| GOLD | 4.348,91 $/oz | 3.749,65 €/oz | 120,55 €/g | 120.554 €/kg |
| SILBER | 64,48 $/oz | 55,61 €/oz | 1,79 €/g | 1.787,90 €/kg |
Seit dem 7. Juli 2026 läuft Hongkongs Gold Central Clearing and Settlement System im Probebetrieb. Hinter dem sperrigen Namen steckt ein strategisches Projekt: Die chinesische Sonderverwaltungszone will nicht nur die Lagerung von Gold, sondern Handel, Clearing, Abwicklung und physische Auslieferung an einem Standort bündeln.
„Wenn Gold der sichere Hafen der Welt ist, dann wird Hongkong sein sicherer Ankerplatz.“ - John Lee, Regierungschef Hongkongs, 7. Juli 2026
Betreiber ist die vollständig staatseigene Hong Kong Precious Metals Central Clearing Company Limited, kurz HKPMCC. Sie stellt für bilaterale und außerbörsliche Goldgeschäfte ein gemeinsames Zentralbuch bereit.
Dort werden Bestände, Übertragungen und Abwicklungen der teilnehmenden Banken erfasst. Die Goldguthaben werden zunächst auf unallokierter (nicht zugewiesener) Basis geführt. Zugelassen sind rund 400 Feinunzen schwere Barren nach internationalen Standards (Good Delivery).
Die Bank of China (in Hongkong) fungiert zugleich als Abwicklungsinstitut und Betreiber des designierten Goldtresors. Die ersten Einlieferungen, Geschäfte und Abwicklungen wurden zum Start des Probebetriebs bereits vollzogen. Im Verwaltungsrat sitzen neben Regierungsvertretern und Aufsehern auch die Shanghai Gold Exchange sowie elf Banken.
Entscheidend ist die geplante Verbindung mit Hongkongs Echtzeit-Zahlungssystem. Sie soll eine Abwicklung nach dem Prinzip „Delivery versus Payment“ ermöglichen: Gold und Geld wechseln praktisch zeitgleich den Besitzer. Das senkt Gegenparteirisiken und macht den Standort für internationale Banken, Raffinerien, Minengesellschaften und institutionelle Anleger attraktiver.

Parallel verbindet der neue „Delivery Connect“ die Tresore und Systeme Hongkongs mit der Shanghai Gold Exchange. Erste wechselseitige Transfers wurden von der Bank of China, der HSBC und der ICBC Asia durchgeführt. Hinzu kommen ein eigener HAU-Preisindikator für die asiatischen Handelszeiten, neue Terminmarktprodukte, geplante Steueranreize und zusätzliche Raffineriekapazitäten.
Die Lagerkapazität soll auf mehr als 2.000 Tonnen steigen. Der Ausbau ist groß dimensioniert: Die Airport Authority plant allein neue Tresore im Tausend-Tonnen-Maßstab. Daneben sollen private Banken ihre Lager erweitern. Ohne ausreichende, versicherbare Kapazitäten könnte Hongkong weder internationale Barrenlieferungen bündeln noch als Reserveplatz für Zentralbanken, Fonds und vermögende Investoren glaubwürdig konkurrieren.
Die neue Infrastruktur trifft auf außergewöhnlich hohe Warenströme. Im zweiten Quartal 2026 importierte Hongkong rund 385 Tonnen Gold. Das waren 45 Prozent mehr als im Vorjahresquartal und der höchste Quartalswert der vorliegenden Zeitreihe. Allein im Juni kamen rund 150 Tonnen in die Sonderverwaltungszone, so viel wie seit Ende 2014 nicht mehr. Besonders kräftige Zuflüsse stammten aus Russland, Australien und der Schweiz.

Gleichzeitig exportierte Hongkong im zweiten Quartal 2026 255 Tonnen Gold, 29 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Davon gingen 225 Tonnen beziehungsweise rund 88 Prozent nach Festlandchina.
Rechnerisch verblieb damit ein Nettozufluss von etwa 130 Tonnen. Er dürfte zumindest teilweise den Aufbau zusätzlicher Bank- und Tresorbestände widerspiegeln. Marktteilnehmer bereiteten sich vor dem Start des zentralen Abwicklungssystems auf höhere Umsätze in Hongkong und neue Lieferverpflichtungen vor.
Genau deshalb sollten die Rekordzahlen nicht eins zu eins als laufende chinesische Endnachfrage interpretiert werden. Ein Teil der Importe wurde zeitlich vorgezogen. Zudem bildet die Hongkong-Statistik nicht sämtliche Einfuhren Chinas ab: Gold gelangt auch direkt über Shanghai und Peking auf das Festland. Die Route über Hongkong bleibt dennoch ein wichtiger Seismograf für den physischen Goldhandel der weltweit größten Verbrauchernation.
Hongkong besitzt dabei strukturelle Vorteile. Der freie Warenverkehr, leistungsfähige Banken, sichere Logistik, die Nähe zu China und der Zugang zu internationalen Kapitalmärkten greifen ineinander. Steigen Lagerhaltung und Handelsvolumen dauerhaft, können regionale Barrenprämien sinken und Arbitragewege kürzer werden.
Für den Goldpreis ist das ein konstruktives Signal, aber kein isoliertes Kaufsignal. Physische Zuflüsse können verfügbares Metall verknappen und regionale Aufschläge erhöhen. Der Weltmarktpreis hängt jedoch zusätzlich von Realzinsen, US-Dollar, Zentralbankkäufen, geopolitischen Risiken und Investmentströmen ab. Wichtig wird daher, ob die Importe nach der vorgezogenen Bevorratung auf hohem Niveau bleiben.
Sehr spannend! Danke!
Nun, Hongkong ist nicht mehr Hongkong. Es ist eine Stadt wie jede andere in China. Es gibt keine Bessonderheiten mehr. Ende ist Ende. Wenn sie einen Volvo kaufen, ist es kein Volvo mehr. Ende. Ich verstehe nichts von Gold, wenn ich einen Barren bei einer staaatlichen Bank kaufe und 999 drauf steht, sollte es auch drin sein. Doch ist es das?