| GOLD | 4.342,12 $/oz | 3.756,60 €/oz | 120,78 €/g | 120.777 €/kg |
| SILBER | 63,57 $/oz | 54,99 €/oz | 1,77 €/g | 1.767,97 €/kg |
Besonders auffällig sind dabei Russland und die Türkei. Beide Länder haben ihre Goldbestände im laufenden Jahr markant reduziert. Nach Daten des World Gold Council (siehe Tabelle) verkaufte die russische Zentralbank in den ersten fünf Monaten insgesamt 34,2 Tonnen und die türkische Zentralbank sogar 81,0 Tonnen Gold. Damit gehörten diese beiden Notenbanken zu den größten Verkäufern auf dem globalen Goldmarkt.
Kumulierte Goldverkäufe staatlicher Institutionen von Jan. bis Mai 2026
| Land | Tonnen |
|---|---|
| Türkei | 81,0 |
| Russland | 34,2 |
| Aserbaidschan* | 21,9 |
| Bulgarien | 1,9 |
| Deutschland | 0,8 |
Auf den ersten Blick wirken diese Transaktionen überraschend. Schließlich haben Zentralbanken weltweit ihre Goldbestände in den vergangenen Jahren stark ausgebaut. Vor allem Schwellenländer setzen verstärkt auf Gold, um ihre Währungsreserven breiter aufzustellen und die Abhängigkeit vom Dollar zu reduzieren.
Die Goldverkäufe Russlands und der Türkei sind deshalb weniger als grundsätzliche Abkehr von Gold zu verstehen, sondern vielmehr als Folge besonderer wirtschaftlicher Rahmenbedingungen.
Der Rückgang in Bulgarien war laut WGC eine Übertragung an die Europäische Zentralbank im Zusammenhang mit der Euro-Einführung. Deutschland hat nicht aus geldpolitischen, haushaltspolitischen oder geopolitischen Gründen seine Goldreserve abgebaut. Der geringfügige Rückgang dürfte auf die reguläre Bereitstellung von Gold für das staatliche Sammlermünzen-Programm zurückgehen.
Die russischen Goldverkäufe stehen vor allem im Zusammenhang mit den Folgen des Ukraine-Kriegs und den daraus resultierenden westlichen Sanktionen. Russland verfügt zwar über umfangreiche Goldreserven, ist aber in seinem Zugang zu internationalen Finanzmärkten stark eingeschränkt. Gleichzeitig belasten hohe staatliche Ausgaben den Haushalt.
Gold erfüllt in einer solchen Situation genau jene Funktion, für die es historisch auch gehalten wird: Es ist ein liquider Vermögenswert, der unabhängig von anderen Staaten oder Finanzsystemen eingesetzt werden kann. Wenn ein Land unter finanziellen Druck gerät, können Goldreserven genutzt werden, um kurzfristig Mittel bereitzustellen.
Die russischen Verkäufe bedeuten daher nicht, dass Moskau seine langfristige Einschätzung zu Gold geändert hat. Vielmehr handelt es sich um eine Form der Krisenfinanzierung. Gerade Länder, die geopolitischen Risiken ausgesetzt sind, halten traditionell hohe Goldbestände, weil das Edelmetall nicht von einzelnen Währungen oder Zahlungssystemen abhängig ist.
Noch größer waren die Verkäufe der Türkei. Die Gründe sind jedoch anders gelagert. Das Land kämpft seit Jahren mit hoher Inflation, einer schwachen Landeswährung und einem labilen Finanzsystem.
Die türkische Zentralbank verfolgt seit Jahren eine besondere Goldpolitik. Seit 2011 wurden große Mengen Gold in die offiziellen Reserven aufgenommen, unter anderem durch Maßnahmen zur Unterstützung des Liquiditätsmanagements im Bankensystem: Geschäftsbanken konnten Goldbestände ihrer Kunden teilweise als Reserveinstrument bei der Zentralbank hinterlegen.
Die offiziell ausgewiesenen Goldreserven der Türkei enthalten deshalb auch Komponenten, die nicht ausschließlich auf klassische Zentralbankkäufe zurückzuführen sind.
Die jüngsten Verkäufe sind daher vor allem eine Reaktion auf innenpolitische und wirtschaftliche Herausforderungen – keine strategische Abkehr vom Edelmetall.
Für den Goldmarkt sind die Verkäufe Russlands und der Türkei zwar nicht völlig bedeutungslos. Immerhin standen in den ersten fünf Monaten dadurch rund 115 Tonnen zusätzliches Angebot zur Verfügung. Im Verhältnis zum gesamten Goldmarkt bleibt diese Menge jedoch überschaubar.
Entscheidend ist, dass die strukturellen Kaufargumente für Gold weiterhin bestehen. Viele Zentralbanken außerhalb des westlichen Währungsraums bauen ihre Bestände weiterhin aus. Gründe dafür sind die wachsende Verschuldung vieler Industriestaaten, geopolitische Spannungen, die Sorge vor möglichen Sanktionen sowie das Bestreben, die Abhängigkeit vom Dollar zu reduzieren.
Die Verkäufe einzelner Zentralbanken können den Goldpreis deshalb kurzfristig bremsen und zu erhöhter Volatilität führen. Einen nachhaltigen Abwärtstrend dürften sie jedoch kaum auslösen. Dafür stehen den temporären Verkaufsinteressen einzelner Länder zu viele langfristige Faktoren für die Goldnachfrage gegenüber. Der globale Trend vieler Zentralbanken, Gold als strategische Reserve auszubauen, bleibt davon weitgehend unberührt.
Nachdem in der vergangenen Woche die Europäische Zentralbank die Leitzinsen unverändert belassen hat, wird die US-Notenbank Fed ihre Beschlüsse am Mittwoch verkünden und danach eine Pressekonferenz mit Fed-Chef Kevin Warsh abhalten. Laut FedWatch-Tool des Terminbörsenbetreibers CME Group beläuft sich die Wahrscheinlichkeit für einen Zinsschritt nach oben auf 34 Prozent. Mit fast 77 Prozent gilt eine Zinserhöhung Mitte September als deutlich wahrscheinlicher.
Details zu den Daten, Prognosen sowie historische Zeitreihen finden Sie hier.
Zu beachten ist in diesem Kontext allerdings, dass Fed-Chef Kevin Warsh künftig deutlich weniger geldpolitische Orientierung („Forward Guidance“) geben will, wodurch Zinsentscheidungen für die Finanzmärkte schwerer vorhersehbar werden.
Dies dürfte an den Finanzmärkten die Verunsicherung eher verstärken als abbauen. Für erhöhte Spannung dürfte zudem die für Donnerstag angekündigten Juni-Inflationszahlen sorgen. Laut einer von Trading Economics veröffentlichten Umfrage unter Analysten soll sich der PCE-Index auf Monatssicht um 0,1 Prozent reduziert haben und auf Jahressicht um 3,7 Prozent angestiegen sein.
Gold nur im Notfall verkaufen
Russland scheint alles richtig zu machen, auch wenn es weh tun mag.
„Gold erfüllt in einer solchen Situation genau jene Funktion, für die es historisch auch gehalten wird: Es ist ein liquider Vermögenswert, der unabhängig von anderen Staaten oder Finanzsystemen eingesetzt werden kann.“
Preiswert über Jahre gekauft und bei Bedarf remonetisiert und die Staatsverschuldungsquote weiterhin niedrig (im Vergleich zu NATO-Staaten) gehalten.
Danke für den Bericht. Das Russland Gold wegen Krisenfinanzierung verkauft, sehe ich etwas anders. Russland hat Venezuela in der Vergangenheit unterstützt und die haben mit Gold bezahlt. Ein Ausgleich der sich damals wie heute gelohnt hat. Jetzt das Gold zu verkaufen gleicht das Invest aus. Die Rückgabe ist nicht mehr erforderlich. Eine durchaus vernünftige Handlungsweise. Meine Theorie ist genauso gut wie Ihre.