| GOLD | 4.340,25 $/oz | 3.694,32 €/oz | 118,78 €/g | 118.775 €/kg |
| SILBER | 63,73 $/oz | 54,26 €/oz | 1,74 €/g | 1.744,50 €/kg |
Die Kurse oszillieren also um die runde Marke von 4.000 US-Dollar. Eine nachhaltige Erholung ist bislang ausgeblieben. Gleichzeitig konnten die Bären aber auch keinen Boden gutmachen.
Parallel dazu sorgt der mittlerweile längste Regierungsstillstand in der Geschichte der USA für zunehmende Nervosität an den Finanzmärkten. Die US‑Aktienmärkte, die sich weiterhin auf Rekordniveau bewegen, wirken in der Breite deutlich überbewertet und werden im Wesentlichen nur noch von einigen wenigen großen KI‑Titeln getragen. Der restliche Markt zeigt hingegen ein seitwärts bis abwärts gerichtetes Bild.
Angesichts der drohenden Liquiditätskrise und dem Stress im Repo-Markt hat die Federal Reserve innerhalb von nur fünf Tagen 125 Milliarden US-Dollar in das US-Bankensystem gepumpt. Ein massiver Eingriff, der an das Krisenmanagement der Jahre 2020 und 2008 erinnert.
Allein am 31. Oktober flossen 29,4 Milliarden US-Dollar über kurzfristige Repo-Geschäfte in den Markt. Offiziell dient diese Maßnahme der Stabilität: Banken tauschen Staatsanleihen gegen Bargeld, um Liquiditätsengpässe zu vermeiden. Der Zeitpunkt ist brisant, denn die Bankreserven sind mit 2,8 Billionen US-Dollar so niedrig wie seit über vier Jahren nicht mehr.
Hinter dieser stillen Interventionswelle verbirgt sich mehr als präventive Krisenabwehr. Die US-Notenbank kämpft mit einer strukturellen Dollar-Liquiditätskrise. Das jüngste Vorgehen – von Kommentatoren bereits als stealth easing bezeichnet – signalisiert, dass der Kreditfluss im globalen Dollarsystem ins Stocken geraten ist.
Auf der FOMC-Sitzung im Oktober senkte die Fed bereits den Leitzins um ein Viertelprozent auf eine neue Zielspanne von 3,75 % bis 4,00 % und beendete die Politik der quantitativen Straffung. Stattdessen wurde wieder Quantitative Easing aktiviert – ein klares Eingeständnis, dass die Finanzierungskonditionen am Markt zu restriktiv geworden waren.
Der Auslöser liegt jedoch tiefer im Geflecht der globalen Kreditmärkte. Das US-Finanzministerium hat seine Abhängigkeit von kurzfristiger Finanzierung erheblich erhöht, wodurch dem System Liquidität entzogen wird. Banken, Fonds und ausländische Investoren halten sich zunehmend zurück, kurzfristige US-Schuldtitel zu kaufen, da steigende Renditen das Vertrauen untergraben. Analysten warnen, dass ein „Moment der Abrechnung“ bevorstehen könnte – jener Punkt, an dem entweder die Investoren den Märkten den Rücken kehren oder die Fed gezwungen sein wird, dauerhaft als Käufer letzter Instanz einzuspringen.
In diesem Kontext ist der jüngste Repo-Schub mehr als ein Notfalltool – er ist eine Vorabmaßnahme, um einen Systembruch zu vermeiden.
Ihr jüngstes Beige Book skizzierte eine Wirtschaft, die ins Stocken geraten könnte – ein Warnsignal, das den geldpolitischen Kurswechsel beschleunigte. Die Notenbank setzt damit vorerst auf ihr zweites Mandat: Sicherung von Beschäftigung statt strikter Inflationsbekämpfung.
Dies könnte den Aktienmarkt kurzfristig stützen, auch wenn wachsende Renditen langfristig wieder Druck auf die Bewertungen ausüben dürften. Der Balanceakt zwischen Preisstabilität und Finanzfluss stabilisiert zwar die Märkte temporär, erhöht aber die strukturelle Abhängigkeit von Liquiditätsprogrammen immer weiter.
Wie viel Gold ist noch zu fördern? ©Visual Capitalist 2025
Doch der Spielraum schrumpft. Das Verhältnis von realwirtschaftlicher Dynamik zu geldpolitischer Unterstützung wird immer fragiler. Und das Vertrauen in die grenzenlose Liquidität schwindet weltweit immer schneller.
Die globale Goldmenge – rund 187.000 Tonnen gefördert und weitere ca. 57.000 Tonnen unter der Erde – erinnert hingegen daran, dass reale Werte begrenzt sind. Würde man alles Gold der Welt einschmelzen, entstünde ein Würfel mit gerade einmal knapp 23 Metern Kantenlänge. Im Gegensatz dazu wächst die Bilanzsumme der Fed scheinbar grenzenlos. Diese Diskrepanz verdeutlicht das Risiko der zirkulierenden Liquidität: Wachsende Geldmengen stoßen irgendwann auf physische und psychologische Grenzen des Vertrauens.
Seit dem neuen Allzeithoch am 20. Oktober bei 4.380 US-Dollar explodierte die Volatilität am Goldmarkt. Innerhalb von fünf Handelstagen verlor der Goldpreis fast 500 US-Dollar bzw. -11,3 %. In dieser Handelswoche hat der Verkaufsdruck jedoch an Dynamik verloren. Nach der stark überhitzten Lage hat die Korrektur die euphorische Stimmung bereinigt und wieder eine halbwegs gesunde Marktbasis geschaffen.
Im besten Fall könnte sich die angelaufene Konsolidierung in eine ansehnliche Erholung verwandeln, schließlich ist der langfristige Bullenmarkt sowohl beim Gold als auch bei den anderen Edelmetallen absolut intakt. Allerdings ist die Lage nach wie vor angeschlagen und neuerliche Rückschläge können noch nicht ausgeschlossen werden.
Silber in US-Dollar, Tageschart vom 06. November 2025. ©GOLD.DE
Während der überverkaufte Tageschart für den Goldpreis noch kein eindeutiges Bild liefert, könnte sich beim Silberpreis eine inverse Schulter-Kopf-Schulter-Formation entwickeln. Bestätigt wäre diese bullische Bodenbildungsformation mit einem Ausbruch über 49,30 US-Dollar.
Das rechnerische Kursziel läge mit ca. 53 US-Dollar zwar unterhalb des neuen Silber-Allzeithochs bei 54,14 US-Dollar, das charttechnische Gesamtbild würde sich mit einer derartigen Erholung aber deutlich aufhellen.
Insgesamt bemühen sich die Edelmetallpreise derzeit um eine Stabilisierung nach dem kräftigen Kursrücksetzer. An der makroökonomischen Lage hat sich in den vergangenen drei Wochen jedoch kaum etwas verändert.
Vielmehr stößt das Fiatgeld-System erneut an seine Grenzen und verlangt – wie ein Drogenabhängiger – nach der nächsten Liquiditätsspritze. Die US-Notenbank hat bereits still und heimlich reagiert und die Märkte erneut mit frischem Geld (125 Milliarden US-Dollar innerhalb von fünf Tagen) versorgt.
Gelingt es dem Goldpreis, die Widerstandszone zwischen 4.045 und 4.060 US-Dollar nachhaltig zu überwinden, könnte die begonnene Erholung spürbar an Dynamik gewinnen. In diesem Fall wären rasch wieder Notierungen im Bereich von rund 4.200 US-Dollar möglich. Beim Silber könnte ein Anstieg über 49,30 US-Dollar für eine Erholung in Richtung 53 US-Dollar sorgen.
Allerdings steht das Ganze noch auf wackeligen Füßen und eine weitere Abwärtswelle ist noch nicht auszuschließen. Die nachhaltige Trendwende erwarten wir erst ab Mitte Dezember.
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