Stand: 27.07.2021 von Jörg Bernhard
In der vergangenen Woche hat die Europäische Kommission Gesetzgebungsvorschläge zur Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung vorgelegt. Das Wichtigste vorweg: In Europa soll bei Bargeldzahlungen eine Obergrenze von 10.000 Euro greifen.
Bye, bye Bargeld und was bedeutet dies für Gold?

EU-Kommission fordert europaweite Barzahlungsgrenze

In den vergangenen Jahren hat sich das Marktumfeld für Bargeld signifikant verschlechtert. Geschäftsbanken forcieren aus Kostengründen den elektronischen Zahlungsverkehr, die EZB gibt seit 2019 keine neuen 500-Euro-Scheine heraus und in einigen europäischen Ländern gelten bereits heute Bargeldzahlungsgrenzen.

Diese reichen von 500 Euro in Griechenland bis 15.000 Euro in Kroatien. Folgende Länder haben bislang kein Limit für Barzahlungen eingeführt:

  • Deutschland
  • Österreich
  • Luxemburg
  • Slowenien
  • Island
  • Estland
  • Lettland
  • Litauen
  • Malta
  • und Zypern
Doch das soll sich ändern, falls sich die EU-Kommission mit ihren Vorschlägen durchsetzen sollte.

Künftig sollen in keinem Land der EU Bargeldzahlungen von 10.000 Euro oder mehr möglich sein. Ausnahmen sollen lediglich für Transaktionen zwischen Privatleuten gelten, was insbesondere den privaten Gebrauchtwagenhandel erleichtern würde.

Länder, die bereits niedrigere Barzahlungsobergrenzen eingeführt haben, dürfen diese beibehalten. Nun darf man gespannt sein, wie das Europaparlament und vor allem die betroffenen Mitgliedsstaaten auf die Initiative der EU-Kommission reagieren werden.

In Österreich und Deutschland, wo Bargeld einen besonders hohen Stellenwert genießt, dürften die Vorschläge aus Brüssel besonders kontrovers diskutiert werden.

Neben den bereits erwähnten Barzahlungsrestriktionen sollen übrigens auch Kryptowährungen stärker reglementiert werden. Außerdem soll eine neue EU-Behörde zur Geldwäschebekämpfung geschaffen werden – die Anti-Money Laundering Authority (AMLA).

Wichtige Regeln für Goldbesitzer

Wer Edelmetall-Münzen oder -Barren kaufen und bar bezahlen möchte, sollte wissen, dass man sich bereits seit ungefähr zwei Jahren bei Beträgen ab 2.000 Euro ausweisen muss.

Das heißt: Der anonyme Goldkauf ist auf Basis aktueller Marktdaten bei Ein-Unzen-Goldmünzen oder -barren sowie bei leichteren Exemplaren derzeit noch möglich, während bei Goldbarren ab 50 Gramm die Grenze bereits überschritten wäre.

Eine Ausweispflicht herrscht übrigens auch, wenn man den Altgold-Service eines Edelmetallhändlers nutzt, um bspw. alten Schmuck oder Zahn- bzw. Bruchgold monetarisieren oder bereits erworbene Edelmetallmünzen bzw. -barren wieder verkaufen möchte.

Wichtig zu wissen: Der Betrag von 10.000 Euro fungiert bereits heute als wichtige Grenze.

Wer nämlich ins Ausland verreist oder von dort zurückkehrt, muss bei mitgeführten Bargeldbeträgen ab 10.000 Euro diese beim Zoll anmelden, wobei Sparbücher, Edelmetalle und Diamanten übrigens als „gleichgestellte Zahlungsmittel“ ebenfalls unter die Anzeigepflicht fallen.

Wird dies unterlassen begeht man eine Ordnungswidrigkeit, die hohe Geldbußen nach sich ziehen kann.

Aktuelle Regeln für Bargeldzahlung in Deutschland:
1. Es gibt keine gesetzlich vorgeschriebene Obergrenze für Bargeldzahlungen
2. Bei Bargeldzahlungen ab 10.000 € müssen Verkäufer aber Identität feststellen
3. Bei Edelmetallen und Diamanten greift bei Käufen ab 2.000 Euro Ausweispflicht
4. Wer Altgold wie z.B. Schmuck o.ä. verkaufen möchte, muss sich stets ausweisen
5. Ausweispflicht herrscht auch beim Verkauf bereits erworbener Münzen bzw. Barren
6. Immobilen dürfen in Deutschland bar bezahlt werden
7. Reisende müssen Bargeld ab 10.000 Euro bei Ein- bzw. Ausreise beim Zoll anmelden

Fazit: Es ist davon auszugehen, dass in sämtlichen Finanzangelegenheiten privater Natur der Trend eher in Richtung Reglementierung als Liberalisierung gehen wird. Bargeld in Gold zu tauschen, scheint auch vor diesem Hintergrund weiterhin sinnvoll zu sein.

Ausblick für die laufende Woche

Am Mittwochabend dürfte sich die US-Notenbank Fed der erhöhten Aufmerksamkeit der globalen Anlegerschar einmal mehr sicher sein. Insbesondere bei der Pressekonferenz mit Fed-Chef Jerome Powell (ab 20.30 Uhr) dürfte jedes Wort auf die Gold-Waage gelegt werden und dem Preis des gelben Edelmetalls möglicherweise neue Impulse verleihen.

Sowohl diesseits wie jenseits des Atlantiks gab es beim Bruttoinlandsprodukt hohe Wachstumsraten zu vermelden.

Nachdem im ersten Quartal in der Eurozone ein Zuwachs in Höhe von 6,4 Prozent p.a. erzielt worden war, erfahren die Investoren am Donnerstag, wie sich das Wirtschaftswachstum in Q2 entwickelt hat. Laut einer von Trading Economics veröffentlichten Umfrage unter Analysten wird mit einer Steigerung um 8,6 Prozent p.a. gerechnet.

Angesichts solcher Perspektiven sollte man sich nicht zu sehr wundern, dass die Risikoaversion in den vergangenen Wochen empfindlich gelitten und der Krisenwährung Gold zu keiner sonderlich ausgeprägten Kurserholung verholfen hat.

Unter sämtlichen Anlageklassen wurde das gelbe Edelmetall seinem Status als Stabilitätsanker in unsicheren Zeiten aber weiterhin gerecht. Auf Pump finanzierte Wachstumsraten dürften daran auf lange Sicht kaum etwas ändern.

Autor: Jörg Bernhard
Freier Wirtschaftsjournalist
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von Ich empfehle dazu | 05.08.2021, 10:41 Antworten

https://www.wiwo.de/politik/konjunktur/kritik-am-papiergeldsystem-nur-gold-ist-geld-alles-andere-ist-kredit/10807948-2.html

von Silberrente | 27.07.2021, 17:23 Antworten

Von Muscheln und Münzen, Papiergeld, zu Buchgeld und zum digitalen Geld. Es bringt die Digitalisierung einfach mit sich und ist nicht aufzuhalten keiner zweifelt, das Buchgeld auf dem Konto an, dann kann es ja auch ein digitaler EUR sein. "Geld ist geprägte Freiheit" mag sein. aber unsere Welt wird immer komplexer...Geld ist umständlich und teuer in der Bewirtschaftung. Ich zahle mit Karte bis 50EUR es ist jetzt schon einfach und ich habe kein Bargeld mehr. Anlagewerte damit Sachwerte ist etwas anderes, Geldverrechnungseinheiten sind ein Tauschmittel, kein Wertaufbewahrungsmittel mehr.

5 Antworten an Silberrente anzeigen
von Franz | 29.07.2021, 11:22 Antworten

Bargeld ist Freiheit, so wie es mehr oder weniger Österreich klar formulierte. Ansonsten sind wir gefangen in der Überwachung und Regulierung.

von Steve | 30.07.2021, 07:23 Antworten

Vieles das in der Vergangenheit praktisch, logisch und bequem war hat sich im Nachhinein für die Menschen als falsch erwiesen. Ich zahle so lange es möglich ist bar…..!

von Graf von Henneberg | 28.07.2021, 17:58 Antworten

Es wird einfacher für die Oberen, das Konto des Einzelnen auf 0 zu setzen. Ich denke, da hat die vorbestrafte Frau Lagarde keine Skrupel.

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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"