Stand: 09.07.2020 von Egmond Haidt
Viele Länder mildern die Folgen der Corona-Pandemie mit massiven Rettungs- und Konjunkturprogrammen ab, die jeweils mit den Geldpressen der Notenbanken finanziert werden. Im Gegenzug ist der Goldpreis in etlichen Fiat-Währungen auf Rekordfahrt.
Anleger verlieren Vertrauen in Fiat-Währungen

Auf mehr als 1.800 Dollar je Unze und damit das höchste Niveau seit September 2011 ist der Goldpreis nach oben geschossen. Damit liegt er um lediglich rund fünf Prozent unter dem Rekordhoch vom August 2011. Beflügelt wurde die Notierung des Edelmetalls zuletzt durch die zweite Corona-Welle in den USA, wobei die Infizierten-Zahl von einem Rekordhoch zum nächsten steigt.

Dadurch trüben sich die Perspektiven für die US- und damit die Weltwirtschaft ein, was trotz der gigantischen Geldschwemme der Fed für erheblichen Abwärtsdruck auf die US-Zinsen sorgt. Das treibt den Goldpreis nach oben, zumal Investoren erwarten, dass die Fed bei einer möglichen deutlichen Abkühlung der Konjunkturerholung die Geldpressen noch schneller laufen lassen dürfte als ohnehin schon, um damit weitere Konjunkturprogramme der Regierung von Donald Trump zu finanzieren.

Zur Erinnerung: zwischen Anfang März und Anfang Juli ist die Bilanzsumme der Fed um rund drei Billionen Dollar explodiert – das sind annualisiert rund neun Billionen Dollar!

Trotz der deutlichen Belebung der US-Wirtschaft erwarten viele Experten, dass die Regierung von Präsident Donald Trump Ende Juli ein weiteres Konjunkturprogramm von rund einer Billion Dollar verabschieden dürfte.

Wegen dieser Dollar-Schwemme ist der Dollar Index gegenüber dem März-Hoch um 6,3 Prozent eingebrochen. Der Index bildet die Kursentwicklung des Greenback gegenüber sechs wichtigen Währungen, vor allem dem Euro, ab.

Zwar liegt das Barometer damit auf dem gleichen Niveau wie im März 2003.

Allerdings hat die Fiat-Währung Dollar, die mit weitem Abstand führende Weltreservewährung, erheblich gegenüber Gold abgewertet. Dessen Höhenflug in Richtung der Rekordhochs spiegelt den Vertrauensverlust in den Dollar unmissverständlich wider. Fiat-Geld ist von einer Notenbank ausgegebenes Geld, das keinen inneren Wert hat, im Grund wird es aus dem „Nichts“ geschöpft.

Hinter dem Dollar steht nichts außer zig Billionen Dollar an Schulden der Amerikaner.

Goldpreis auf Renminbi-Basis auf Rekordhoch

Zudem ist Gold zusehends als sicherer Hafen gesucht, zumal sich die Spannungen zwischen den USA und China vor der US-Präsidentschaftswahl am 3. November weiter verschärfen. So erwägen die USA neue Sanktionen gegen China und stellen zudem die feste Kopplung des Hongkong-Dollar an den US-Dollar in Frage.

Damit würde der Zugang Hongkongs zum US-Dollar eingeschränkt werden und gegebenenfalls Banken in Hongkong vom internationalen SWIFT-Zahlungssystem ausgeschlossen werden, was für erhebliche wirtschaftliche und Börsenturbulenzen sorgen würde.

Das dürfte allerdings nur die Vorstufe sein, schlussendlich droht der Ausschluss Festland-Chinas vom SWIFT-Zahlungssystem. In dem Umfeld dürfte der Renminbi gegenüber dem Dollar und zahlreichen anderen Währungen kräftig abwerten, womit es für Chinesen noch attraktiver wäre, physisches Gold zu besitzen. Dabei ist der Goldpreis zuletzt auf Renminbi-Basis auf Rekordhochs geklettert.

Zuletzt hat der ehemalige chinesische Top-Funktionär Zhou Li die Bürger aufgefordert sich darauf vorzubereiten, dass es zum Bruch zwischen den USA und China kommen werde.

Gold schützt gegen Entwertung des Euro

Mit Kursen von rund 1.600 Euro je Unze liegt der Goldpreis weniger als ein Prozent unter dem Rekordhoch vom Mai. Das spiegelt den Vertrauensverlust der Investoren gegenüber der Fiat-Währung Euro und die Abwertung des Euro klar wieder. Gegenüber Ende 2019 steht damit ein Plus von knapp 20 Prozent zu Buche.

Offensichtlich bleibt der EZB nichts anderes übrig, als die Schuldenexplosion zur Bekämpfung der Corona-Pandemie mit der Notenpresse zu finanzieren. Daher ist die Bilanzsumme der EZB seit Anfang März um rund 1,6 Billionen auf den Rekord von 6,3 Billionen Euro nach oben geschossen. Sollten sich die 27 EU-Länder in den nächsten Monaten tatsächlich auf den 750 Mrd. Euro schweren Wiederaufbaufonds einigen, wird es umso mehr auf die EZB ankommen, die Zinsen unten zu halten, oder sogar noch tiefer in den Strafzinsbereich zu drücken.

Viele Anleger schauen auf das Währungspaar Euro-Dollar, um sich einen Eindruck über die Stabilität und Werthaltigkeit des Euro zu machen. Das macht allerdings wenig Sinn, werden dabei doch zwei Weich-Währungen par excellence verglichen.

Nichts spiegelt den tatsächlichen Niedergang des Euro besser wider als die Rekordfahrt des Goldpreises auf Euro-Basis.
Autor: Egmond Haidt
Finanzjournalist
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von Peter-L Ustig | 21.07.2020, 15:02 Antworten

Ein paar Dukaten als Krisenrücklage deponiert, wirken beruhigend!

von Deuropa | 09.07.2020, 21:45 Antworten

Ich setze trotzdem auf den Euro. Was da in den US of A passiert ist einfach nicht so great.

1 Antwort an Deuropa anzeigen
von Hubi | 10.07.2020, 13:03 Antworten

Es ist noch gar nicht so lange her, da lag vor ein paar Dekaden die Weltverschuldung noch unter 9 Billionen Dollar. Heutzutage wird diese Summe von der Fed in ein paar Monaten digital "geschürft", gegen jeglicher Grundlage der Finanz-Ökonomie.

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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"