Stand: 05.12.2017 von Jörg Bernhard 22 Kommentare

Die Kryptowährung Bitcoin kostet aktuell so viel wie 279 Gramm Gold. Häufig werden beide Investmentalternativen in einem Atemzug genannt. Die Frage, ob sich traditionelles Gold oder digitales Gold als Krisenschutz besser eignet, kann man fast schon als Glaubensfrage bezeichnen.

Partylaune beim Bitcoin

Ich glaube in der gegenwärtigen Marktphase sollte man – losgelöst von Emotionen wie Angst oder Euphorie – die Entwicklung beider Investments möglichst nüchtern betrachten und sich dabei diverser finanzmathematischer Kennzahlen bedienen.

Grundsätzlich sollte man darüber bewusst sein, dass der Spekulationscharakter bei digitalem Gold gegenwärtig um ein Vielfaches ausgeprägter ist als bei traditionellem Gold. Bitcoin ist lediglich eine von vielen Kryptowährungen, mit einer Marktkapitalisierung von aktuell 192 Milliarden Dollar aber zweifellos die Wichtigste. Eine Liste der 100 bedeutendsten virtuellen Währungen findet man übrigens unter www.coinmarketcap.com.

Während sich der Goldpreis in den vergangenen zwölf Monaten auf Dollarbasis um 6,6 Prozent verteuert hat, kommt der Bitcoin im selben Zeitraum auf eine Performance von 735 Prozent. Noch krasser fällt die Outperfomance auf lange Sicht aus (siehe Chart).

Bitcoin vs Gold  Jahresperformance in Prozent 2017

Innerhalb von drei Jahren verteuerte sich der Bitcoin nämlich um 2.900 Prozent, Gold verbuchte seither eine Wertsteigerung um lediglich 5,6 Prozent. Wer sich nun fragt, wo das größere Rückschlagpotenzial lauert, kommt am Bitcoin nicht vorbei.

Volatilität des Bitcoins ebenfalls im Höhenflug

In der Finanzwelt wird stets versucht, Risiken zu bemessen und einzuordnen. In diesem Zusammenhang wäre zum Beispiel die Risikokennzahl Volatilität zu erwähnen, die man einerseits auf Basis historischer Kurse und andererseits auf Basis von Optionspreisen auf einen bestimmten Basiswert ermitteln kann.

So liegt zum Beispiel die historische 250-Tage-Volatilität des Bitcoin aktuell bei 75 Prozent, während bei Gold lediglich ein Wert von lediglich 10,7 Prozent angezeigt wird. Dies lässt nur einen Schluss zu: Ein Bitcoin-Investment ist mit Blick auf diese finanzmathematische Kennzahl um den Faktor sieben riskanter als der Kauf von Gold. Grundsätzlich kann mach dies aber auch als Preis für die überdurchschnittlich hohe Renditechance betrachten, die beim Bitcoin auf lange Sicht zweifellos exorbitant waren.

Bitcoin aus charttechnischer Sicht überkauft

bitcoinpreis 1 JahrEine andere Möglichkeit, die Aussichten eines Investments zu bewerten, stellt die Charttechnik dar. Mit dem Blick in die Vergangenheit wird versucht, die Zukunft zu prognostizieren. Dass diese Vorgehensweise nicht frei von Risiken ist, liegt auf der Hand. 

Sobald aber viele Investoren ihre Kauf- bzw. Verkaufsentscheidung auf Basis historischer Charts treffen, kann die Chartlehre als nützliches Hilfsmittel fungieren. So zeigt zum Beispiel der Timingindikator Relative-Stärke-Index (RSI) mit aktuell 83 Prozent beim Bitcoin eine stark überkaufte Lage an. Ein Verkaufssignal entstünde beim Unterschreiten der Marke von 70 Prozent, wobei sich aber solche Ereignisse in diesem Jahr bereits achtmal als „Bärenfalle“ (Fehlsignal) erwiesen haben.

Da beim Gold der RSI derzeit bei 45 Prozent liegt und sich damit in der neutralen Zone bewegt, herrscht hier weder eine überkaufte noch eine überverkaufte Lage vor.

Fazit: Mit traditionellem Gold kann man auf jeden Fall besser schlafen als mit digitalem.

Ausblick für die laufende Woche

Derzeit fristet der Krisenschutz eher ein Schattendasein, während für Aktien, Anleihen, Immobilien und Kryptowährungen wie den Bitcoin mitunter Rekordpreise bezahlt werden.

Dennoch kam das gelbe Edelmetall seiner Schutzfunktion weiterhin nach und zeichnet sich durch sein hohes Maß an Stabilität aus. So schwankte die Goldpreisentwicklung in den vergangenen drei Monaten in einer Bandbreite von lediglich 86 Dollar. Dehnt man den Betrachtungszeitraum auf drei Jahre aus, erhöht sich die Range zwar auf 318 Dollar, von „echter Volatilität“ mag man aber sicherlich erst bei anderen Größenordnungen sprechen.

Ein bisschen hat man den Eindruck, dass den Goldpreis derzeit nichts aus der Ruhe bringen kann – weder Raketentests in Nordkorea noch die Partylaune an vielen internationalen Aktienmärkten.

In den kommenden Tagen blicken die Akteure mit Hochspannung auf die anstehende Flut an US-Arbeitsmarktdaten, in der nächsten Woche könnten dann die Sitzungen von Fed und EZB neue Impulse generieren. Ein Ausbruch aus den oben erwähnten Seitwärtstrends dürfte jedoch ein relativ schwieriges Unterfangen werden.

Bitcoin lässt Gold derzeit alt aussehen
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt. Derzeit schreibt er vor allem für diverse Börsenportale und Edelmetallhändler.
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Kommentare [22]
  • von bling bling | 05.12.2017, 11:59 Antworten

    192 * 10^9 euro entspricht derzeit etwa 20 mio coins. sind wir schon so nahe an der höchstgrenze?
    ich kann derzeit besser mit coins schlafen, da die großen und auch viele kleine jetzt so richtig rangehen. bei gold ist einfach nur flaute, da ist es ok wenn man selbst es physisch hat. alles was da nebenkosten verursacht ist bei dem ausblick nervig.

  • von Moses | 05.12.2017, 12:38 Antworten

    Bitcoins erinnern mich an den Neuen Markt im Jahr 2000,wenige Anleger machten traumhafte Gewinne,die meisten aber schmerzhafte Verluste.
    Vielleicht wäre es jetzt sinnvoll etwas stärker in Gold zu investieren.

  • von blo-rakane | 05.12.2017, 15:30 Antworten

    Gut so! Je mehr von den indoktrinierten “Kryptowährung-Jünger“ auf den Bitcoin &Co. „ Hysterie-Zug“aufspringen, desto weniger investieren in Edelmetalle. Dadurch wird der den Preis für Edelmetalle gedrückt. Wer jetzt schlau ist, handelt antizyklisch und investiert in Edelmetalle und explizit in Gold und Silber! Es ist schon komisch, mein Mail.-Account wird permanent mit selbsternannten Bitcoin &Co.-Experten und nicht mit Goldexperten zugemüllt. Für mich hat es die eindeutigen „Züge“ eines „Schneeball-System“ , dass bei Platzen der „Blase“ vermutlich mehr als 99% Bitcoin &Co-Investoren so gut wie alles verlieren werden.

  • von Grandmaster | 05.12.2017, 17:52 Antworten

    Mal ein Beispiel: Im August für 10.000€ BTC gekauft. Jetzt sind sie knapp 32.000€ wert. Gut 22.000€ oder 220% in nur 4 Monaten. Super Sache. Die 10.000€ wieder raus, so dass nur noch die 22.000€...also der reine Gewinn...noch drin ist. Der Betrag macht jetzt weiter Gewinn. Fällt BTC auf 0€, sind nur die Gewinne weg, das Einstiegskapital, also die 10.000€, ist ja wieder raus. Wenn BTC also jetzt auf 0€ fällt, sieht es immer noch besser aus als bei Gold/Silber, denn die beiden Metalle liegen in der Jahresperformance im MINUS! Gold -2%. Bei Silber fast -10%. Da wären von den 10.000€ nur noch etwas mehr als 9.000€ über. Da fällt die Wahl nicht schwer.

    • von Moses | 05.12.2017, 19:07 Antworten

      Die Beispielrechnung hat einen Haken: die Gier.
      Es ist leichter auf den fahrenden Zug aufzuspringen als abzuspringen.
      Bei der Kurssteigerung will jeder bis zum Gipfel dabei bleiben.

      • von Grandmaster | 05.12.2017, 19:38 Antworten

        Wo ist das Problem? Einsatz (hier 10.000€) wieder raus nehmen und lässt die Gewinne drin. Die generieren jetzt im besten Fall wieder 100%+ Gewinn oder lösen sich im schlechtesten Fall in Nichts auf. Am Ende hat man bei "Totalverlust" immer noch seine 10.000€. Im besten Fall um die 35.000€ bis 40.000€ und mehr. Hätte man für diese 10.000€ Anfang des Jahres 2017 Edelmetalle gekauft, hätte man aktuell Minus gemacht. Von Geldinflation ausgleichen, reden wir besser lieber gleich gar nicht. Da wäre sogar das Sparbuch besser als Geldanlage gewesen. Aber wenn man dabei besser schlafen kann, hat man wirklich einen guten Schlaf.

        • von Coin Blase | 09.12.2017, 14:00 Antworten

          Ich hoffe es wurde auch alles richtig versteuert. Jeder der hier investiert muss auch fleißig Steuer bezahlen. Macht man dies nicht, dann macht man sich der Steuerhinterziehung schuldig und dann wird es richtig teuer. Also doch lieber Gold. Ich freue mich schon wenn die "Blase" platzt. Ich denke dann an all die, die ihr Geld verloren haben.....

          • von Max | 09.12.2017, 15:58 Antworten

            Coin Blase: Spricht aus Ihnen der Neid?

            • von Coin Blase | 09.12.2017, 19:02 Antworten

              Um Gottes willen nein!!!! Ich bin ja froh wenn es solche Personen gibt die in so ein "Währung" investieren... Dann sinkt die Nachfrage bei Gold und Silber und ich kann günstig kaufen :-)
              Sollte Gold oder Silber irgendwann mal nichts mehr Wert sein, so habe ich doch noch das "Metall" vorliegen. Wie sieht es da mit den Coins aus???? Immer schön den Private Key und Public Key gut aufbewahren ;-)

              • von Grandmaster | 10.12.2017, 02:49 Antworten

                @Coin Blase
                Machen Sie sich keine Sorgen wegen Versteuerung und so. Bei mehreren hundert Prozent Gewinn zahlt man das bissl Steuer gerne. Bei Gold muss man ja keine Steuer zahlen, oder bekommt man sogar Geld von Finanzamt zurück, wenn der Kurs in den Keller geht? Nebenbei: Die Kurse von Gold und Silber werden schon seit Langem nicht mehr von Angebot und Nachfrage bestimmt. Dementsprechend wird sich da wohl auch nicht mehr viel tun in Zukunft...egal wie viel davon physisch ge- oder verkauft wird.

  • von C.R.E.A.M. | 05.12.2017, 18:46 Antworten

    Hallo zusammen, kennt jemand einen (Online-) Händler, bei dem man Gold/Silber mit Bitcoins kaufen kann? Würde mich mal interessieren.

    • von Finanzato | 08.12.2017, 00:08 Antworten

      ja, es gibt eine seriose Quelle, die Bitcoins in Silber tauscht.

      • von blo-rakane | 08.12.2017, 08:24 Antworten

        @ Finanzato „ ja, es gibt eine seriose Quelle, die Bitcoins in Silber tauscht.“ ! Was meinen Sie mit „Quelle“ ? Welcher seriöse Edelmetall-Händler tauscht schon sein„Geld“in volatiles „Pseudo-Geld“um.

        • von Sergio | 08.12.2017, 11:17 Antworten

          You can buy gold and siver with bitcoins at apmex https://www.apmex.com/faq/bitcoin

  • von bling bling | 05.12.2017, 20:07 Antworten

    demnächst auf ihrem gold.de (reine spekulation!!!)...
    bitcoin hat eben doch einen wert, an den es gekoppelt ist und das ist die sicherheit und unabhängigkeit. das ist bei globalisierter überwachung - richtig angewendet - GOLD wert. aber gold ist ja inzwischen auch totalüberwacht.

  • von Mr. Silver | 08.12.2017, 12:27 Antworten

    Alle denken wenn der Future Kontrakt an der Terminbörse geschrieben wird, geht es richtig los bei Bitcoin. Da gibt es aber auch Leute die auf fallende Kurse spekulieren. Gerade wenn der Chart so steil nach oben geht, gibt es auch immer wieder richtig starke Rücksetzer. Was die jungen Spekulanten nicht kennen, ist das Muster der Umverteilung des Geldes. Personen die den Bitcoin für 20 Dollar gekauft haben, geben diesen jetzt in den Markt für 15000 bis 20000 Dollar. Dafür ist die Terminbörse ein guter Platz um dann größere Mengen in den Markt zu geben. Mal sehen wie groß 1 Kontrakt ist. Bei Gold sind es 100 Unzen bei Silber 5000 Unzen.

  • von bling bling | 11.12.2017, 12:44 Antworten

    warum stimmen denn hier die wechselkurse nicht?! wenn ich den eur und dollar kurs mit dem aufgeführten wechselkurs gegenrechne kommt grütze raus!

    • von Alan Widmann | 11.12.2017, 15:15 Antworten

      wird mit durchschnittspreis der bitcoin handelsplätze zu tun haben, hier ist die sonst ordentliche übersicht von gold.de eher "unglücklich"

  • von bling bling | 11.12.2017, 12:50 Antworten

    auch bei ariva ist der wechselkurs eher 1,84 als 1,79...

  • von bling bling | 11.12.2017, 13:04 Antworten

    wieso steht bei bitcoin kurs ein anderer eru-us wechselkurs als bei den edelmetallen??? fragen über fragen...

  • von bling bling | 11.12.2017, 13:49 Antworten

    interessant in dem zusammenhang auch, dass der eurobit seit beginn des tages viel volatiler als der dollarbit war.

  • von Mr. Silver | 12.12.2017, 10:52 Antworten

    Zu den Fragen warum die Umrechnung bei Bitcoin von USD in Euro nicht stimmt.
    Diese Handelsplätze sind individuell. So gibt jeder einen Kurs ein wo er kaufen und verkaufen möchte, und wenn jemand zugreift entsteht ein Kurs. Da kann es vorkommen, das der Kurs bei bitcoin de bei 15000 Euro steht und bei einem anderen Handelsplatz mit 14000 Dollar gehandelt wird. Diese Handelsplätze sind nicht so vernetzt wie die Börsen. Früher als es noch langsame Computer gab, ist es an den Börsen auch passiert, das Aktien unterschiedliche Kurse hatten. Doch die Händler hatten die Möglichkeit, die Aktien von Frankfurt nach Stuttgart zu verschieben, wo es mehr Geld gab. Wenn man sowas mit Bitcoin machen könnte, wäre gut.

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