Stand: 15.02.2017 von Egmond Haidt 0 Kommentare

Obwohl die Trump-Euphorie an die Börsen zurückgekehrt ist, hält sich der Goldpreis bemerkenswert gut. Etliche Gründe sprechen dafür, dass sich der Aufwärtstrend in den nächsten Monaten beschleunigen könnte.

Dass der Goldpreis in der Nähe des Dreimonatshochs notiert, ist mehr als erstaunlich: Denn der sogenannte „Reflation“-Trade ist mit voller Wucht an die Börsen zurückgekehrt und bedeutet damit eigentlich Gegenwind für den Goldpreis. Nachdem US-Präsident Donald Trump angekündigt hat, in den nächsten Woche einen „phänomenal“ Steuerplan vorzulegen, setzen die Investoren darauf, dass die massiven Steuersenkungen die US-Wirtschaft kräftig ankurbeln und damit die Inflationsraten in den nächsten Monaten weiter steigen werden (Reflation). Wegen dieser Aussicht eilt der US-Aktienmarkt von Rekord- zu Rekordhoch , was Gegenwind für den Goldpreis bedeutet, weil viele Investoren glauben, sie müssten sich nicht mehr gegen einen möglichen Kursrückgang am Aktienmarkt absichern.

Trump will einen schwachen Dollar

Bemerkenswert ist allerdings, dass trotz dieser Trump-Euphorie der Dollar nicht steigt. Genau das wäre eigentlich bei einer kräftigen Belebung der US-Wirtschaft zu erwarten. Investoren wissen aber, dass Trump alles tun wird, um den Dollar zu schwächen. Wenn der Dollar gegenüber dem Yen im Rückwärtsgang ist, bedeutet das aber Rückenwind für den Goldpreis. Das können Sie in dem Beitrag „Kommt 2017 die Euro-Krise?“  nachlesen und in diesem Chart Yen/Dollar genau nachverfolgen. Der sinkende Dollar verhindert, dass die Zinsen kräftig steigen. So tendieren die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen seit Anfang Dezember 2016 seitwärts. In einem Umfeld, in dem der Dollar im Rückwärtsgang ist, während die Zinsen trotz kräftig steigender Inflation nicht steigen, tendiert der Goldpreis langsam aber sicher nach oben. Gegenüber dem Tief vom Dezember 2016 steht ein Kursplus von knapp zehn Prozent zu Buche.

Le Pen will die Notenpressen auf Hochtouren laufen lassen

Während viele Investoren auf Trump’s Steuerplan warten, schauen sie mit bangen Blick auf die Entwicklung in Frankreich. Laut den Umfragen soll Marine Le Pen, die Chefin des Front National, zwar die erste Runde der Präsidentenwahl am 23. April klar gewinnen. Allerdings soll Le Pen die Stichwahl am 7. Mai haushoch verlieren. Wahrscheinlich sind die Siegchancen für Le Pen aber bei Weitem nicht so schlecht, wie die Umfragen suggerieren. Deswegen machen sich Investoren zusehends Sorgen, dass es nach einem möglichen Wahlsieg von Le Pen zu einem Referendum über den Austritt aus dem Euro kommen könnte, weshalb die Zinsen für französische Anleihen deutlich steigen. Gleichzeitig steigt der Zinsaufschlag für französische Anleihen gegenüber deutschen kräftig.

Sorgen bereiten Investoren vor allem Le Pen’s Pläne für die französische Notenbank und die Staatsanleihen. Le Pen will die Unabhängigkeit der Notenbank abschaffen und sie nutzen, um die Staatsausgaben zu finanzieren. Le Pen will also die Notenpresse auf Hochtouren laufen lassen, um damit soziale Wohltaten zu bezahlen.

Zur Erinnerung: Frankreich hat horrende 2,16 Billionen Euro Staatsschulden - das sind 97,5 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. Da der „neue Franc“ in dem Umfeld gegenüber dem „Rest-Euro“ kräftig abwerten würde, ist eine stark steigende Inflation - also eine deutlich sinkende Kaufkraft - für die Franzosen praktisch garantiert. Ein Austritt aus dem Euro bedeutet zudem enormes Ungemach für die Besitzer französischer Staatsanleihen. Da bis zu 90 Prozent der französischen Anleihen nach französischem Recht emittiert worden sind, können sie nach entsprechenden Gesetzesänderungen auf „Franc“ umgestellt werden. Auf genau jenen Franc, der wegen des massiven Gelddruckens massiv abwerten soll gegenüber dem Euro. In einem derartigen Szenario würden die Kurse der Anleihen einbrechen, weil Investoren ihre Papiere auf den Markt werfen würden. Das wäre für sämtliche Besitzer französischer Staatsanleihen nicht besonders schön, auch nicht für deutsche Anleger, deren Lebensversicherungen in französische Anleihen investiert haben.

Niederlande im Blick

Wie groß die politischen Risiken in der Euro-Zone sind - und damit die Wahrscheinlichkeit für ein Auseinanderbrechen des Euro -, könnte allerdings bereits die Wahl in den Niederlanden am 15. März zeigen. Zwar könnte die „Partei für die Freiheit“ des Rechtspopulisten Geert Wilders laut Umfragen bis zu 30 der 150 Sitze im Unterhaus erobern. Zuversichtlich stimmt die Wahlforscher aber, dass es den Niederländern viel besser geht als den Franzosen. So liegt die Arbeitslosenquote in den Niederlanden bei lediglich 5,4 Prozent, gegenüber 10 Prozent für Frankreich, während die Jugendarbeitslosigkeit mit 26,2 Prozent in der Nähe des Rekordhochs liegt.

Daher setzen viele Investoren darauf, dass die PVV zwar die stärkste Kraft bei der Wahl in den Niederlanden werden wird, Regierungschef soll allerdings der rechtsliberale Ministerpräsident Mark Rutte bleiben, wenngleich seine Partei VVD herbe Stimmenverluste hinnehmen müsste. Allerdings muss Rutte wahrscheinlich eine Koalition aus fünf Parteien schmieden. Sollte Wilders mehr Sitze erobern als erwartet, könnte die Sorge über die Zukunft des Euro viel schneller auf den Tisch kommen, als viele Anleger derzeit erwarten.

Gold-Fans sollten einerseits Trump’s Politik genau im Auge behalten. Sollte der Steuersenkungsplan möglicherweise nicht ganz so „phänomenal“ ausfallen wie erwartet, würde das den Dollar belasten und im Gegenzug den Goldpreis beflügeln. Gleichzeitig dürfte Trump den Dollar weiterhin bei jeder Gelegenheit nach unten reden.

Andererseits sollten Gold-Fans die Entwicklung in Frankreich weiter genau verfolgen. Je mehr von Le Pen’s abstrusen Plänen an die Öffentlichkeit dringt, und je stärker Le Pen’s Umfragewerte steigen, umso mehr Sorgen werden sich Investoren über die Entwicklung in Frankreich machen und umso stärker werden die Zinsen für französische Anleihen steigen. In diesem Umfeld dürfte die Nachfrage nach Gold gerade in Deutschland zunehmen.

Trump und Vorgänge in Euro-Zone sprechen für Gold
Egmond Haidt - Nach der Bankausbildung und dem BWL-Studium begann Egmond Haidt im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.
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