Gold: 1.580,15 € 0,00 %
Silber: 20,43 € +0,01 %
Stand: 27.09.2021 von Hannes Zipfel
Das Wahlergebnis in Deutschland tangiert die Edelmetallmärkte kaum. Politische Schwergewichte wie die ehemaligen Bundes- und Bundesbankpräsidenten Horst Köhler und Axel Weber sowie der deutsche Chefvolkswirt der EZB, Jürgen Stark, die der laxen Geld- und Schuldenpolitik noch offen die Stirn boten, haben bereits vor Jahren das Handtuch geworfen.
Ampel oder Schwampel? Für Gold gibt es Wichtigeres

Die sich zuspitzende Schuldenkrise in Europa taucht auf der politischen Agenda Deutschlands nicht mehr auf.

Wichtig für den Goldpreis sind in dieser Woche folgende Themen:

  1. Platzen der chinesischen Immobilienblase

  2. Drohender Staatsbankrott der USA

  3. Kriegs-Ultimatum zwischen Serbien und dem Kosovo

  4. Rechenschaftsbericht des FED-Chefs vor dem US-Kongress

  5. Verfall der COMEX Termin-Kontrakte für Gold und Silber

Springt die Koalitions-Ampel für Deutschland auf Rot?

Deutschland hat gewählt, aber was? Legt man die Annahme zugrunde, dass sich die Grünen und die FDP auf tragfähige Kompromisse einigen können, dann ist die Ampel-Koalition unter Führung der SPD am wahrscheinlichsten.

Schließlich muss die grüne Basis einer Koalition zustimmen.

Zwei Drittel der Mitglieder von Bündnis 90/Die Grünen sind gegen eine Zusammenarbeit mit der CDU/CSU auf Bundesebene. Damit dürfte die schwarze Ampel, auch "Schwampel" oder Jamaika-Koalition genannt, nahezu chancenlos sein.

Da die FDP als marktwirtschaftliches Korrektiv sehr wahrscheinlich Teil der neuen Regierung ist, ändert sich aus Sicht der internationalen Finanzmärkte in Deutschland politisch nicht viel. Auch dann nicht, wenn Grüne und Gelbe sich wider Erwarten nicht einigen und die Verhandlungen auf eine "GroKo" unter Führung der SPD hinauslaufen.

In China braut sich etwas ganz Großes zusammen

Die aktuelle Gelassenheit an den Finanzmärkten in Europa und den USA täuscht darüber hinweg, dass sich in China gerade ein heftiges ökonomisches Gewitter zusammenbraut. Die Zahlungsunfähigkeit des Immobilienentwicklers Evergrande ist nur das Symptom einer platzenden Immobilienblase, die das Potenzial hat, eine globale Krise auszulösen.

Die Evergrande Group konnte in der vergangenen Woche Zahlungen in US-Dollar in dreistelliger Millionenhöhe an Gläubiger nicht leisten. Derweil breitet sich die Krise auf andere chinesische Immobilienentwickler und den gesamten Markt für Anleihen mit geringer Bonität aus.

Die Verkäufe von Liegenschaften, Wohnungen und Häusern kollabieren. Für den September wird mit Rückgängen bei dem Absatz von Wohnimmobilien in Höhe von 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr gerechnet, nach einem Minus von 20 Prozent im August.

Die Preise sollen ebenfalls erneut zweistellig einbrechen.

Für die Eigentümer der in hohem Maße fremdfinanzierten Objekte ist das eine gefährliche Entwicklung. Zwangsversteigerungen und Dominoeffekte drohen.

Die Regierung in Peking weigert sich nach wie vor den hoch verschuldeten Immobilienentwicklern unter die Arme zu greifen. Im Gegenteil wurden die Finanzierungsrichtlinien verschärft und Mietendeckel eingezogen.

Man möchte die Immobilienblase bewusst verkleinern.

In Anbetracht der Dimension der Preis- und Schuldenblase sowie des bereits jetzt enormen Leerstands mit Geisterstädten im ganzen Land ist das ein gewagtes Manöver. Ende letzten Jahres hatte der damals reichster Mann Chinas, Wang Jianlin, den Immobilienmarkt im Reich der Mitte als „größte Blase in der Geschichte“ bezeichnet.

Für die Regierung in Peking gibt es nun zwei Optionen: Entweder lässt sie das Platzen der gigantischen Blase zu oder sie agiert ähnlich wie die Regierungen und Notenbanken in den USA und Europa nach dem Zerbersten der westlichen Immobilienblasen ab 2008 mit einer monströsen Gelddruck-, Zinssenkungs- und Rettungsorgie. Beide Szenarien sprächen für Gold.

Den USA läuft die Zeit davon

Zusätzlich zu den Entwicklungen in China eskaliert der Budgetstreit in den USA. In der vergangenen Woche gelang es erneut nicht, im US-Kongress eine Abstimmung über das Budget für das Fiskaljahr 2021/2022 durchzuführen. Daran hängt auch das Konjunkturpaket in Höhe von 3,5 Billionen US-Dollar.

Der neue Stimulus sollte helfen, die negativen Folgen der jetzt auslaufenden gigantischen Corona-Hilfsprogramme wirtschaftlich abzufedern.

Der für heute angesetzte Abstimmungstermin wurde ebenfalls abgesagt. Kommt es bis Donnerstag dieser Woche zu keiner Lösung, versiegt ab Oktober die wichtigste Finanzierungsquelle der USA. Sogar ein technischer Staatsbankrott ist dann wahrscheinlich.

Die wirtschaftlichen Auswirkungen einer zahlungsunfähigen Administration hängen davon ab, wie lange die Hängepartie andauert. Die politischen Fronten zwischen Demokraten und Republikanern sind verhärtet – im kommenden Jahr stehen wichtige Zwischenwahlen an.

Unter den Demokraten gibt es ebenfalls große Uneinigkeit, was die Lage zusätzlich verschärft.

Mit den aktuellen Entwicklungen in China und den USA drohen die beiden mit Abstand größten Volkswirtschaften der Welt, die zusammen für 35 Prozent der globalen Wertschöpfung und für zwei Drittel des Wachstums stehen, in den kommenden Monaten gemeinsam in eine Rezession abzugleiten.

In der Folge würde das Risiko massiver Ausfälle bei chinesischen und amerikanischen Krediten steigen. Erinnerungen an die letzte Finanzkrise werden wach. Die aktuelle Gelassenheit, speziell an den Aktienmärkten, gleicht mehr und mehr der Ruhe vor dem perfekten Herbststurm. Das gilt auch für den Goldpreis, allerdings mit umgekehrten Vorzeichen.

Drohender Stellvertreterkrieg auf dem Balkan

Zwischen dem von Russland unterstützten Serbien und dem mit der NATO verbündeten Kosovo bahnt sich nach Informationen der Bild-Zeitung in dieser Woche ein bewaffneter Konflikt an. In dem eskalierenden Streit, der sich ursprünglich aus dem Zwangsumtausch von Nummernschildern beim Grenzübertritt entwickelte, stellt Serbien der NATO ein Ultimatum bis zum Dienstag.

Die Regierung in Belgrad spricht von Pogromen gegen Serben.

Sollte die NATO nichts dagegen unternehmen, droht Präsident Aleksandar Vucic mit einer bewaffneten Reaktion im Kosovo. Das serbische Militär ist bereits in höchste Alarmbereitschaft versetzt, Grenzübergänge sind geschlossen und Panzer wurden an die Grenze im Norden des Kosovo verlegt. Nach der Niederlage in Afghanistan gilt die NATO als geschwächt. Russland erkennt den Kosovo nicht als eigenständige Republik an und unterstützt Serbien militärisch. Die KFOR-Truppen bereiten sich auf einen bewaffneten Konflikt vor, der sich zu einem Stellvertreterkrieg zwischen dem westlichen Militärbündnis und Russland entwickeln könnte.

GfK-Verbrauchervertrauen, Powell vor dem US-Kongress und COMEX-Verfall

Am Dienstag wird das vom Forschungsinstitut GfK erhobene deutsche Verbrauchervertrauen veröffentlicht. Der Index basiert auf einer monatlichen Umfrage unter 2.000 Bürgern und gilt als wichtigster Frühindikator für die Konsumausgaben in Deutschland.

Nach einem Wert von -0,4 Punkten im Juli und -1,2 Punkten im August wird für den September ein Wert von -1,6 Punkten erwartet. Vor allem Preissteigerungen verderben den Deutschen aktuell die Lust am Konsum. Vor der Corona-Krise lag der GfK-Index über eine halbe Dekade hinweg bei Werten um +10 Punkte.

Ebenfalls am Dienstag wird der Präsident der US-Notenbank (Fed), Jerome Powell, vor dem gemeinsamen Wirtschaftsausschuss beider Häuser des US-Kongresses zum konjunkturellen Ausblick und zur aktuellen Geldpolitik Stellung nehmen.

Von dem Statement Powells erhoffen sich die Märkte Hinweise auf den Starttermin für die Verringerung der aktuellen Wertpapierkaufprogramme der Notenbank (Tapering). Während der anschließenden Befragung Powells durch die Ausschussmitglieder kann es zu heftigen Ausschlägen an den Edelmetallmärkten kommen.

Zu Beginn dieser Woche laufen die Gold- und Silber-Optionen für Oktober an dem weltweit bedeutendsten Terminmarkt, der COMEX, aus.

Am morgigen Dienstag folgt dann der Verfallstermin für die September-Kontrakte für Gold- und Silber-Futures. Der kommende Donnerstag ist der letzte Liefertermin für physisches Metall resultierend aus diesen Future-Kontrakten.

In der folgenden Übersicht finden Sie weitere wichtige Termine, die besonders für deutsche Anleger und den Edelmetallmarkt in der Kalenderwoche 39 relevant sind:

Wochentag Zeit (MESZ) Datenart Prognose Vorherig
Montag 14:30 Uhr EU: EZB-Präsidentin Christine Lagarde äußert sich zur Geldpolitik - -
16:30 Uhr USA: Auftragseingang für langlebige Güter 0,7 % 0,5 %
Dienstag 8:00 Uhr DE: GfK-Verbrauchervertrauen -1,6 -1,2
16:00 Uhr USA: Rechenschaftsbericht des Fed-Präsidenten Jerome Powell vor dem US-Kongress - -
17:00 Uhr EU/DE: Deutsche EZB-Direktorin Isabel Schnabel äußert sich zur Preisinflation und der Geldpolitik - -
Mittwoch 8:00 Uhr DE: Importpreise August (Jahr) 16,1 % 15,0 %
14:00 Uhr EU/Welt: EZB-Zentralbankforum – Auftaktrede von Christine Lagarde (ab 17:45 Uhr: Rede von Jerome Powell) - -
16:30 Uhr USA: Veränderung der Rohöl-Lagerbestände in Mio. Barrel - -3,48
Donnersta 3:00 Uhr CHN: Einkaufsmanager-Index Gesamt (Sept.) 49,2 48,9
14:00 Uhr DE: Verbraucherpreise September (Jahr) 4,2 % 3,9 %
14:30 Uhr USA: Erstanträge zur Arbeitslosenhilfe 333K 351K
Freitag 8:00 Uhr DE: Einzelhandelsumsatz August (Jahr) 1,9 % -0,3 %
9:55 Uhr DE: Einkaufsmanager-Index Verarbeitendes Gewerbe September 58,2 58,5
14:30 Uhr USA: Konsumentenpreisinflation PCE Kernrate (September (Jahr) +3,5 % +3,6 %
16:00 Uhr USA: ISM Einkaufsmanager-Index Verarbeitendes Gewerbe September 59,6 59,9
USA: Nationales Verbrauchervertrauen der Universität Michigan 71,0 71,0
atenquelle: Thomson Reuters, Investing.com
Autor: Hannes Zipfel
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von WhiteWarrior | 30.09.2021, 09:15 Antworten

Dass Silber nochmals so heruntergeprügelt wird, hätte ich nicht für möglich gehalten.
Ich habe mich geirrt.
Trotz EU-Schuldenunion, Inflation, Explodierender Energiepreise, 20 % völlig überschuldeter Zombifirmen, Deutscher Rekord-Staatsverschuldung, Millionen Kurzarbeiter, trotz allem fällt der Silberpreis.

Ich kaufe weiter zu den Kursen ein, denn umso länger dieser FIAT-Schwindel weitergeht, desto grösser wird die Fallhöhe. Am Ende der Schuldenblase steht wie immer Armut und Massenverelendung. Was die Deutschen von Freiheit halten, hat man bei der Bundestagswahl deutlich gesehen. Wer die Freiheit einschränkt, bekommt mehr Wählerstimmen als bei der Wahl vor 4 Jahren.

von Aureus | 30.09.2021, 06:13 Antworten

10 bis 20 Prozent Investition im Edelmetall-Sektor bleiben unausweichlich für den konservativen Investor, Schade eigentlich, denn das Geld könnte anderswo besser angelegt sein...Aber Sicherheit ist ja auch ein Wert an sich :-)

von Maik Roenneburg | 28.09.2021, 15:47 Antworten

ich kenne wirklich keine besseren, klareren Analysen als die ihren Herr Zipfel. Super!

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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"