Stand: 15.07.2015 von Mr. Gini 0 Kommentare

Das Dauer-Krisen-Thema Griechenland steht massenmedial aktuell noch immer ganz oben auf der Agenda. Und in der Argumentation der Verantwortlichen in der Politik ist oft zu hören, dass die Griechen deutlich reicher, ja vermögender sein sollen als viele andere Völker in Europa. In dem Kontext wird oft auf die Staaten im Baltikum oder in Osteuropa verwiesen.

Ja, das Schicksal der 11 Millionen Griechen bewegt nach wie vor die Welt. Dennoch, Fakt ist und bleibt, dass die Griechen nur 0,15 Prozent der Weltbevölkerung ausmachen. Mit dem Blick auf das große Ganze, sprich die Weltbevölkerung, sieht die Lage dann doch wieder gänzlich anders aus. Das wurde durch zwei Studien der Uno und vom Pew Research Center; Studie des Pew Research Center) die in jüngster Vergangenheit veröffentlicht wurden, mehr als deutlich.

Fortschritte im Kampf gegen gröbste Armut

Also, fest steht demnach, dass es im Kampf gegen die gröbste Armut immerhin Fortschritte gibt. Pew Research spricht insofern sogar von einem historischen Fortschritt. Von 2001 bis 2011 habe es "einen historischen Rückgang der globalen Armut" auf der Welt gegeben, hieß es in der Studie des US-Instituts Pew Research Center. Der Ökonom Rakesh Kocchar, der für die Studie verantwortlich zeichnete, betonte, dass immerhin 670 Millionen Menschen den Sprung aus der untersten Einkommensebene schafften.

Der Anteil der Weltbevölkerung, die mit weniger als zwei Dollar (1,82 Euro) pro Tag auskommen müsse und daher als "arm" eingestuft werde, sei in dem Zeitraum von 29 auf 15 Prozent zurückgegangen. Allerdings erreichten die meisten Aufsteiger nur die nächsthöhere Einkommensstufe von zwei bis zehn Dollar täglich. Ein solch niedriges Einkommen hatten der Studie zufolge 2011 insgesamt 56 Prozent der Weltbevölkerung. 2001 waren es demnach 50 Prozent gewesen. Insgesamt wird die weltweite Zahl der Menschen mit schwachem Einkommen auf 3,4 Milliarden zu Anfang des gegenwärtigen Jahrzehnts beziffert.

Mittelschicht vergrößert sich kaum

Dennoch bleibt festzuhalten, dass sich die globale Mittelschicht kaum vergrößerte. Im Gegenteil. Selbst der Aufschwung in China in den vergangenen Jahren hat nicht dazu beigetragen, die tiefe Kluft zwischen den reichen Ländern Europas und Nordamerikas etwas zu verringern. Fakt ist, dass im Jahr Jahr 2011 71 Prozent der Erdbevölkerung mit einem Tagesverdienst von bis zu zehn US-Dollar über die Runden kommen musste. 2001 seien es noch 79 Prozent der Bewohner der Erde gewesen. Sicherlich, eine gewisse Verbesserung. Fraglich bleibt, ob die Verbesserung tatsächlich qualitativ und real ist. Denn die Kaufkraft von zehn US-Dollar im Jahr 2001 sind in keinster Weise mit der Kaufkraft von zehn Dollar zehn Jahre später zu vergleichen. Anders formuliert, kaufkraftbereinigt dürfte sich die globale Mittelschicht nicht wirklich vergrößert haben. Und selbst das ist noch eine relativ optimistische Aussage.

Globale Mittelschicht im Fokus

Wie auch immer, im Fokus steht Pew Research zufolge nach wie vor die Mittelschicht. Jedenfalls im Fokus der Unternehmen im Hinblick auf Konsum- und Marktchancen. Und hier fällt das Fazit von Herrn Kochhar auch recht ernüchternd aus. Viele Prognosen gingen ja von einem starken Wachstum kaufkräftiger Mittelschichten in den großen Schwellenländern aus. Diese vorhergesagte Entwicklung hat aber mit der Realität wenig zu tun. Zu dem Schluss kommt die Studie von PEW Research. Die weltweite Mittelschicht sei kleiner als gedacht und stehe zudem schlechter da als erhofft. Hinzu kommt, dass diese kaufkräftige Gruppe sich nur auf bestimmte Weltregionen begrenzen würde. Das ist jedenfalls das bittere Fazit von Pew Resarch. Und bei der Mittelklasse gehe es im globalen Vergleich um Dollar-Einkommen zwischen zehn und 100 am Tag.

Nur 16 Prozent mit gesicherter Existenz

Und hier ist besonders der Blick auf den Teil der Bevölkerung interessant, der über der für die USA ermittelten Armutsschwelle liegt. Diese liegt ja bei 20 US-Dollar am Tag für eine vierköpfige Familie. Und hier gibt es wahrlich wenig Positives mit Blick auf die gesamte Weltbevölkerung zu berichten. Nur 16 Prozent der Bewohner der Welt verfügten 2011 über mehr Einkommen als die US-Armutsschwelle. Das ist schon bedenklich wenig! Interessant auch, dass die überwiegende Mehrheit derer, die mehr als 50 Dollar am Tag an Einnahmen haben, in zwei Regionen der Welt vorzufinden sind. Nämlich in Europa und in Nordamerika. Vor vier Jahren, also im Jahr 2011 kamen 87 Prozent der Hauhalte, die über ein so hohes Einkommen verfügen, aus diesen beiden Regionen. Zehn Jahre zuvor, im Jahr 2001, waren es sogar noch mehr, nämlich 91 Prozent. Und in dem Kontext sei auch angemerkt, dass in den Jahren von 2001 bis 2011 die europäischen Staaten die USA insofern überholten. Hier wird einmal mehr offensichtlich, wie stark die US-Mittelklasse von der Weltwirtschaftskrise 2008 getroffen wurde.

China im Fokus

Sicherlich darf auch der Blick auf China nicht fehlen. Immerhin ist es im Reich der Mitte gelungen, die Zahl der Haushalte, die nun beim Einkommen zwischen zehn und 20 Dollar am Tag liegen, von 2001 bis 2011 massiv zu steigern. Und zwar von 32 Millionen auf 235 Millionen. Das ist schon eine gewaltige Veränderung. Weltweit wuchs die Zahl der Haushalte, die in diese Einkommenssphäre vordringen konnten, von 399 Millionen im Jahr 2001 auf 784 Millionen im Jahr 2011. Anders formuliert, der Löwenanteil derer, die den Sprung über die 10 Dollar am Tag schaffte, kam aus dem Reich der Mitte.

Kaum Aufstieg in höhere Einkommensstufen

Fakt ist aber der Pew Research-Studie zufolge aber auch, dass der Aufstieg breiter Bevölkerungsschichten in den großen Schwellenländern in höhere Einkommensebenen nicht gelungen ist. Zumindest von 2001 bis 2011. Tatsache ist, dass das Segment derer, die 50 Dollar und mehr am Tag verdienen im letzten Jahrzehnt in Stagnation verharrte und nur homöopathisch gewachsen ist. Zwischen 2001 und 2011 konnte hier nur ein marginales Wachstum um ein kärgliches Prozent verzeichnet werden. Verschwindend gering.

Anders formuliert, die Mittelklasse der Schwellenländer holt einkommenstechnisch längst nicht so stark auf wie von vielen prognostiziert. Die Kluft zwischen den Mittelschichten Europas und Nordamerikas auf der einen Seite und der Mittelklasse der Schwellenländer bleibt nach wie vor groß. Und zwar entgegen aller Prognosen.

Armut: Nur 16 % der Weltbevölkerung mit gesicherter Existenz
Mr. Gini - Der Autor befasst sich schon seit vielen Jahren hauptberuflich mit den Ungleichge- wichten und strukturellen Problemen der Welt- wirtschaft, insbesondere des Weltfinanzsystems. Der Autor vertritt die Ansicht, dass die Krise erst dann beendet ist, wenn die globale Überschuldungskrise gelöst ist. Sprich, wenn das Verschuldungsniveau auf ein für die Volkswirtschaften tragfähiges Niveau geschrumpft ist.
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