Stand: 26.07.2013  0 Kommentare

Der Begriff vom "Bullen- und Bärenmarkt" bekam zuletzt im April 2013 auf dem Edelmetallmarkt weltweite Bedeutung: "Gold enters bear territory" titelten Medien rund um den Globus, als Gold unter die Marke von 1500 US-Dollar pro Feinunze fiel. Immerhin dauerte der bisherige Bullenmarkt beim Gold fast 14 Jahre lang an. Der Eintritt in einen "Bärenmarkt" ist dann erreicht, wenn eine Anlageklasse etwa 20 Prozent ihres Spitzenwertes verliert. Dies war im April bei Gold der Fall - nach dem Hoch von 1921,41 US-Dollar im September 2011 war der Goldpreis auf 1493,25 US-Dollar am 12. April 2013 gefallen und damit offiziell im "Revier des Bären" gelandet. Doch woher kommen diese tierischen Begriffe und was steckt genau dahinter?

Bedrohlich neigt sich das wuchtige Tier nach vorn, die Augen weit geöffnet, die spitzen Hörner nach oben gerichtet - doch obwohl die Touristen wesentlich kleiner sind als der tonnenschwere Bulle, haben sie keine Angst vor dem Ungetüm, das im Bowling Green Park nahe der Wall Street in New York steht. Sie posieren mit dem Bullen aus Bronze, lachen dabei in die Kamera - und selbst wenn der Bulle alles andere als friedlich aussieht, ist er das wohl berühmteste Zeichen für Optimismus an der Börse.

Tiermotive als beliebte Metapher für komplexe Finanzphänomene

Bullen und Bären, Kredithaie und zuletzt Eigenkapitalklassen wie "Tier-1" oder "Tier-3" - in der Finanzwelt sind immer wieder Tierbegriffe zu hören. Eines der berühmtesten Sinnbilder, die vom Finanzjargon auch Einzug in die Alltagssprache gehalten haben, ist das Bild vom "Bullen- und Bärenmarkt". Und nicht nur vor der New Yorker Börse, auch an anderen berühmten Finanzplätzen wie der Frankfurter Wertpapierbörse sind Skulpturen von Bullen und Bären zu finden.

Der "Bulle? ist eigentlich eine "Blase?

Doch wie kommt ein ernstes Geschäft wie der Aktienhandel auf derart tierische Metaphern? Die Herkunft der Begriffe ist umstritten, es gibt mehrere Erklärungsansätze. Eine Spur findet sich im "Oxford English Dictionary" des Jahres 1891 - hier wird der Begriff "bull market" erstmals genannt und vom französischen "bulle spéculative" abgeleitet. Der sprichwörtliche "Bulle" war also gar kein Tier, sondern streng genommen eine "Blase". Auch das Online Etymology Dictionary erläutert den Begriff "bull" mit Verben wie "aufblasen, anschwellen" und datiert die erste Nutzung des Begriffes im Zusammenhang mit dem Aktienmarkt auf das Jahr 1714 zurück. Eine alternative Wortherkunft geht auf den lateinischen Begriff "bulla" zurück, was soviel wie "Gesetz" oder "Vertrag" bedeutet (die berühmte "Goldene Bulle", das Grundgesetz des Heiligen Römischen Reiches, ist niemals in Tierform erschienen, sondern als Gesetzestext mit goldenem Siegel).

Tierische Kampfstile verdeutlichen Preisbewegungen

Trotzdem hat sich über die Jahrhunderte das Bild von Bullen und Bären für unterschiedliche Marktphasen verfestigt. Womöglich hat dazu vor allem die unterschiedlichen Kampfstile der beiden Tiere beigetragen. Der Bulle stößt mit den Hörnern nach oben, der Bär schlägt dagegen mit seiner Pranke von oben nach unten. Die Richtung beider Kampfwerkzeuge kann somit leicht auf steigende (Bulle) oder fallende (Bär) Aktienkurse übertragen werden. Ebenso werden beide Begriffe auch für unterschiedliche Anlagetypen genutzt - "Bären" setzen auf Kursrückgänge und haben eine pessimistische Sicht auf die Märkte. Sie verdienen ihr Geld beispielsweise mit Verkaufsoptionen und wetten auf sinkende Kurse. "Bullen" zeigen sich dagegen optimistisch und kaufen Aktien, weil sie von einem Aufschwung ausgehen. Sie wetten somit auf steigende Kurse und profitieren von Börsenbooms. Beide Spieler bewirken zusammen das, was Anleger täglich auf den Kursgrafiken sehen - steigende und fallende Kurse.

Bullen kämpfen für eine Explosion der Preise, Bären für einen Crash

Und wenn beim tierischen Kampf entweder der Bulle oder der Bär die Oberhand gewinnt, hat dies spektakuläre Auswirkungen auf Anleger in aller Welt. Beispielsweise stieg infolge des Bullenmarktes auf dem indischen Aktienmarkt zwischen 2003 bis 2008 der SENSEX-Index von etwa 2900 Punkten auf sensationelle 21000 Punkte. Auch der Goldbullenmarkt kann mit entsprechenden Zuwächsen aufwarten - von seinem Tiefstand bei 255,95 US-Dollar pro Feinunze im Jahr 2001 sprang der Goldpreis bis auf 1896,50 US-Dollar im Jahr 2011 an, er nahm also um mehr als das Siebenfache zu. Dagegen sind die meisten Bärenmärkte in der Geschichte mit den bekannten Börsen-Crashs verbunden, beispielsweise im Jahr 1929, als 89 Prozent des Marktwertes des Dow Jones vernichtet wurden.

Kampf um Bullen und Bären hält auf dem Edelmetallmarkt an

Auch künftig werden die Bullen und Bären den Edelmetallmarkt beschäftigen. Denn Analysten ziehen das Sinnbild der beiden Tiere gern zu Hilfe, um Prognosen für die künftige Entwicklung des Marktes zu formulieren. Beispielsweise vermuten die "Gold-Bären" weiterhin, dass ein übermäßiger Bullenmarkt durch übertriebene Ertragserwartungen zu einer Spekulationsblase geführt hat. Dagegen bekräftigen die "Gold-Bullen", dass sich Gold trotzdem langfristig in einem Bullenmarkt befindet - sie argumentieren, dass es beim Gold nie eine Investmentblase gegeben hat und dass die Goldschwäche nur vorübergehend ist.

Nicht alle Anlagebegriffe kommen aus dem Tierreich

Wer sich bei seinem Investment in Aktien oder Edelmetalle abseits der Tiermetaphern bewegen möchte, findet im Anleger-Vokabular tatsächlich ein paar "feine" Alternativen - im französischen Sprachraum sind die Begriffe "Hausse" und "Baisse" geläufig, während "bull" und "bear" typisch anglo-amerikanische Metaphern sind und nicht zuletzt auf lokale Traditionen wie den Stierkampf anspielen. Der Begriff "Hausse" (ausgesprochen wird er wie ein langes "o", gefolgt von einem stimmlosen "s") bedeutet übersetzt soviel wie "Anstieg" und kann gleichbedeutend mit einem Bullenmarkt verwendet werden. Dagegen steht "Baisse" (gesprochen mit einem kurzen "b", einem langen "ä" und einem stimmlosen "s") wörtlich für eine "Senke" und im übertragenen Sinne für sinkende Kurse an der Börse, es wird also auch als Alternative für "Bärenmarkt" eingesetzt.

Das wichtigste Investment-Vokabular im Überblick

Grundkenntnisse des Tierreichs sowie der französischen Sprache reichen allerdings nicht aus, um sich auf dem Börsen- und Edelmetallmarkt verständlich zu machen. Es gibt eine Reihe weiterer Begriffe, die in Marktkommentaren zu finden sind und vor allem für Investment-Neulinge verwirrend klingen können. "Gold.de" hat daher einige weitere geläufige Begriffe zusammengestellt:

Agio Der Unterschied zwischen dem tatsächlichen Goldpreis und dem Marktpreis einer Edelmetallmünze.
Baisse Zeitraum, in dem der Wert eines Edelmetalls dauerhaft sinkt.
Bär Anleger oder Händler, der mit dauerhaft fallenden Preisen rechnet.
Bärenfalle Kursentwicklung mit kurzfristig fallenden und anschließend steigenden Kursen.
Bulle Anleger oder Händler, der mit dauerhaft steigenden Preisen rechnet.
Bullenfalle Kursentwicklung, die weiter steigende Kurse vermuten lässt, tatsächlich jedoch fallende Preise beinhaltet.
Boom Ereignis, bei dem der Wert z. B. eines Edelmetalls stark steigt (Sonderform der Hausse)
Crash Ereignis, bei dem der Wert z. B. eines Edelmetalls stark sinkt (Sonderform der Baisse)
Hausse Zeitraum, in dem der Wert eines Edelmetalls dauerhaft steigt.
Hedging Absicherung von Zins- und Wechselkursrisiken sowie Preisschwankungen für die künftige Nachfrage nach Edelmetallen.
Liquidität Schnelle Konvertierbarkeit eines Anlageproduktes in Bargeld ohne großen Wertverlust.
Kontrakt Handelseinheit an den Futures-Börsen.
Margin Sicherheitsleistung bei Termingeschäften im Edelmetallbereich.
Rallye Signifikante und schnelle Aufwärtsbewegung beim Kurswert der Edelmetalle.
Korrektur Zeitlich begrenzte und kurzfristige Gegenbewegung innerhalb eines entgegen gesetzten Szenarios (kurze Baisse in übergeordneter Hausse)
Zyklus Zeitraum, der eine Hausse und eine Baisse umfasst
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