik als Waffe: Das Ende der Berechenbarkeit

    Die Geopolitik ist vom Hintergrundrauschen zum primären Preistreiber avanciert. Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran sowie die unberechenbare Zollpolitik der Trump-Administration haben Edelmetalle in den Status von „geopolitischen Waffen“ erhoben. Marktexperten wie Erik Kirschbaum betonen, dass Trump Gold und Rohstoffe primär unter dem Aspekt nationaler Macht betrachtet. Diese „America First“-Strategie zwingt Europa dazu, eigene Rohstoffstrategien zu entwickeln, um nicht zwischen den Fronten der USA und Chinas zerrieben zu werden.

    Dr. Jürgen Michels von der BayernLB warnt in diesem Zusammenhang vor einer Eskalation, die weit über einen kurzen „Dip“ hinausgeht: Sollte die geopolitische Lage instabil bleiben, drohen „tiefgreifende Veränderungen“ und eine Rezession im Verlauf des Jahres. Gold fungiert hierbei als Barometer der Angst; jede diplomatische Erschütterung führt zu sofortigen, heftigen Reaktionen an den Tickersymbolen.

  2. Die „6 Ds“ und das Gespenst der Stagflation

    Die Weltwirtschaft kämpft mit sechs strukturellen Treibern, den sogenannten „6 Ds“: Demografie, Deglobalisierung, Digitalisierung, Dekarbonisierung, Verteidigung (Defense) und Verschuldung (Debt). Diese Faktoren wirken fundamental inflationär. John Reade vom World Gold Council sieht deutliche Parallelen zur Zeit der 1970er Jahre: „Das klingt für mich verdammt nach Stagflation“. In einem Umfeld aus stagnierendem Wachstum und steigenden Preisen durch Energieengpässe hat Gold historisch seine stärkste Performance gezeigt.

    Besonders die explodierende Staatsverschuldung in den USA und China untergräbt das Vertrauen in ungedecktes Fiat-Geld. Philipp Vorndran von Flossbach von Storch stellt klar, dass in einer Welt, in der Sondervermögen eigentlich „Sonderschulden“ sind, der Weg in reale Werte eine „logische Folgerung“ für Anleger bleibt.

    Dr. Jürgen Michels beim ZFE 23.03.2026Die 6 Ds - Dr. Jürgen Michels, Chefvolkswirt BayernLB

  3. De-Dollarisierung: Zentralbanken als strukturelle Käufer

    Ein massiver Trend ist die Abkehr globaler Zentralbanken vom US-Dollar. Gold ist dabei nicht mehr nur „Tafelsilber“, sondern ein strategischer Anker. Dr. Karsten Stroborn von der Deutschen Bundesbank betont, dass Gold zur Stärkung des Vertrauens in die Währung und zur Sicherstellung der Zahlungsfähigkeit in Krisenzeiten dient. Mit 3.350 Tonnen hält Deutschland den zweitgrößten Goldbestand weltweit – ein Symbol für unsere Stärke.

    Trotz kurzfristiger Gewinnmitnahmen durch „Makro-Touristen“, die ihre Gold-Gewinne zu Ausgleich von Verlusten in anderen Anlageklassen genutzt haben, bleibt die Nachfrage der Notenbanken, insbesondere aus den Emerging Markets wie China und Indien, strukturell hoch. Sie suchen Unabhängigkeit vom US-Finanzsystem, besonders seitdem die Unabhängigkeit der US-Notenbank Fed durch politische Einflussnahme zunehmend in Frage gestellt wird.

  4. Digitale Revolution: Tokenisierung macht Gold liquide

    Technologisch steht der Goldmarkt vor seinem größten Sprung seit 100 Jahren: der Tokenisierung. Durch die europäische MiCA-Richtlinie wurde Ende 2025 die nötige Rechtssicherheit geschaffen, um physisches Gold als „digitalen Zwilling“ auf der Blockchain zu handeln. Dr. Philipp Reisert (C.Hafner) erklärt den Vorteil:

    Das Eigentum kann in Lichtgeschwindigkeit um die Welt reisen, während der Barren sicher im Tresor bleibt.

    Dieser Trend demokratisiert den Zugang zum Edelmetallmarkt. Tokenisiertes Gold ist beliebig teilbar und ermöglicht Mikrotransaktionen rund um die Uhr, an sieben Tagen die Woche. Damit wird Gold so liquide wie Bargeld, behält aber seine Funktion als wertstabiler Speicher gegenüber inflationären Währungen.

  5. Goldminen-Stagnation: Angebot am Limit

    Trotz der astronomischen Preise der letzten Jahre gelingt es der Minenindustrie nicht, die Produktion nennenswert auszuweiten. John Reade weist darauf hin, dass die Minenproduktionseit 2018 faktisch flach verläuft. Die Margen der Goldminenunternehmen waren 2025 zwar so hoch wie nie zuvor, doch die Erschließung neuer Vorkommen ist langwierig und teuer.

    Selbst das Gold-Recycling, das normalerweise bei Preisspitzen sprunghaft ansteigt, blieb zuletzt hinter den Erwartungen zurück. Dieses begrenzte Angebot trifft auf eine steigende Investmentnachfrage, was den Boden für den Goldpreis langfristig nach unten absichert – Experten sehen den „Floor“ mittlerweile deutlich höher als in vergangenen Jahren.

  6. Silber: Das strukturelle Defizit der „grünen“ Industrie

    Silber befindet sich in einem massiven strukturellen Defizit, da die industrielle Nachfrage – getrieben durch Photovoltaik und E-Mobilität – das Angebot dauerhaft übersteigt. Junlu Liang von Metals Focus betont, dass China die globale Silbernachfrage dominiert, da es die Produktion von Solarpanelen kontrolliert.

    Ein neuer Hoffnungsträger ist das „Urban Mining“: Ausgediente PV-Module werden zur „größten Silbermine der Welt“, da ein Verzwanzigfachen des Recyclingvolumens in den nächsten zehn Jahren erwartet wird. Lukas Braun von „Solar Materials“ sieht darin eine riesige Chance für Europa, durch technologische Führung bei der Silberrückgewinnung die Rohstoffabhängigkeit zu verringern.

  7. Platinmetalle: Vom Katalysator zum Verteidigungsrohstoff

    Bei den Platinmetallen (PGMs) verschiebt sich der Fokus von der Automobilindustrie hin zur nationalen Sicherheit. Beresford Clarke von SFA Oxford beobachtet, dass Platin und Palladium von „kommerziellen Anliegen“ zu einer „nationalen Verteidigungspriorität“ aufgestiegen sind. Länder wie Südkorea bauen strategische Reserven für 100 Tage auf und auch die USA planen massive Zukäufe kritischer Mineralien.

    Gleichzeitig bleibt das Angebot prekär. Die Minen in Südafrika, die 80 Prozent der Weltproduktion liefern, sind tief, teuer und stoßen an ihre Grenzen. Da PGM-Preise volatil sind, zögern Produzenten, neue Schächte zu bauen, was laut Clarke zu einem anhaltenden Marktdefizit bei Platin führen wird.

Wie sich der Edelmetallhandel strukturell verändert

Die Konferenz hat verdeutlicht, dass sich der Edelmetallmarkt in einem „perfekten Sturm“ aus geopolitischen Verwerfungen, technologischen Umbrüchen und einer neuen Ära der Rohstoffdiplomatie befindet. Gold, Silber und die Platinmetalle sind längst aus der Nische der reinen Schmuck- oder Sparprodukte herausgetreten und zu zentralen Instrumenten der nationalen Resilienz und des globalen Risikomanagements geworden.

Die physische Knappheit und die stagnierenden Minenproduktionen bilden das Fundament für langfristige Wertsteigerungen. Die extreme Volatilität und der Rückzug klassischer Banken aus dem physischen Geschäft zwingen die Branche jedoch zu einer massiven Professionalisierung und Digitalisierung.

Das Fazit der Experten ist eindeutig: In einer Welt voller Sonderschulden und sinkendem Vertrauen in Papierwerte bleiben Edelmetalle trotz zwischenzeitlicher Rückschläge der stabile Anker. Doch der Handel damit wird sich durch Tokenisierung, eine Konsolidierung auf Händlerseite und unabhängige Lieferketten deutlich verändern.

Profilbild von Wolfgang Wrzesniok-Roßbach
Stand: 26.03.2026
geschrieben von:
Edelmetallexperte, Berater und Publizist
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von Peter L Ustig | 28.03.2026, 14:02 Uhr Antworten

Unruhige und unsichere Zeiten haben stets starke Auswirkungen auf die Börse und vorallem auf die Edelmetallkurse ausgeübt.
Erfahrungsgemäß hat es sich bewährt,seine physischen von den Banken abgekoppelten „sicheren Rücklagen“ zu behalten,da sich in den letzten zwei Dekaden und auch schon weit davor der Kaufkrafterhalt bewährt hat und sogar zuverlässige Kaufkraftzuwächse generiert wurden.
Wer jedoch nervös und vorschnell verkaufte, hatte im nachhinein überwiegend Verluste hinzunehmen.
Wer in Edelmetall investiert, benötigt einen langen Atem und Weitsicht und nicht den Drang „die schnelle Mark“ / exorbitante Gewinne erzielen zu wollen.
Bisher bewahrheitete sich auch hier stets die Weisheit:…in der Ruhe liegt die Kraft…

von G. Knopf | 27.03.2026, 10:21 Uhr Antworten

Ich kann ihr Einschätzungen zum Thema Edelmetalle voll und ganz unterstützen.
Ich werde kein Stück aus der hand geben und werde meine Edelmetallaktien behalten,
auch wenn sie zur Zeit ein gutes Stück zurückgekommen sind.
Ihre globale Einschätzung zu den Edelmetallen bestärkt mich dazu noch.

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