Stand: 08.01.2015  0 Kommentare

Die Verbraucherpreise im Euroraum sind im Dezember zum ersten Mal seit fünf Jahren gefallen. Kommt jetzt die Deflation?

Die jährliche Inflationsrate im Euroraum ist erstmals seit fünf Jahren in den negativen Bereich gerutscht. Wie die Statistikbehörde Eurostat am Mittwoch (07.01.15) bekannt gab, betrug die Teuerungsrate im vergangenen Dezember minus 0,2 Prozent. Im November war noch eine - wenn auch sehr geringe - Inflationsrate von plus 0,3 Prozent verzeichnet worden.

Energiepreise für negative Inflation verantwortlich

Für den Verbraucher bedeutet das auf den ersten Blick, dass er billiger einkaufen gehen kann. Ein Grund zur Freude? Jein. Tatsächlich bekommt man an der Tankstelle mehr Sprit für sein Geld, was jeden, der ein Auto hat, freuen dürfte. Und das liegt vor allem am stark eingebrochenen Ölpreis, der in den vergangenen Monaten um mehr als die Hälfte abgestürzt ist. Laut Eurostat-Angaben sind es denn auch die Energiepreise, die für die erste negative Teuerungsrate seit dem Krisenjahr 2009 verantwortlich sind. Diese sind im Dezember um statthafte 6,3 Prozent gesunken. Im November waren es noch minus 2,6 Prozent. Diesen Winter lässt es sich also durchaus günstiger heizen.

Preise für Lebensmittel nicht verändert

Auf den zweiten Blick jedoch wird deutlich, dass sich der Preisverfall mitnichten auf die Rechnung im Supermarkt niederschlägt. Den Angaben zufolge haben sich die Preise für Lebensmittel, Alkohol und Tabak vergangenen Dezember im Euroraum nicht verändert (0,0 Prozent). Im November sind sie noch um 0,5 Prozent gestiegen. Auch die Preise für nicht-energetische Industriegüter blieben demnach stabil bei 0,0 Prozent. Im Vormonat waren sie um 0,1 Prozent gefallen. Den einzig nennenswerten Preisanstieg gab es bei den Dienstleistungen, die sich den Angaben zufolge sowohl im Dezember und November stabil um 1,2 Prozent verteuert haben.

Deflation auf dem Rücken des Ölpreises

Ließe man die Energiekosten außer Acht, käme man auf eine durchschnittliche Preissteigerung von 0,6 Prozent, die so genannte Kerninflation. Experten sehen die negative Teuerungsrate deshalb auch nicht als Deflation - zumindest noch nicht. Für den Preisverfall sei demnach allein der sinkende Rohölpreis verantwortlich. Und der schmiert weiterhin ohne Halt ab. Allein im Dezember gab er nochmal um fast 10 Prozent nach und ist mittlerweile bei unter 50 Dollar pro Barrel (159 Liter) auf den tiefsten Stand seit fünfeinhalb Jahren gerutscht.

Doch beim Verbraucher kommt das Schnäppchen-Öl nicht wirklich an. Der hat sein Heizöl ohnehin schon im Sommer gekauft, und mehr Autofahren tut er ob des Billigöls gewiss auch nicht. Auch wenn Bundesbank-Präsident Jens Weidmann unlängst zu Protokoll gegeben hat, dass "eine für einige Monate unter null liegende Inflationsrate" für ihn keine Deflation darstelle, könnte der fallende Ölpreis, wenn er anhaltend ist und nicht zum Verbraucher durchschlägt, die Verbraucherpreise quasi Huckepack mit sich ziehen. Eine Deflation auf dem Rücken des Ölpreises würde nicht nur die ohnehin schon strauchelnde Wirtschaft im Euroraum in die Knie zwingen, sondern auch den Schuldendienst von Staaten, Unternehmen und Privatpersonen erheblich erschweren. 

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