| GOLD | 4.131,94 $/oz | 3.620,85 €/oz | 116,41 €/g | 116.413 €/kg |
| SILBER | 59,68 $/oz | 52,30 €/oz | 1,68 €/g | 1.681,48 €/kg |
Warsh betonte die Bedeutung der Preisstabilität und signalisierte eine entschlossene Haltung im Kampf gegen die Inflation. Gleichzeitig stieg die Erwartung, dass die US-Leitzinsen länger hoch bleiben oder sogar nochmals angehoben werden könnten.
Die Investmentbank gehört seit Jahren zu den prominentesten Optimisten am Goldmarkt. Ende 2024 hatten ihre Analysten Anlegern ausdrücklich zu Gold geraten und damit den anschließenden Kursanstieg bemerkenswert treffsicher vorhergesagt. Nun schlagen die Experten allerdings etwas vorsichtigere Töne an. Das neue Kursziel für den Goldpreis zum Jahresende liegt bei 4.900 Dollar. Zuvor hatte Goldman Sachs noch mit einem Anstieg auf 5.400 Dollar gerechnet. Die Prognose wurde somit um 500 Dollar beziehungsweise rund neun Prozent reduziert.
Trotz dieser Anpassung bleiben die Analysten grundsätzlich positiv gestimmt. Das neue Kursziel liegt weiterhin deutlich über dem aktuellen Goldpreisniveau und impliziert für die zweite Jahreshälfte weiteres Aufwärtspotenzial. Allerdings fällt dieses nach Einschätzung der Experten nun geringer aus als noch vor wenigen Monaten erwartet.
Hintergrund der gesenkten Prognose ist vor allem die veränderte Einschätzung zur US-Geldpolitik. Die Volkswirte von Goldman Sachs gehen inzwischen davon aus, dass die Federal Reserve in diesem Jahr keine Zinssenkungen mehr vornehmen wird. Während zuvor erste Lockerungsschritte früher erwartet wurden, rechnen die Experten nun erst im kommenden Jahr mit Zinssenkungen.
Für Gold ist dies ein wichtiger Faktor. Das Edelmetall wirft keine laufenden Erträge ab und steht deshalb in Konkurrenz zu verzinslichen Anlagen wie Staatsanleihen oder Geldmarktprodukten. Bleiben die Zinsen länger hoch, steigen die Opportunitätskosten (Zinsverzicht) einer Goldanlage und mindern dadurch die Attraktivität von Gold (siehe Chart).
Negative Korrelation zwischen Goldpreis und zweijähriger US-Rendite

Besonders deutlich zeigt sich dies bei goldgedeckten ETFs. Goldman Sachs erwartet künftig geringere Zuflüsse in diese Anlageprodukte als bislang angenommen. Die schwächeren ETF-Zuflüsse waren einer der Hauptgründe für die Reduzierung der Goldpreisprognose.
Zusätzlichen Einfluss auf die Einschätzung hatte die erste Sitzung der Fed unter Kevin Warsh. Einige Marktteilnehmer hatten erwartet, dass die neue Führung der Notenbank möglicherweise eine lockerere Geldpolitik unterstützen könnte. Stattdessen vermittelte die Sitzung den Eindruck, dass die Inflationsbekämpfung weiterhin höchste Priorität besitzt.
Nach Angaben von Goldman Sachs sind dadurch auch Befürchtungen über eine politische Einflussnahme auf die Unabhängigkeit der US-Notenbank vorerst in den Hintergrund getreten. Dies reduziert aus Sicht der Analysten einen Teil jener Nachfrage, die Gold zuletzt als Absicherung gegen geldpolitische Unsicherheiten unterstützt hatte.
In einem solchen Szenario könnte die Nachfrage nach Gold als makroökonomischer Absicherungsbaustein vorübergehend nachlassen. Als mögliches Kursniveau zum Jahresende nennen die Experten für diesen Fall 4.400 Dollar.
Trotz der kurzfristigen Belastungsfaktoren sehen die Analysten weiterhin mehrere Argumente, die für Gold sprechen. Dazu zählt insbesondere die anhaltend hohe Nachfrage der Zentralbanken.
So rechnet Goldman Sachs damit, dass die Notenbanken weltweit auch in den kommenden Quartalen erhebliche Mengen Gold erwerben werden. Für das laufende Jahr gehen die Experten von durchschnittlichen Käufen in Höhe von rund 50 Tonnen pro Monat aus. Für das kommende Jahr werden weiterhin etwa 40 Tonnen pro Monat erwartet.
Damit bleibt ein wichtiger struktureller Nachfragefaktor erhalten. Hinzu kommen langfristige Themen wie hohe Staatsverschuldungen, geopolitische Risiken und die Rolle von Gold als Wertspeicher. Auch wenn die Erwartungen an die Geldpolitik derzeit für Gegenwind sorgen, sehen die Analysten den übergeordneten Goldmarkt daher weiterhin in einer grundsätzlich konstruktiven Verfassung. Kurzfristig überwiegt zwar die Vorsicht, langfristig bleibt der Ausblick jedoch positiv.
Mittlerweile weist der Goldpreis für das Jahr 2026 zwar einen Verlust von fast drei Prozent aus, auf Sicht von zwölf Monaten legte die Krisenwährung aber um ungefähr 25 Prozent zu. Aus charttechnischer Sicht hat sich mit dem Unterschreiten der langfristigen 200-Tage-Linie das Marktsentiment zweifellos eingetrübt.
In der zweiten Wochenhälfte stehen mit dem Auftragseingang langlebiger Wirtschaftsgüter und dem PCE-Preisindex (beide Donnerstag) sowie dem von der Uni Michigan ermittelten Index zum Konsumentenvertrauen (Freitag) einige besonders wichtige Konjunkturindikatoren zur Bekanntgabe an.
Details zu den Daten, Prognosen sowie historische Zeitreihen finden Sie hier.
Obwohl derzeit die hohen Zinsen von vielen Investoren als Nachteil für Gold interpretiert werden, sollte man dabei folgende Aspekte auf keinen Fall außer Acht lassen:Steigende Zinsen dürften sich mit Blick auf die Schuldentragfähigkeit vieler Industriestaaten höchstwahrscheinlich negativ auswirken.
Zu guter Letzt sollte man auch diese Regel der Finanzmarktlehre stets im Hinterkopf behalten: Je höher die versprochenen Renditen eines Investments, desto höher dessen Risiko.