Stand: 30.08.2015 von Jörg Bernhard 0 Kommentare

Die Deutschen seien reich wie nie. Das teilte jüngst die Bundesbank mit. Um 140 Milliarden Euro sei das Geldvermögen der privaten Haushalte in Deutschland im ersten Quartal 2015 gestiegen. Das Geldvermögen liege nun bei 5.212 Milliarden Euro. Im Vergleich zum Vorquartal macht dies einen Anstieg von 2,8 Prozent aus, so die Bundesbanker.

Reale Einbussen für Privathaushalte von 2003 bis 2013

Höchst interessant ist jedoch, dass es wohl nach Abzug der Inflation nicht wirklich gut um die Vermögensentwicklung der Deutschen bestellt ist. Zumindest im Zeitraum zwischen 2003 und 2013. Zu dem Ergebnis kommt eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) (siehe hier: ). Nach Abzug der Inflation hätten die Privathaushalte in Deutschland zwischen 2003 und 2013 spürbar an Vermögen eingebüßt. Hauptgrund dafür seien neben sinkenden Immobilienwerten in vielen Regionen auch die Niedrigzinsphase gewesen.

Schrumpfung trotz stabiler Sparquote

Interessant auch, dass den Forschern zufolge die Sparquote der Privathaushalte in den vergangenen zwei Jahrzehnten bei fast durchgehend über neun Prozent lag. In der Vermögensbilanz scheine sich diese hohe Neigung, Geld zurückzulegen, allerdings nur begrenzt widerzuspiegeln. Dr. Markus Grabka und Christian Westermeier vom DIW zeigen klar auf, dass die privaten Nettovermögen seit 2003 real, also inflationsbereinigt, geschrumpft seien. Für ihre Analyse haben Grabka und Westermeier Daten der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS) und des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) ausgewertet. Das Sozio-oekonomische Panel (SOEP) ist die größte und am längsten laufende multidisziplinäre Langzeitstudie in Deutschland. Das SOEP im DIW Berlin wird als Teil der Forschungsinfrastruktur in Deutschland unter dem Dach der Leibniz-Gemeinschaft von Bund und Ländern gefördert. Für das SOEP werden seit 1984 jedes Jahr vom Umfrageinstitut TNS Infratest Sozialforschung mehrere tausend Menschen befragt. Zurzeit sind es etwa 30.000 Befragte in etwa 15.000 Haushalten.

15 Prozent weniger

Also, den EVS-Daten zufolge sei das Nettovermögen der privaten Haushalte zwischen 2003 und 2013 nominal um 500 Euro oder 0,4 Prozent gestiegen. Inflationsbereinigt entspreche das einem Rückgang. In Preisen von 2010 besaßen die Haushalte 2013 im Schnitt 117.000 Euro und damit 20.000 Euro oder 15 Prozent weniger als 2003. Legt man die SOEP-Daten zugrunde, ergebe sich zwischen 2002 und 2012 ein Rückgang um 11 Prozent. Maßgeblich dazu beigetragen habe nach Einschätzung der DIW-Forscher die schwache Entwicklung der Immobilienvermögen, die laut EVS im Schnitt 20 Prozent und laut SOEP 14 Prozent an Wert eingebüßt haben. Hintergrund: Zu starken Preissteigerungen beim Wohneigentum sei es erst seit 2011 in erster Linie in bestimmten Großstadtregionen wie München, Hamburg, Köln-Düsseldorf oder Berlin gekommen, während im Rest der Republik viele Eigenheime real an Wert verloren hätten.

Anlageverhalten im Fokus

Ferner sticht hervor, dass die Autoren der Studie auch einen Grund im Anlageverhalten der Deutschen für die schwache Entwicklung sehen. Viele Menschen investieren ihr Vermögen bevorzugt in risikoarme, dafür aber renditeschwache Anlagen wie Sparbücher, Girokonten, Bausparverträge oder Riesterrenten, die oftmals nicht einmal die Inflationsrate ausgleichen, so Herr Grabka. Beim Vergleich verschiedener Vermögensformen falle auf, dass besonders starke Zuwächse beim Betriebsvermögen - um durchschnittlich 58.000 Euro zwischen 2007 und 2012 angefallen seien. Beim konkreten Blick auf die Immobilien seien die Trends der Studie zufolge uneinheitlich. Während selbstgenutztes Wohneigentum deutlich an Wert eingebüßt habe, konnten die Besitzer anderer Immobilien, von Bauland oder Häusern im Ausland, zwischen 2007 und 2012 im Schnitt ein Plus von über 20.000 Euro verbuchen.

Vermögensmobilität im Visier

Beachtlich auch, dass die DIW-Forscher die Thematik Vermögensmobilität ins Visier nahmen. Dabei stellten sie fest, dass in den Zeiträumen von 2002 bis 2007 und von 2007 bis 2012 jeweils rund 40 Prozent der Erwachsenen real Vermögen verloren haben. Bei gut einem Achtel blieb es nahezu unverändert, während knapp 45 Prozent der Personen ihr Vermögen real steigern konnten - am stärksten die 30- bis 39-Jährigen, die im Mittel in beiden Zeiträumen zwischen 8.000 und 9.000 Euro hinzugewannen. Relevant für den Vermögensaufbau sei neben regelmäßigem Sparen auch das Tilgen von aufgenommenen Krediten.

Mieter mit geringsten Nettovermögen

Auffällig auch, dass die Vermögen bei denjenigen besonders stark gestiegen seien, die Schenkungen oder Erbschaften erhalten hätten. Die DIW-Experten halten fest, dass Haushalte, die zwischen 2002 und 2007 in den Genuss von Schenkungen kamen, adurch im Mittel um 35.000 Euro reicher geworden seien. Bei den Erbschaften betrug der Zuwachs der Vermögen immerhin noch 18.000 Euro. Auch Änderungen des Familienstands oder der Wohnform können die Vermögenshöhe den Forschern zufolge beeinflussen. Positiv wirke sich eine Heirat aus, während bei einer Trennung oder Scheidung Kosten entstehen, die häufig aus vorhandenem Vermögen bestritten werden würden. Ferner sei insbesondere Pflegebedürftigkeit mit erheblichen finanziellen Belastungen verbunden, da die gesetzliche Pflegeversicherung nur eine Teilabdeckung bieten würde. Dauerhaft zur Miete lebende Personen hätten sowohl zwischen 2002 und 2007 als auch zwischen 2007 und 2012 die geringsten Nettovermögen. Das seien im Mittel weniger als 3.000 Euro gewesen. Auch die Vermögenszuwächse seien bei Mietern gering gewesen. Die DIW-Forscher stellen hier fest, dass schon kurzfristige Engpässe beim laufenden Einkommen das Vermögen aufzehren können. So geringe Vermögen würden ferner keinen wirksamen Schutz vor Altersarmut bieten.

Ungleiche Verteilung

Und last but not least erwähnen die Forscher auch noch den Aspekt der ungleichen Verteilung der Vermögen in Deutschland. Während Personen im reichsten Zehntel des SOEP nach Abzug aller Verbindlichkeiten 2012 im Schnitt gut 420.000 Euro an Vermögen vorzuweisen hatten, waren es in den beiden unteren Dezilen nicht einmal 15.000 Euro. Die Hälfte der Bevölkerung hatte deutlich weniger als 50.000 Euro an Vermögen. Hinzu komme den DIW-Experten zufolge weiter, dass die Daten von 2012 etwa den Börsenboom der vergangenen Jahre, der überwiegend wohlhabenden Anlegern zugute gekommen sein dürfte, nur teilweise abbilden würden. Und Multimillionäre und Milliardäre seien im SOEP grundsätzlich deutlich unterrepräsentiert. Deren nominale Vermögen stagnierten zwischen 2007 und 2012, schließen die Forscher aus einer Auswertung von Daten, die das Manager Magazin erhoben hat.

Angesichts der Ergebnisse sprechen sich die Wirtschaftsforscher für eine gezieltere Förderung des individuellen Vermögensaufbaus aus - auch, um die hohe Vermögensungleichheit in Deutschland zu reduzieren.

Die Forderung der Experten ist durchaus berechtigt.

Aber ob die politisch Verantwortlichen auch bereit sein werden, die Rahmenbedingungen insofern zu verbessern, ist mit Blick auf die Vergangenheit zu bezweifeln...

Deutsche Privathaushalte erleiden Vermögenseinbu?en
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt. Derzeit schreibt er vor allem für diverse Börsenportale und Edelmetallhändler.
Weitere Beiträge:
MEISTDISKUTIERTE ARTIKEL
MEISTGELESENE ARTIKEL
Kommentar zum Artikel schreiben
Sicherheitsfrage: wie viele Münzen sehen Sie?
Fragen über Fragen

Copyright © 2009-2017 by Gold.de - Alle Rechte vorbehalten

Konzept, Gestaltung und Struktur, sowie insbesondere alle Grafiken, Bilder und Texte dieser Webseite sind urheberrechtlich geschützt. Missbrauch wird ohne Vorwarnung abgemahnt. Alle angezeigten Preise in Euro inklusive MwSt. (mit Ausnahme von Gold), zzgl. Versandkosten, sofern diese anfallen. Verfügbarkeit, Abholpreise, Goldankauf und nähere Informationen über einzelne Artikel sind direkt beim jeweiligen Händler zu erfragen. Alle Angaben ohne Gewähr. Sie betrachten die Seite: Gold.de - Gold und Silber kaufen im Preisvergleich

Handcrafted with in Baden-Württemberg, Germany