Stand: 23.06.2016 von Mr. Gini 2 Kommentare

Kurz vor dem 23.6. scheint sich das Thema "Brexit" ja wieder erledigt zu haben. Reuters meldete am Montag, 20.6.2016, dass einer YouGov-Umfrage zufolge für die "Sunday Times" die EU-Befürworter mit 44 Prozent einen Punkt vor den Anhängern eines Brexit liegen würden. In dem Blatt werde die Trendumkehr nicht auf den Tod von Frau Cox zurückgeführt, sondern mit der steigende Furcht der Wähler vor den wirtschaftlichen Folgen eines Austritts begründet. So habe Finanzminister George Osborne Sparmaßnahmen und Einschnitte bei Sozialleistungen für den Fall eines Brexit angekündigt.

In einer Umfrage des Instituts Survation würden die EU-Befürworter sogar mit drei Punkten vorne liegen. Und mit Blick auf die Lage an der Wettfront ist der Ausblick eindeutig. Der Brexit ist abgesagt. Wenn es nach den Buchmachern geht, geht es eigentlich nur noch darum, wie haushoch die EU-Fans gewinnen werden. Reuters meldet, dass der Wettanbieter Betfair mittlerweile das Anti-Brexit mit 78 Prozent taxieren würde. Am Freitag habe die Quote noch bei 65 Prozent gelegen. Der Buchmacher William Hill veranschlagte die Quote gar auf 83 Prozent.

Nachfrage nach Edelmetallen

Diese neue Entwicklung dürfte auch nicht wirklich positiv für den Edelmetallabsatz auf der Insel sein. Berichten zufolge ist die Nachfrage nach Gold in Großbritannien in jüngster Vergangenheit vor allem dann gestiegen, wenn das Brexit-Lager in den Umfragen Zulauf bekam. Immerhin ist positiv zu vermerken, dass auf der Insel dem Bericht zufolge die Klientel, die Gold nachfragt, jünger wird. Und hier sei vor allem die Nachfrage nach der goldenen "Britannia ", die als offizielles Zahlungsmittel steuerbefreit ist, hoch gewesen. In den vergangenen Wochen ging es jedenfalls mit dem Goldabsatz nach oben. Der Goldhändler ATS Bullion berichtete über einen Umsatzanstieg um 5 bis 10 Prozent. Der Online-Händler BullionVault.com erklärte, der Kundenzuwachs sei im Juni deutlich höher gewesen als in den Monaten davor. Das wäre aber wahrscheinlich immer noch wenig, wenn die Briten am 23.6. doch noch für den Brexit votieren würden. Und hier sollten wir uns auch die möglichen wirtschaftlichen Folgen genauer ansehen.

Beträchtliche wirtschaftliche Folgen

Die wirtschaftlichen Folgen eines Brexits wären für Großbritannien beträchtlich. Das stellten jüngst die Forscher vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel fest. Kurzfristig würde vor allem die Unsicherheit über die genauen Austrittsmodalitäten die Wirtschaft belasten. Dies würde auch auf den übrigen Euroraum und Deutschland ausstrahlen. Die Zuwachsrate des britischen Bruttoinlandsprodukts (BIP) würde nach aktuellen Schätzungen im Falle eines Brexits um etwa 1 Prozent im Jahr 2017 und knapp 2,5 Prozent im Jahr 2018 zurückgehen. Langfristig fiele das BIP der Briten um 5 bis 8 Prozent geringer aus als im Basisszenario, das den Verbleib in der EU abbilden würde. Die Investitionen würden sogar um bis zu 17 Prozent fallen. Das ist das Fazit der Analyse der Herrn Gern und Stolzenburg.

Abwandern der Finanzindustrie?

Konkret bringen die Kieler Forscher auf den Punkt, dass ein Brexit den Außenhandel reduzieren, sinkende Direktinvestitionen und ein Abwandern der Finanzindustrie nach Paris oder Frankfurt zur Folge hätte. Nebeneffekt wäre ein erheblicher Rückgang der Kapitalzuflüsse ins Vereinigte Königreich. Dies würde die Finanzierung des Leistungsbilanzdefizits erschweren und den Wechselkurs des Pfund Sterling unter Druck setzen. Dadurch würden sich die Importe verteuern und die Realeinkommen gemindert. Als Folge davon käme der private Konsum ins Trudeln.

Kaum positive Effekte

Die beiden Forscher stellen ferner fest, dass ein Brexit kaum positive Effekte haben würde. Mit Blick auf die fiskalische Entlastung durch den Wegfall der Beiträge zur EU würde sich laut Analyse mittelfristig im Höchstfall ein kärglicher Betrag von 0,3 Prozent in Relation zum Bruttoinlandsprodukt ergeben. Die rechnerischen fiskalischen Erträge eines EU-Austritts würden voraussichtlich bei weitem durch die Budgetbelastung übertroffen, die sich durch die zu erwartende Dämpfung der wirtschaftlichen Aktivität ergeben würde. Auch mögliche positive Wirkungen durch den Abbau einer als überzogen gesehenen Regulierung durch die EU erscheinen für die Forscher begrenzt. In vielen Bereichen sei die nationale Regulierung der Märkte im internationalen Vergleich bereits niedrig, die Hemmnisse für eine Deregulierung an anderer Stelle seien eher im Inland als in Brüssel zu suchen

Folgen für Deutschland und die EU

Ein möglicher Brexit würde auch für Deutschland und die anderen EU-Länder nicht folgenlos bleiben. Durch einen Anstieg der Unsicherheit und eine niedrigere Nachfrage aus dem Vereinigten Königreich könnte das deutsche BIP im Falle eines Brexits in den kommenden beiden Jahren um etwa ein Prozent gemindert werden, gleiches gilt für die EU als Ganzes.

Am Donnerstag dürfen die Briten also entscheiden. Umfragen hin, Umfragen her, am Ende sollten wir erst mal auf das Votum des Souveräns, der Bürger, warten. Vielleicht wird das Ergebnis ja am Ende viel knapper ausfallen als die Buchmacher taxieren. Nichts ist unmöglich...

Brexit - Was wären die Folgen?
Mr. Gini - Der Autor befasst sich schon seit vielen Jahren hauptberuflich mit den Ungleichge- wichten und strukturellen Problemen der Welt- wirtschaft, insbesondere des Weltfinanzsystems. Der Autor vertritt die Ansicht, dass die Krise erst dann beendet ist, wenn die globale Überschuldungskrise gelöst ist. Sprich, wenn das Verschuldungsniveau auf ein für die Volkswirtschaften tragfähiges Niveau geschrumpft ist.
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Kommentare [2]
  • von Goldmann | 26.06.2016, 10:21 Antworten

    Brexit .. der Protestant hat protestiert !! Zum 30 Jährigem Krieg wird es nicht kommen.
    500 Jahre Luther feiern wir im nächstem Jahr.

  • von Gull | 24.06.2016, 15:11 Antworten

    na, die Prognose war ja voll daneben .........................

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