Stand: 16.03.2020 von © Gold.de Redaktion / AB
Corona-Angst und die Folgen: Die Nachfrage nach Gold und Silber nimmt panikartige Ausmaße an. Vielerorts kapitulieren Edelmetallhändler. Sie können die Nachfrage nicht mehr bedienen. Auch auf GOLD.DE ist die Nachfrage-Explosion direkt messbar. Der Montag war nach Nutzerzahlen der bis dato stärkste Tag überhaupt.
Panikartige Nachfrage nach Gold und Silber
"Aufgrund erhöhter Nachfrage kann es aktuell zu längeren Lieferzeiten kommen" (www.coininvest.com)

So, oder so ähnlich lautet die dürre Meldung, welche derzeit viele Kaufwillige empfängt, wenn sie einen Edelmetallhändler-Onlineshop besuchen. Ähnlich die Auskunft, wer persönlich ein Ladengeschäft betritt.

Und manche Händler haben sogar die Bestellannahme vorübergehend komplett eingestellt:

"Derzeit verzeichnen wir ein außergewöhnlich hohes Bestellaufkommen, das selbst vorherige Spitzenlasten um ein Vielfaches übersteigt. Zeitgleich ist die Warenverfügbarkeit bei unseren Lieferanten sehr eingeschränkt. Wir bitten daher um Ihr Verständnis, dass wir in dieser Marktsituation bis auf weiteres keine neuen Bestellungen annehmen können." (www.goldsilbershop.de)

Dies nur zwei Stimmen stellvertretend für viele. Was sich schon am Freitag abzeichnete, hat sich am Montag weiter verschärft. Vielerorts geht gar nichts mehr. Entweder lange Warteschlangen vor den Geschäften, oder man sieht sich gleich vor verschlossen Ladentüren oder stillgelegten Onlineshops.

Wer Gold oder Silber kaufen will, braucht derzeit vor allem eines: Geduld und gute Nerven. Edelmetallhändler sehen sich einer extremen Nachfrage nach Gold und Silber ausgesetzt, die sie aktuell kaum bedienen können.

Problem Lieferkette

Neuralgischer Punkt ist die Lieferkette. Denn auch Händler müssen ihre Ware irgendwoher beziehen. Entweder importieren sie diese, meist aber wird Gold oder Silber im Großhandel hierzulande besorgt. Doch viele Goldprodukte, wie etwa der Krügerrand oder Maple Leaf, kommen aus dem Ausland.

Dazu kommt, dass auch Logistik-Unternehmer und Werttransporte Schwierigkeiten haben, die Ware vom Großhandel zum Einzelhändlern zu bringen. Stockt die Lieferkette, wird die Beschaffung von begehrten Münzen und Barren immer schwieriger.

Im Übrigen zeigt sich jetzt, was wir immer propagiert haben: Wer in der Vergangenheit stetig Gold kaufte, hat in Tagen wie diesen weniger Probleme.

Aufgelder schießen in die Höhe

Das Aufgeld ist salopp formuliert die Handelsspanne, die on top auf den Weltmarktpreis für Gold oder Silber dazu kommt. Steigende Aufgelder sind meist ein Indiz, dass die Ware bei den Händlern knapp oder schwer zu beschaffen ist. Und die Aufgelder sind in aktuell kräftig gestiegen.

Vergleich Aufgeldentwicklung von Montag 09.03. - Montag 16.03.2020:

  • Goldbarren: 1,95 % auf 6,41 %. Das entspricht einer Steigerung um mehr als das 3-fache

  • Goldmünzen: 2,17 % auf 6,21 %. Das entspricht einer Steigerung von knapp dem 3-fachen

Unsere Zahl bezieht sich auf den Durchschnitt der 3 beliebten Goldbarren-Einheiten 10g, 1oz, 100g; bei Goldmünzen auf die 1oz-Einheiten von Krügerrand, Maple Leaf und Känguru. Die Zahlen sind repräsentativ. GOLD.DE ist Deutschlands größtes Gold-Vergleichsportal.

Händler am Limit

Fehlender Nachschub ist ja schon Problem genug für einen Edelmetallhändler. Dazu kommen aktuell aber noch ganz praktische Probleme.

So hat mancher Edelmetallhändler sein Filialgeschäft vor Ort geschlossen. Sei es aufgrund der persönlichen Ansteckungsgefahr, den Vorgaben der Gesundheitsbehörden, weil Mitarbeiter fehlen, oder weil Mitarbeiter im Home-Office sind. Diese Händler bieten nur noch online Verkauf an. Endkunden sollten allerdings in Betracht ziehen, dass klassische Paketzusteller wie UPS oder DHL, sowie Wert-Logistiker derzeit ebenfalls am Limit sind.

Bei anderen Edelmetallhändlern ist es genau umgekehrt. Sie müssen ihre Online-Präsenz auf "Pause" stellen, weil Server aufgrund des großen Besucherandrangs in die Knie gehen. Manchen ist vielleicht auch die aktuelle Volatilität beim Silber- und Goldpreis zu riskant, der sie sich beim Onlinehandel noch stärker ausgesetzt sehen, als beim Filialverkauf vor Ort.

Und bei allem ist noch zu berücksichtigen, dass die Kapazitäten der Händler Grenzen haben. Schon in den Wochen zuvor war die Nachfrage sehr hoch. Nun kommt es zu Auftragsstaus. Die müssen erstmal abgearbeitet werden. Kunden sollten daher Verständnis zeigen, wenn Auslieferungen jetzt etwas längern dauern.

GOLD.DE: Besucherrekord mit Nebenfolgen

Den panikartigen Ansturm auf Gold oder Silber bestätigen auch die Besucherzahlen auf GOLD.DE. Im Vergleich zu vorherigen Zeiträumen mit durchschnittlichem Besucheraufkommen beobachten wir in diesen Tagen Steigerungen von teils mehreren 100 % auf unserem Portal.

Umgekehrt müssen Händler vorübergehend aus dem GOLD.DE Preisvergleich herausgenommen werden, weil sie ihren Onlineshop aufgrund der derzeitigen Überbelastung pausieren müssen. Stand Montag 16.03.2020 nachmittags, betrifft dies in der Spitze 20 der bei uns normalerweise gelisteten Händler.

Goldpreis und Silberpreis mit deftigen Abschlägen

Dass eine hohe physische Nachfrage nicht zwangsläufig zu steigenden Edelmetallpreisen auf den Weltmärkten führt, ist derzeit beispielhaft zu sehen. Sowohl der Goldpreis, und stärker noch der Silberpreis, verbuchten in den letzten Tagen kräftige Abschläge.

Bei Gold liegt die Ursache unter anderem darin, dass viele institutionelle Anleger und Vermögensverwalter aktuell gezwungen sind Gold zu verkaufen um Verluste zu minimieren, die sie mit anderen Anlageklassen haben. Aktien erleben ja derzeit ein wahres Blutbad.

Bei Silber wird der Preis wesentlich von der industriellen Nachfrage bestimmt. Es gilt also zunächst: Sind die Aussichten der Weltkonjunktur schlecht, fällt der Silberpreis. Dies könnte sich bei anhaltender Krise jedoch auch schnell ändern, wenn Silber als Krisenschutz entdeckt wird und auch von großen Adressen mehr physische Nachfrage kommt.

Bahnt sich ein Paradigmenwechsel an?

Beim aktuellen Goldpreis Rückgang ist zu beobachten, dass der Kursrückgang für Papiergold (= nicht-physisches Gold, welches an Future-Märkten gehandelt wird) heftiger ausfällt als für physisches Gold. Bahnt sich hier eine größere Abkopplung an? Bisher war es so, dass sich der Preis für physisches Gold an Spotpreisen orientiert hat. Nun spricht manches dafür, dass sich der physische Markt bedingt durch die hohe Nachfrage weiter vom Papiergoldmarkt entkoppelt.

Gold-Silber-Ratio auf historischem Höchststand

Zu dem kräftigen Preisrückgang bei Silber passt, dass die Gold-Silber-Ratio mit einem Wert von über 118 (Stand 15. März 2020, intraday), derzeit einen historischen Höchstwert hat. Die Gold-Silber-Ratio ist bekanntlich ein Indikator dafür, ob Silber im Vergleich zu Gold überbewertet oder unterbewertet ist. Mit dem aktuellen Wert gilt Silber als stark unterbewertet.

Fazit

Wann sich die Situation für die Edelmetallhändler wieder beruhigt, ist derzeit nicht abzusehen. Kaufwillige sollten daher Geduld mitbringen, und auch Verständnis haben, wenn Anrufe oder Mails mal nicht sofort beantwortet werden.

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von C64 | 27.03.2020, 21:35 Antworten

Es ist wohl doch etwas dran mit zu großen Barren auf dem Markt. Ich laß, dass an den physischen Börsen die Regeln zu Gunsten der Akzeptanz großer Barren geändert werden, um auf ein Umschmelzen zu verzichten.

von yoshi | 17.03.2020, 16:46 Antworten

Ich habe mich die letzten Monate stark zurückgehalten, wegen der hohen Preise für Gold und Silber. Gestern (16.03.2020) habe ich dann auch zugeschlagen. Wenn der Silberpreis innerhalb weniger Wochen von über 17€ auf unter 11€ rutscht, dann bin ich dabei. OB sich das lohnt kann nur die Zukunft zeigen. Wenn ich Ahnung von Aktien hätte, dann wäre ich auch dort dabei. In der Krise liegt die Chance.

6 Antworten an yoshi anzeigen
von Horst | 20.03.2020, 05:44 Antworten

Und wen es sonst noch Interessiert in Das Buch Ezechiel, Kapitel 18
wird glaub eindeutig ein Kreislauf beschrieben, welcher auf gewisse Wirtschaftkrisen
hindeutet. Das Problem hat also schon nen sehr alten Bart.^^

von Horst | 20.03.2020, 05:24 Antworten

Ez 7,12 Die Zeit kommt; der Tag ist nahe. Der Käufer soll sich nicht freuen, der Verkäufer nicht traurig sein; denn glühender Zorn trifft das ganze Volk.
Ez 7,13 Der Verkäufer wird das Verkaufte nicht wiedererlangen, auch wenn sie am Leben bleiben; denn glühender Zorn trifft das ganze Volk. Er erlangt es nicht wieder. Und weil alle schuldig sind, wird keiner sein Leben festhalten können.

von Horst | 18.03.2020, 14:10 Antworten

@Käufer .... Schau dir die Goldpreisentwicklung an beginnend mit dem Jahr 2000....
wenn da gekauft hast, kannst dann ja locker für 300 € verkaufen, die Unze....
Es geht immer um die Entwicklungstendenz. Fakt ist, dass Edelmetallexporte physisch abnehmen und ja es gibt auch Händler die günstiger Verkaufen....
lat. agitare -> treiben, schlagen, verhandeln oder händeln -> streiten^^

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