Stand: 12.07.2013  0 Kommentare

Gold.de Rezension – Die Unersättlichen: Ein Goldman-Sachs-Banker rechnet ab"

Wenn man dieses Buch liest, dann fragt man sich, wann denn nun eigentlich die Abrechnung kommt, die einem im Untertitel angekündigt wird. Ganz spät, erst kurz vor Ende des Textes beginnt Greg Smith damit. Aber was man dann liest, ist halbherzig, naiv und nicht konsequent zu Ende gedacht.

Die Unersättlichen - Buchrezension
Eckdaten zum Buch
Genre: Finanzmarkt (368 Seiten)
Autor: Greg Smith
Sprache: Deutsch
Verlag: Rowohlt
ISBN-10: 3498060562
ISBN-13: 978-3498060565
Auflage: Auflage: (02/2012)
Buch bestellen: Amazon

Über die Gründe kann man nur spekulieren. Details über Goldman Sachs wird Smith nicht preisgeben können, weil er dann wohl mit juristischen Sanktionen seines ehemaligen Arbeitgebers rechnen müsste.  Und so bleibt lediglich ein allgemeiner Vorwurf, den bereits die US-Börsenaufsicht zu einer konkreten Anklage nutzte: Goldman Sachs drehte ahnungslosen Kunden Produkte an, gegen die die Bank dann selbst wettete.

Es ginge nur noch um solche Elefantengeschäfte, die der Bank enorme Profite bringen, klagt Smith, weil einfach ein Wissensvorsprung zu Ungunsten von Kunden bewusst und brutal ausgenutzt wird. Mit Kleinanlegern befasst sich ein Riese wie Goldman Sachs erst gar nicht.
Im Visier stehen Städte, Kommunen, Pensionskassen, ahnungslose staatliche Banken vorzugsweise in Deutschland und gelegentlich sogar schlecht gemanagte Hedgefonds.

Smith konnte dabei nach seinen Aussagen nicht länger mitmachen, weil für ihn ein respektvoller Umgang mit Kunden zum gegenseitigen Vorteil oberstes Gebot ist. Das nimmt man ihm gerne ab.

Andererseits wundert man sich bis zu seiner halbherzigen Abrechnung über die andauernden Lobgesänge auf Goldman Sachs. Noch heute ist Smith offenbar fürchterlich stolz darauf, dass er jemals in dieser wundervollen Bank arbeiten durfte und langweilt seine Leser seitenlang mit Details aus seinem tollen Bankerleben, das in der Tat zwar sehr arbeitsreich, aber auch sehr luxuriös gewesen ist.

Er weiß, dass diese Bank Griechenland geholfen hat, trickreich seine Defizite zu verschleiern und findet es ganz hervorragend, dass Goldman Sachs überall ehemalige Mitarbeiter in staatliche oder halbstaatliche Institutionen weltweit eingeschleust hat. Schließlich seien diese Leute alle wunderbar ausgebildet. Wie naiv muss man eigentlich sein, um dahinter nicht eine glasklare Strategie zu sehen?

Ist es ein Zufall, dass alle US-Konkurrenten von Goldman Sachs schwer unter der von ihnen mit zu verantwortenden Finanzkrise leiden mussten, pleite gingen oder aufgekauft wurden, und nur Goldman Sachs abgesehen von einigen Kratzern am Image und ein paar Strafzahlungen schadlos davonkam? Offenbar nicht, glaubt man Smith. Aber das sei nur passiert, weil Goldman Sachs so brillant ist. Meint Smith treuherzig.

Was kann aus diesem stellenweise recht langweiligen Buch nun lernen?
Beispielsweise, dass man bei Goldman Sachs vier Kundentypen unterscheidet. Da wäre zunächst der Kluge Kunde. Er bekommt Zugang zu allen Ressourcen der Bank, besitzt gewisse Vorkaufsrechte und weiß wohl auch, was die Bank demnächst machen wird. Vor allem aber kann man den Klugen Kunden nicht Dinge andrehen, die ihm Verluste und Goldman Sachs die entsprechenden Gewinne bringen. Dazu verfügt der Kluge Kunde über zu viele Fähigkeiten eigener Analyse.

Dann wäre da noch der Böse Kunde, der nicht selten gleichzeitig auch ein Kluger Kunde ist. Er spielt mit Banken, neigt zu illegalen Geschäften und ist dabei insbesondere dem Insiderhandel gegenüber nicht abgeneigt.

Und dann kommen die von Goldman Sachs so geliebten Kunden. Zunächst hätten wir da den Einfältigen Kunden, gewissermaßen das perfekte Opfer.
Er ist zu langsam, zu bürokratisch und bereit sich alles andrehen zu lassen, was Goldman Sachs an zunächst wohlschmeckenden und oft sehr innovativen Giftbechern so austeilt. Zu diesen Kunden zählen die immer wieder gerne genommenen deutschen Staatsbanken. Und schließlich bleibt noch der Kunde-der-nicht-zu-fragen-versteht. Er ist nicht nur einfältig, sondern auch noch vertrauensselig.

Immerhin zeigt allein diese zynische Analyse doch deutlich, wie man bei Goldman Sachs denkt. Und genau diese Denkweise sei der Grund gewesen, mit der Bank zu brechen, erfährt man später. Leider aber bleibt das Buch auf diesem Niveau stecken.

Interessante Fragen, beispielsweise, warum es überhaupt möglich ist, mit Summen zu spekulieren, die weit über das Eigenkapital der Bank hinausgehen, oder wieso es erlaubt ist, nicht standardisierte Derivate, die kein Mensch wirklich versteht in einem undurchsichtigen Markt zu handeln, oder wieso Banken, die angeblich zu groß zum Sterben sind, dann nicht konsequent zerschlagen werden, solche Fragen stellt sich der Autor offenbar nicht.

Alles in allem ist diese ermüdende Abrechnung so zwar persönlich nachvollziehbar, aber keineswegs konsequent, noch gar irgendwie geeignet, um daraus wirkliche Substanz zu ziehen.


Autor: R. Manthey
Ihre Meinung zum Thema?
Sicherheitsfrage: Wie viele Münzen sehen Sie?
Fragen über Fragen
Ich stimme zu, dass mein Kommentar und Name zur Veröffentlichung auf GOLD.DE gespeichert wird.
Sie können Ihre Einwilligung jederzeit per Mail an info@gold.de widerrufen. Mir ist bekannt, dass beleidigende, diffamierende Kommentare oder Werbung für Dritte nicht erwünscht sind.
Hier finden Sie unsere Datenschutzerklärung.

Copyright © 2009-2019 by GOLD.DE – Alle Rechte vorbehalten

Konzept, Gestaltung und Struktur sowie insbesondere alle Grafiken, Bilder und Texte dieser Webseite sind urheberrechtlich geschützt. Missbrauch wird ohne Vorwarnung abgemahnt. Alle angezeigten Preise in Euro inklusive MwSt. (mit Ausnahme von Gold), zzgl. Versandkosten, sofern diese anfallen. Verfügbarkeit, Abholpreise, Goldankauf und nähere Informationen über einzelne Artikel sind direkt beim jeweiligen Händler zu erfragen. Alle Angaben ohne Gewähr.

Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"