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Stand: 09.02.2026 von Jörg Bernhard
Nach einer der turbulentesten Phasen in der jüngeren Edelmetallgeschichte melden sich die „Schnäppchenjäger“ bei Gold zurück und treiben dessen Preis wieder über die psychologisch wichtige Marke von 5.000 Dollar.
Gold wieder über 5.000 USD: Warum die Käufer jetzt zurück sind

Technische Korrektur – kein Trendwechsel

Die schnelle Erholung deutet darauf hin, dass viele Marktteilnehmer den Einbruch nicht als Trendwende, sondern als überfällige technische Korrektur innerhalb eines gesunden Aufwärtstrends interpretiert haben.

In den vergangenen Wochen kam es zu hektischen Ausschlägen, wobei Panikverkäufe an den Terminmärkten den Preisverfall verstärkten. Dennoch zeigte sich, dass bei Unterschreiten bestimmter Preisniveaus sofort wieder Nachfrage einsetzte. Diese „Schnäppchenjäger“-Mentalität ist typisch für Märkte, in denen die langfristigen Perspektiven intakt bleiben, auch wenn das Marktgeschehen kurzfristig von Spekulationen dominiert wird.

Eine Schlüsselrolle spielt nun die Frage, ob sich Gold nachhaltig über 5.000 Dollar halten kann.

Gelingt dies, spricht vieles dafür, dass aus der technischen Gegenbewegung wieder ein struktureller Aufwärtstrend für den Goldpreis entsteht. Fällt das Metall dagegen erneut darunter, könnte auf dem derzeitigen Niveau die Seitwärtsphase bei hohen Schwankungen anhalten.

Interessant in diesem Zusammenhang: Die chinesische Zentralbank hat ihre Goldkäufe mittlerweile seit 15 Monaten in Folge ausgeweitet – ein klares Signal, dass die Krisenwährung als strategische Reserve immer wichtiger wird. Zudem drängen chinesische Aufsichtsbehörden Finanzinstitute, ihre Bestände an US-Staatsanleihen zu begrenzen. Die Sorge vor Klumpenrisiken und möglicher Marktvolatilität bei den Bonds verstärkt die strukturelle Verschiebung hin zu realen, unpolitischen Assets wie Gold.

Hohe Volatilität – aber falsche Risikowahrnehmung

Auch geopolitische Risiken, Sanktionen und Zweifel an der Unabhängigkeit der US-Notenbank Fed treiben diese Entwicklung.

Die Ära, in der Dollar-Anlagen als alternativlos galten, scheint vorbei zu sein. Stattdessen setzt eine breite Diversifizierung weg von US-Vermögenswerten ein – ein Trend, der Gold langfristig stützen dürfte. Edelmetalle schwanken derzeit aber stark. Der Goldvolatilitätsindex (GVZ) liegt mit 34 Prozent (Jahreshoch: 46 Prozent) deutlich über seinem Pendant für den S&P 500, dem VIX (aktuell: 19 Prozent; Jahreshoch: 22 Prozent). Auf den ersten Blick könnte man daraus schließen, Gold sei das riskantere Asset. Diese Schlussfolgerung greift jedoch zu kurz.

Da die Kennzahl Volatilität aus finanzmathematischer Sicht vor allem als Risiko-Barometer (siehe Charts) interpretiert wird, sollte man bei deren Interpretation folgende Aspekte unbedingt im Hinterkopf behalten. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass der VIX (S&P-500-Index) bei starken Einbrüchen regelrecht explodieren kann (April 2025: 52 Prozent). Wenn Aktienmärkte einbrechen, schnellen Volatilitäten oft auf extreme Niveaus, während Gold in solchen Momenten häufig sogar wie ein Stabilitätsanker wirkt.

Gold-Volatilitätsindex (GVZ) auf Sicht von 12 Monaten

Gold-Volatilitätsindex auf 12-Monats-Sicht

S&P-500-Volatilitätsindex (VIX) auf Sicht von 12 Monaten

S&P-500-Volatilitätsindex auf 12-Monats-Sicht

Fazit: Am Ende zeigt das jüngste Marktgeschehen vor allem eines: Gold ist kein „Witwen- und Waisenpapier“, sondern ein wichtiges Sicherheitsasset in einer unsicheren Welt. Die Rückkehr der „Schnäppchenjäger“ unterstreicht, dass viele Investoren genau so darüber denken – Volatilität hin oder her. Kurzfristige technische Korrekturen mögen unangenehm sein, bieten aber Gelegenheiten für antizyklische Anleger.

Wer Geduld mitbringt, nutzt diese Phasen eher zum Aufbau von Positionen als zum voreiligen Verkauf.

Ausblick für die laufende Woche

Die EZB-Sitzung am vergangenen Donnerstag legte nahe, dass sich bei den europäischen Leitzinsen zunächst einmal wenig ändern dürfte – falls sich die Datenlage nicht deutlich eintrübt. Mit einer europäischen Inflationsrate von 1,7 Prozent (Januar) wurde sogar der Zielwert der Notenbanker in Höhe von zwei Prozent signifikant unterschritten. In Deutschland hingegen war die Inflation höher.

Details zu den Daten, Prognosen sowie historische Zeitreihen finden Sie hier.

In den USA bewegt sich die Geldentwertung angesichts einer Prognose von 2,5 Prozent auf deutlich höherem Niveau. Am Freitag steht in den USA die Bekanntgabe der Januarzahlen auf der Agenda.

Zuvor erfahren die Akteure an den Finanzmärkten am Mittwoch, wie sich der US-Arbeitsmarkt im Januar entwickelt hat. Laut einer von Trading Economics veröffentlichten Umfrage unter Analysten soll sich die Arbeitslosenrate mit 4,4 Prozent nicht verändert haben, während bei der Zahl neu geschaffener Stellen gegenüber dem Vormonat ein Zuwachs von 50.000 auf 70.000 prognostiziert wird.

Niedrigere Zinsen führen bei Gold zwar zu sinkenden Opportunitätskosten (→ Zinsverzicht), das Ausbleiben oder Verzögern von Zinsreduktionen sollte aber auf keinen Fall als Verkaufssignal für Gold interpretiert werden. Grund: Um die Schuldentragfähigkeit ist es diesseits wie jenseits des Atlantiks alles andere als gut bestellt.

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Stand: 09.02.2026
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