Stand: 29.10.2020 von Egmond Haidt
Die neuen Lockdowns in Deutschland und Frankreich wegen der Corona-Pandemie schüren die Sorge vor einer Rezession. Gleichzeitig nimmt die Unsicherheit vor der US-Wahl deutlich zu. In dem Umfeld haben Investoren nicht nur Aktien kräftig verkauft, sondern auch Gold.
Börseneinbruch belastet Goldpreis

Nach dem Kurseinbruch der vergangenen Tage bei S&P500 und DAX hat die Nervosität der Anleger stark zugenommen. Für Verkaufsdruck bei Deutschlands wichtigstem Aktienindex, der um 14 Prozent gegenüber dem Mehr-Monats-Hoch von Anfang September eingeknickt ist, sorgt die Zahl der Corona-Neuinfizierten, die in Deutschland und vielen anderen Ländern Europas von einem Rekordhoch auf das nächste nach oben schießt.

Daraufhin hat Bundeskanzlerin Angela Merkel ebenso wie der französische Staatspräsident Emmanuel Macron einen Lockdown verkündigt, wodurch sich die Perspektiven für die deutsche Wirtschaft und jene der Euro-Zone erheblich eintrüben.

Etliche Experten warnen bereits, dass die Wirtschaft hierzulande und in der Euro-Zone - nach der starken Erholung im dritten Quartal - im vierten Quartal gegenüber dem Vorquartal jeweils schrumpfen könnte, womit der Rückfall in eine Rezession droht.

Letztere liegt vor, wenn das Bruttoinlandsprodukt zwei Quartale in Folge zurückgeht.

Während des Kurseinbruchs am Aktienmarkt sind Investoren in den sicheren Hafen Dollar geflüchtet, woraufhin er sich gegenüber dem Euro erholt hat. Das hat den Goldpreis belastet. Weil die Investoren zudem Liquidität gebraucht haben, haben sie auch Gold-Futures verkauft, woraufhin der Preis auf rund 1.860 Dollar je Unze gesunken ist.

Damit liegt er in der Nähe des Drei-Monats-Tiefs.

Bei US-Wahl dürfte „blaue Welle“ ausfallen

Verstärkt wird der Ausverkauf bei DAX und S&P500 durch die kräftig zunehmende Unsicherheit vor der US-Präsidentschaftswahl am 3. November. Monatelang hatten Experten behauptet, dass es eine „blaue Welle“ in den USA geben würde.

Demnach würde Trumps Herausforderer von den Demokraten, Joe Biden, die Präsidentenwahl gewinnen, während seine Partei gleichzeitig auch den Senat von den Republikanern zurückerobern würde. Da die Demokraten bereits das Repräsentantenhaus dominieren, könne Biden ein Billionenschweres Konjunkturprogramm spielend durch den Kongress bringen, womit die Wirtschaft kräftig angekurbelt werden würde.

Nach den jüngsten Umfragen haben Investoren plötzlich aber Sorge, dass nicht nur Trump überraschend die Wahl gewinnen könnte, sondern dass gleichzeitig die Republikaner auch die Mehrheit im Senat verteidigen könnten. Falls die Demokraten weiterhin das Repräsentantenhaus dominieren sollten, könnte es für Trump schwierig werden, seinerseits ein Konjunkturprogramm durch den Kongress zu bringen, womit sich die Perspektiven für die US-Konjunktur – so die Sorge der Investoren - deutlich eintrüben.

Nach der Wahl drohen Unruhen

Daher haben sie kräftig den Verkaufen-Knopf bei S&P500 und gerade beim DAX gedrückt, zumal eine schwache US-Wirtschaft auch die Weltwirtschaft erheblich belasten würde, worunter die stark Exportabhängigen deutschen Unternehmen besonders stark leiden würden.

Umso mehr hoffen Investoren, dass die US-Wahl schnell vorbeigeht und es schlussendlich nicht zu einem umstrittenen Wahlergebnis kommt, worüber möglicherweise sogar das Oberste Gericht entscheiden müsste.

Zumal die Gefahr groß ist, dass es nach der Wahl – wer immer sie auch gewinnen mag - zu neuen Krawallen und Ausschreitungen mit Brandstiftungen und Plünderungen kommen könnte, weil die Verliererseite ihre Niederlage nicht kampflos eingestehen dürfte. Neue Krawalle und Unruhen könnten den Kurseinbruch an den Aktienmärkten diesseits und jenseits des Atlantiks verstärken, was kurzfristig für erneuten Abgabedruck beim Goldpreis sorgen könnte.

Zur Erinnerung: Wie ich in dem Beitrag „Vor US-Wahl kehrt die Angst zurück“ geschrieben habe, gehe ich weiterhin von einem Wahlsieg von Trump aus. Gleichzeitig sollten die Republikaner den Senat verteidigen können.

Umso entscheidender wird es sein, wie es nach der Wahl in den USA weitergeht. Sollte der künftige Präsident spätestens nach seinem Amtsantritt am 20. Januar 2021 ein Billionenschweres Konjunkturprogramm im Kongress durchsetzen können, müssten die Geldpressen der Fed noch schneller laufen als ohnehin schon.

Dann wird sich zeigen, wie sich der Goldpreis entwickelt.
Autor: Egmond Haidt
Finanzjournalist
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von ich | 30.10.2020, 23:17 Antworten

Trump gewinnt überraschend? Was ist das hier für ein Irrenhaus? Diese lächerlichen "Umfragen" sind doch nur dazu da um Meinung zu machen, aber ganz sicher nicht um ein Trend zu zeigen. Der Mist nervt nur noch das man es gar nicht mehr beschreiben kann. Das die sich nach 2016 überhaupt noch trauen diesen Zirkus zu widerholen, ist entweder dreist oder total verzweifelt. Aber wenn man auf einer Welt lebt wo der Präsident der die meisten Kriege begonnen hat den Friedensnobelpreis bekommt und der Präsident der keinen begonnen hat unser größter Untergang sein soll, dann hat man keine weiteren Fragen mehr!

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