| GOLD | 5.022,54 $/oz | 4.234,10 €/oz | 136,13 €/g | 136.129 €/kg |
| SILBER | 76,71 $/oz | 64,67 €/oz | 2,08 €/g | 2.079,19 €/kg |
Beide Metalle waren zuvor stark gestiegen, die Stimmung war euphorisch – und genau in diesem Umfeld können selbst moderate negative Impulse eine rasante Talfahrt auslösen. Wenige Tage vor dem Einbruch markierten sowohl Gold als auch Silber noch neue Allzeithochs.
Beide waren charttechnisch massiv überkauft, was u.a. durch den Timingindikator RSI (weit über 70 Prozent) angezeigt worden war. Viele kurzfristige Trader waren auf der Long-Seite positioniert, Stop-Loss-Marken lagen dicht unterhalb wichtiger Unterstützungen. Als diese Marken rissen, setzte eine Kettenreaktion aus automatisierten Verkäufen ein, die den Preissturz weiter beschleunigte. Technische Faktoren wirkten damit wie ein Brandbeschleuniger.
Ein politischer Auslöser kam hinzu: Die Nominierung von Kevin Warsh durch Donald Trump als möglicher künftiger Fed-Chef wurde von den Märkten als Signal für eine potenziell restriktivere Geldpolitik interpretiert. Warsh gilt als Inflationsfalke, der höhere Zinsen eher tolerieren würde. Steigende oder länger hoch bleibende Zinsen gelten jedoch als Nachteil für zinslose Geldanlagen wie Gold und Silber, da sie deren Opportunitätskosten (→ Zinsverzicht) erhöhen.
Parallel dazu verschärfte die CME Group die Lage durch mehrere kräftige Anhebungen der Margin-Anforderungen für Gold- und Silber-Futures. Höhere Sicherheitsleistungen zwingen spekulative Marktteilnehmer, Positionen zu reduzieren oder zu schließen. Diese Zwangsverkäufe verstärkten den Abwärtsdruck zusätzlich – besonders im relativ illiquiden Silbermarkt, der traditionell stärker von Hebelprodukten geprägt ist.
Auch die Dollarstärke spielte eine nicht unerhebliche Rolle. Der Dollar legte nämlich in der vergangenen Woche deutlich zu, was Gold und Silber für Käufer außerhalb des Dollarraums spürbar verteuerte. Vor allem in Asien und Schwellenländern kühlte die physische Nachfrage dadurch ab – ein wichtiger Pfeiler für beide Metalle in den vergangenen Jahren.
Außerdem wirkten Berichte über massive Umschichtungen von Krypto-Assets in Gold und Silber paradoxerweise ebenfalls als Belastung. Der vorherige Zufluss aus dem Kryptosektor hatte Preise künstlich nach oben getrieben. Als sich diese Ströme abschwächten und erste Investoren wieder Gewinne mitnahmen, kippte die Dynamik: Aus „Flucht in Sicherheit“ wurde binnen weniger Tage „Flucht aus Sicherheit“.
Fazit: Das Zusammenspiel aus überhitzter Charttechnik, politischer Zinsfantasie, höheren Margin-Anforderungen, starkem Dollar und wechselnden Kapitalströmen erklärt, warum der Einbruch so heftig ausfiel. So wie die vorherige Kursexplosion eine Übertreibung nach oben nahegelegt hat, könnte sich nun der heftige Kursrückschlag als Übertreibung nach unten erweisen. Der langfristige Aufwärtstrend beider Edelmetalle (siehe Charts) ist bislang auf keinen Fall gefährdet.
Goldpreis:

Silberpreis:

Nach der jüngsten Talfahrt bei Gold und Silber weisen mittlerweile beide Edelmetalle eine deutlich höhere Volatilität als wichtige Aktienindizes aus den USA oder Europa aus, was 2023 und 2024 eher nicht der Fall war.
In den kommenden Handelstagen stehen zahlreiche wichtige Events an. Neben der Bekanntgabe von Quartalszahlen großer US-Konzerne dürften sich die Investoren aber auch für die Sitzung der EZB und die anstehende Datenflut vom US-Arbeitsmarkt stark interessieren.
Der Zahlenreigen wichtiger US-Arbeitsmarktzahlen wird am Dienstag mit der Zahl offener Stellen eingeleitet, gefolgt vom ADP-Monatsbericht (Mittwoch) und dem Challenger-Bericht über Stellenstreichungen sowie den wöchentlichen Erstanträgen auf US-Arbeitslosenhilfe (beide am Donnerstag).
Details zu den Daten, Prognosen sowie historische Zeitreihen finden Sie hier.
Als Highlight dürfte sich aber einmal mehr der für Freitag angekündigte Monatsbericht des US-Arbeitsministeriums erweisen. Laut einer von Trading Economics veröffentlichten Umfrage unter Analysten soll die Arbeitslosenrate bei 4,4 Prozent verharren und die Zahl neu geschaffener Stellen von 50.000 auf 70.000 gestiegen sein.
Zur Erinnerung: Im Vorjahr fiel das im April markierte Jahreshoch mit 158.000 um ein Vielfaches höher aus.