Stand: 25.06.2019 von Jörg Bernhard 3 Kommentare

Der Goldpreis befindet sich auf bestem Wege, den stärksten Monatsgewinn seit drei Jahren zu erzielen. Im Juni verteuerte sich das gelbe Edelmetall bislang um 7,6 Prozent. Im Juni 2016 war mit 8,75 Prozent eine etwas bessere Performance erzielt worden.

Gold-ETFs verzeichnen erhebliche Kapitalzuflüsse

Eine gestiegene Goldnachfrage war vor allem unter verunsicherten Investoren auszumachen. So hat sich zum Beispiel beim weltgrößten Gold-ETF SPDR Gold Shares die gehaltene Goldmenge seit Ende Mai von 743,21 auf 799,03 Tonnen (7,5 Prozent) erhöht. 

Damit wurde der Stand zum Jahresultimo in Höhe von 787,67 Tonnen signifikant übertroffen. Diesseits des Atlantiks lieferte das Blockbusterprodukt Xetra-Gold einen eindrucksvollen Beleg für den aktuellen Kaufrausch bei Gold.

Das von der Deutsche Börse Commodities lancierte „Papiergold“ kletterte mit fast 40 Euro auf den höchsten Stand seit fast drei Jahren, wobei das mit physischem Gold hinterlegte Wertpapier (Xetra-Gold ETC) mittlerweile eine rekordhohe Goldmenge von fast 194 Tonnen Gold repräsentiert (siehe Tabelle). 

Aktuelle Daten bezüglich Xetra-Gold und SPDR Gold Shares

XETRA-Gold SPDR Gold Shares
Handelsvolumen am 21.06. in Stück: 941.900 14.378.007
Kurs aktuell: 39,63 EUR 131,98 USD
Performance 2019: 10,5% 8,8%
52-Wochentief: 32,60 EUR 132,17 USD
52-Wochenhoch: 39,63 EUR 132,17 USD
Goldmenge: 193.956 kg 111,06 USD
Marktwert: 7,69 Mrd. EUR 35,88 Mrd. USD
Quelle: www.xetra-gold; www.spdrgoldshares.com; Stand: 21.06.2019

Zur Erklärung: Xetra-Gold zeigt den in Euro gerechneten Wert von einem Gramm Gold an und ist mit einem Lieferanspruch ausgestattet. Dieses Recht wird gegenwärtig allerdings kaum ausgeübt.

Im Mai 2019 gab es lediglich fünf Auslieferungen, während seit der Emission im November 2007 insgesamt 1.032 Ausübungen gezählt wurden (Quelle: xetra-gold.com).

Das sind pro Monat weniger als acht Auslieferungen.

Terminmarktprofis – seit drei Wochen in Kauflaune

An der weltweit wichtigsten Terminbörse für Gold-Futures haben im Juni vor allem große Terminspekulanten (Non-Commercials) beim gelben Edelmetall kräftig zugegriffen. Sie stockten nämlich in der Zeit vom 28. Mai bis 18. Juni ihre Long-Seite von 194.500 auf 274.600 Kontrakte (+41,2 Prozent) auf. Zugleich fuhren sie ihr Short-Engagement von 107.800 auf 70.300 Futures (-34,8 Prozent) massiv zurück.

Dadurch hat sich deren Netto-Long-Position von 110.000 auf 223.900 Futures mehr als verdoppelt und damit den stärksten Optimismus seit Januar 2018 ausgewiesen. All diese Zahlen dürften angesichts des mittlerweile registrierten Goldpreisanstiegs auf über 1.400 Dollar jedoch im wahrsten Sinne des Wortes überholt sein.

Ob der von vielen Marktbeobachtern als Befreiungsschlag gewertete Ausbruch nach oben von nachhaltiger Natur sein wird, bleibt dennoch abzuwarten. 

Diese Fundamentalfaktoren könnten den Goldpreis noch weiter nach oben treiben: Sollte sich die Angst vor einer US-Rezession verstärken, könnten Zinssenkungen der Fed den Dollar schwächen und dadurch dem Goldpreis in höhere Regionen verhelfen.

Sinkende US-Zinsen bzw. -Renditen erhöhen über die geringeren Opportunitätskosten (Verzicht auf Zinsen) die Attraktivität von Goldinvestments. Und sollte es zu einem Krieg zwischen den USA und dem Iran kommen, dürfte eine Kapitalflucht in den sicheren Hafen Gold sehr wahrscheinlich sein.

Die gegenwärtig zu beobachtende relative Stärke des Goldpreises lässt sich zum einen durch den Anstieg des Timingindikators Relative-Stärke-Index über die Hürde von 70 Prozent ablesen. Zum anderen überzeugt aber auch der Umstand, dass der Goldpreis ungeachtet der starken Tendenz bei US-Blue-Chips innerhalb weniger Wochen um über 100 Dollar nach oben gesprungen ist.

Ausblick für die laufende Woche

Mit dem Anstieg des Goldpreises über 1.400 Dollar löste sich ein Problem schneller als erwartet in Wohlgefallen auf: Die massive charttechnische Widerstandszone bei 1.360 Dollar wurde relativ mühelos überwunden.

Nachdem die US-Notenbank Fed in der vergangenen Woche die restriktive Geldpolitik für beendet erklärt und eine baldige Senkung der US-Leitzinsen in Aussicht gestellt hatte, kam bei Gold massives Kaufinteresse auf.

In den nächsten Tagen könnten wichtige US-Konjunkturindikatoren neue Hinweise über den aktuellen Zustand der US-Wirtschaft liefern. Am Mittwoch steht zum Beispiel der Auftragseingang langlebiger Wirtschaftsgüter auf der Agenda, am Donnerstag folgen dann noch Daten zum BIP-Wachstum im ersten Quartal.

Am Freitag dürften Anleger die Maizahlen zu den persönlichen Einnahmen bzw. Ausgaben sowie den von der Uni Michigan ermittelten Index zum Konsumentenvertrauen stark beachten. Sollten all diese Indikatoren auf ein wirtschaftliche Schwächephase hindeuten, dürften Goldpreise über 1.400 Dollar wahrscheinlicher sein als Werte darunter. 

Anleger greifen bei Gold-ETFs und -Futures zu
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt.
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Kommentare [3]
  • von Wolf | 25.06.2019, 16:13 Antworten

    Wenn Silber doch nur mitziehen würde . . . .

    • von blo-rakane | 25.06.2019, 22:32 Antworten

      Silber bei einer aktuellen Ratio von 92 zu 1 zu Gold , wird nachziehen. Nur etwas zeitversetzt! Des Weiteren macht es Sinn, Edelmetalle nur physisch zu erwerben und nicht in Papierform. Tipp, tauscht den „Todgeweihten € „ in echtes Geld (Gold/Silber), solange es geht, noch um. Gruß an die Gold.de Leser

  • von Goldhamster | 25.06.2019, 12:54 Antworten

    Gab es hier nicht neulich ein paar unverbesserliche Au-Basher, die nur raus aus ihren Beständen wollten und Au verteufelten? Nutzt die Chance und weint nicht wieder!

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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"