Gold: 1.593,27 € +0,06 %
Silber: 20,10 € -0,08 %
Stand: 23.08.2021 von Hannes Zipfel
Alljährlich findet in dem noblen Kurort Jackson Hole am Fuße der Rocky Mountains die wichtigste Notenbank-Konferenz der Welt statt. In diesem Jahr müssen die Teilnehmer jedoch auf die atemberaubende Bergkulisse verzichten. Pandemiebedingt treffen sich die Geldpolitiker im Cyber-Space und in deutlich kleinerem Rahmen als gewohnt.
Die wichtigste Notenbanker-Rede des Jahres

Dennoch kann sich der Präsidenten der US-Federal Reserve, Jerome Powell, bei seiner Rede am Freitag großer Aufmerksamkeit gewiss sein. Für den Goldpreis und Silberpreis könnten die Aussagen von Powell eine Richtungsentscheidung bedeuten.

Tapern oder nicht tapern; das ist hier die Frage

Das Schreckgespenst für die Märkte in diesem Sommer heißt „Tapering“. Damit ist die „Reduzierung“ bzw. das „Zurückführen“ der Wertpapierkäufe durch die amerikanische Notenbank Fed gemeint. Im Oktober 2019 startete sie das aktuelle Gelddruckprogramm mit zunächst 60 Mrd. US-Dollar pro Monat.

Die aus dem nichts erzeugte Liquidität floss in kurzlaufende Staatsanleihen.

Der Offenmarktausschuss der Fed reagierte damit auf die Verwerfungen am US-Geldmarkt, die sich seit September 2019 immer mehr zuspitzten und auf den Aktienmarkt überzugreifen drohten.

Im März 2020 wurde dieses Programm im Zuge der Corona-Krise zum Größten in der Geschichte der USA ausgebaut und um langlaufende Staatsanleihen sowie hypothekenbesicherte Anleihen (MBS) erweitert.

Außerdem startete die Fed ein Kredit-Programm für Unternehmen und Kommunen in den USA. Nie zuvor hatte die Fed Darlehen direkt an Unternehmen außerhalb des Finanzsektors vergeben.

Heute umfasst das Wertpapierkaufprogramm monatlich 80 Mrd. US-Dollar für amerikanische Staatsanleihen und 40 Mrd. US-Dollar für US-Hypothekenanleihen. Zuletzt kam es jedoch durch das Eingreifen der Fed am Anleihemarkt zu massiven Ungleichgewichten zwischen zu viel Liquidität und zu wenig Staatsanleihen.

Durch sogenannte Reverse-Repo-Geschäfte versucht die Fed einen Teil der selbst in Umlauf gebrachten Liquidität wieder zu neutralisieren. Gleichzeitig stieg die Preisinflation in den letzten Monaten deutlich an und verharrt dort wegen globaler Lieferengpässe auf historisch hohen Niveaus. Damit gerät die US-Notenbank von zwei Seiten unter Druck, die Gelddruckorgie allmählich zu beenden.

Bislang hält die Fed mit dem Hinweis auf die nach wie vor relativ hohen Arbeitslosenzahlen unverändert an ihren Wertpapierkäufen fest. Das könnte sich jedoch zum Jahresultimo ändern. Entsprechende Hinweise erwarten sich die Märkte von der Rede des Fed-Chefs Jerome Powell am Freitag ab 16:00 Uhr (8:00 Uhr Ortszeit) anlässlich des Jackson Hole Symposiums.

An dem von der Federal Reserve Bank von Kansas City organisierten Treffen zu geldpolitischen Themen nehmen neben Geldpolitikern auch Ökonomen, Regierungsvertreter, Finanzmarktexperten und Journalisten teil.

Das dreitägige Symposium wird traditionell von Notenbankern für die Ankündigung geldpolitischer Neuausrichtungen genutzt. Im August 2014 hatte zum Beispiel der damalige Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, weitere Notmaßnahmen zur Aufrechterhaltung der Europäischen Währungsunion (EWU) angekündigt.

Eine Woche später, am 4. September 2014, senkte die EZB den Leitzins um weitere zehn Basispunkte auf das damalige Rekordtief von 0,05 Prozent. Zudem wurde der Ankauf von Pfandbriefen und Kreditverbriefungen (Asset Backed Securities, ABS) bekannt gegeben.

Dabei hatte die Zentralbank sich erst im Juni 2014 für ein Programm zinsgünstiger Langfristkredite (TLRO) entschieden, mit dem sich Banken 400 Milliarden Euro zu extrem günstigen Konditionen leihen konnten.

Heute liegt der Leitzins in der Eurozone bei 0 Prozent und der Einlagenzins für Banken sogar bei -0,5 Prozent p. a. Zudem läuft seit März 2020 das Pandemie-Notfall-Programm (PEPP) der EZB mit einem Rekord-Volumen von mittlerweile 1,85 Billionen Euro bis zum März 2022.

Eine Verlängerung des Programms unter anderem Namen ist aus heutiger Sicht sehr wahrscheinlich.

Sollte der Fed-Präsident Jerome Powell am kommenden Freitag bei der wohl wichtigsten Notenbanker-Rede dieses Jahres tatsächlich deutliche Hinweise auf einen Ausstieg der Amerikaner aus der ultralaxen Geldpolitik geben, könnte das zu Turbulenzen an den Finanzmärkten führen.

Seit Herbst 2019 hat lediglich die überbordende Liquidität gepaart mit historisch niedrigen Zinsen den Zusammenbruch der US-Finanzmärkte verhindert und sogar zu einer Super-Hausse geführt. Der mit Blick auf die Inflationsentwicklung eigentlich notwendige Ausstieg aus der Gelddruckorgie ist daher mit enormen Risiken verbunden, weshalb die Marktteilnehmer jedes Wort des Notenbankers auf die sprichwörtliche Goldwaage legen werden.

In Anbetracht der Rekordgesamtverschuldung in den USA in Höhe von 380 Prozent des BIP sind Zinserhöhungen nicht mehr zu erwarten.

Sollten die Marktteilnehmer eine mögliche Ankündigung des „Taperings“ dazu nutzen, massenhaft Gewinne zu realisieren und dadurch die Aktienmärkte in Turbulenzen geraten, wäre auch das „Tapering“ ganz schnell wieder vom Tisch.

Damit würde sich die Illusion der Möglichkeit einer geldpolitischen Normalisierung weiter auflösen – ganz zum Vorteil der monetären Edelmetalle.

Wichtige Konjunkturdaten in der Kalenderwoche 34

Heute Morgen wurden bereits die wichtigen deutschen Einkaufsmanager-Indizes für das verarbeitende Gewerbe gemeldet. Mit 62,7 Punkten befindet sich der Diffusionsindex für den August zwar immer noch klar im expansiven Bereich, die Erwartung mit im Konsens 65 Punkten wurde aber erneut enttäuscht.

Am kommenden Donnerstag ist an der COMEX, der größten Edelmetall-Terminbörse der Welt, der letzte Handelstag für Gold- und Silber-September-Optionen und am Freitag für Gold- und Silber-August-Future-Kontrakte. Im Umfeld dieser Verfallstermine kann es zu erhöhter Preisvolatilität kommen.

In der folgenden Konjunkturdaten Übersicht finden Sie weitere wichtige Termine, die besonders für deutsche Anleger und den Edelmetallmarkt in der Kalenderwoche 34 relevant sind:

Wochentag Zeit (MESZ) Datenart Prognose Vorherig
Montag 15:45 Uhr USA: Einkaufsmanager-Index August 58,3 59,9
16:00 Uhr USA: Verkäufe bestehender Häuser Juli in Millionen 5,83 5,86
Dienstag 8:00 Uhr DE: Bruttoinlandsprodukt Q2 entg. (Jahr) 9,6 % 9,6 %
DE: Importpreise Juli (Jahr) 12,6 % 12,9 %
Mittwoch 10:00 Uhr DE: ifo-Geschäftsklima-Index August 100,4 100,8
14:30 Uhr USA: Auftragseingang langlebige Güter Juli (Monat) -0,3 % 0,9 %
16:00 Uhr USA: Rohöllagerbestände in Barrel (KW 33) -1,055 Mio. -3,234 Mio.
Donnerstag 8:00 Uhr DE: GfK Konsumklima September -0,3 -0,7
13:30 Uhr EU: EZB-Sitzungsprotokoll vom 22. Juli - -
14:30 Uhr USA: Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung (KW 33) 350K 348K
15:00 Uhr USA: Beginn Jackson Hole Symposium 0,8 % 0,7 %
Freitag 16:00 Uhr USA: Rede Fed-Präsident Jerome Powell 0,8 % 1,3 %
Datenquelle: Thomson Reuters, Investing.com
Autor: Hannes Zipfel
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