Stand: 08.05.2020 von Hannes Zipfel
Die jüngsten Zahlen des World Gold Council (WGC) zeigen einen deutlichen Anstieg bei den Mittelzuflüssen in Goldfonds in Nordamerika. Die Corona-Krise und das unlimitierte Gelddrucken der US-Notenbank haben zu einem Umdenken bei den Anlegern geführt.
Amerikanisches Interesse an Investment-Gold steigt stark

Goldnachfrage verlagert sich

Die Nachfragestruktur nach Gold hat sich im Zuge der Coronakrise deutlich verschoben:

Zunächst war der Bedarf aus der Industrie und aus dem Schmuckbereich bedingt durch den Shutdown stark rückläufig.

In Regionen mit niedrigerem Pro Kopf Einkommen, wie z. B. in Indien oder China, waren die Rückgänge in den ersten vier Monaten dieses Jahres besonders ausgeprägt. Die Käufer in den Schwellenländern hielten sich aber auch wegen der Rekordpreise in ihren lokalen Währungen zurück.

Ganz anders die Situation im Westen: hier litt zwar auch die Schmuck – und Industrienachfrage, dafür entwickelte sich das Interesse an Goldmünzen, Goldbarren und goldgedeckten Investmentprodukten explosionsartig. Lange Zeit hatte dabei Europa die Nase vorn. Ein Grund dafür war die latente Gefahr eines Wiederaufflammens der Eurokrise.

Im März erhöhte sich die Nachfrage nach Gold in Europa und speziell in Deutschland dann zusätzlich durch die Corona-Krise.

Das World Gold Council (WGC) meldete für den März 2020 Mittelzuflüsse aus Europa in goldgedeckte Anlagevehikel (Exchange Traded Products/ ETPs) in Höhe von 84,3 Tonnen. Das entspricht einem Anteil von 56 Prozent der weltweiten ETP-Zuflüsse. In den USA erhöhten sich die Bestände im März lediglich um 57 Tonnen.

Nachfragesprung in den USA

Nachdem die Corona-Pandemie mit Zeitverzögerung auch Nordamerika erreichte und die Wirtschaft durch den Shutdown mit voller Wucht traf, begann das für Krisen typische Nachfragemuster, das bereits während der Weltfinanzkrise zu beobachten war:

Die Absorption des Goldangebots durch Investoren überkompensiert die Nachfrageeinbußen im Schmuck- und Industriebereich deutlich.

Mit 144,2 Tonnen floss so viel Gold aus Nordamerika, speziell aus den USA, in Gold-ETPs wie seit Februar 2009 nicht mehr - damals waren es rekordhohe 183,4 Tonnen. Der April 2020 avanciert damit weltweit betrachtet zum drittstärksten Monat für die Investment-Goldnachfrage seit Einführung der ersten Gold-ETPs vor 17 Jahren.

Noch im April 2019 zogen die Investoren in Nordamerika 49 Tonnen Gold aus ETPs ab.

Zuletzt hatten positive Goldanalysen der beiden größten US-Banken JPMorgan Chase und Bank of America das Interesse an dem monetären Edelmetall neu geweckt. Die Analysten beider Häuser weisen zurecht darauf hin, dass die US-Notenbank (Fed) mittlerweile unlimitierte Gelddruckprogramme verfolgt.

Im Gegenzug könne die Fed aber kein Gold drucken. Damit rückt die älteste und solideste Währung der Welt wieder verstärkt in den Fokus auch der nordamerikanischen Investoren.

Mit zu den starken April-Zahlen beigetragen hat sicherlich auch die Performance des Goldpreises in der zweiten Märzhälfte. In US-Dollar stieg der Wert des gelben Edelmetalls vom Tief am 16. März bei 1.451 US-Dollar bis auf 1.574 US-Dollar am 31. März an.

Diese schnelle Erholung des Goldpreise führte Mitte April sogar weiter bis auf neue zyklische Höchststände in US-Dollar, die seit dem Jahr 2012 nicht mehr erreicht wurden. Diese Entwicklung überzeugte die amerikanischen Anleger erneut von der Funktion des Goldes als „sicherer Hafen“ in Krisenzeiten.

Die anhaltende Unsicherheit über die wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen der Corona-Pandemie sowie die extrem laxe Geldpolitik der US-Notenbank Fed dürfte die Investmentgoldnachfrage auch in den kommenden Monaten weiter stark beeinflussen.

Autor: Hannes Zipfel
Ökonom
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von Commander C | 08.05.2020, 12:21 Antworten

Achtung, Verschwörungstheorie: Ich vermute, der Staat will über Erbschaftssteuer, mittels zu hoch bewerteter Sachwerte, an das Giralgeld der Nachkommen. Bitte, liebe Nachkommen, rechnet Euch aus ob Ihr zu erbende Sachen steuerlich tragen könnt. Niemand will einen Kredit / Hypothek aufnehmen, um Erbschaftssteuer zahlen zu können. Gold, geschickt verwaltet, kann helfen.

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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"