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Stand: 08.11.2021 von Hannes Zipfel
Mit halb garen Maßnahmen und deutlich zu spät reagieren die mächtigsten Notenbanken der Welt auf die hohe Teuerungsdynamik. Auch die US-Notenbank Fed kann auf ihrer letzten Sitzung in Sachen Inflationsbekämpfung die Märkte nicht überzeugen. Gold springt daraufhin an und nimmt nun wichtige Preisziele ins Visier.
Diese Woche wird richtungsentscheidend

Inflationsbekämpfung? Fehlanzeige!

Wie schon bei der Sitzung der Europäischen Zentralbank am 28. Oktober wurden auch bei der Zinssitzung (FOMC) der US-Notenbank Fed am 3. November kaum mehr als hohle Phrasen abgesondert.

Man wolle das Gelddrucken trotz gen Himmel stürmender Teuerungsraten etwas drosseln, aber gemächlich und unter Beibehaltung einer gewissen Flexibilität.

Die Zinsen und damit die Kreditkosten bleiben derweil unangetastet.

In dieser Woche erwarten die Marktteilnehmer weitere harte Fakten in Sachen Preisinflation, die zeigen werden, wie weit sich die Notenbanken von ihren Mandaten der Geldwertstabilität entfernt haben, um bankrotte Staaten, Banken, Unternehmer, Konsumenten und natürlich die Spekulationsblasen zu beschützen:

  • Di, 14:00 Uhr: Erzeugerpreise USA

  • Mi, 2:30 Uhr: Verbraucherpreise China

  • Mi, 2:30 Uhr: Erzeugerpreise China

  • Mi, 8:00 Uhr: Verbraucherpreise Deutschland

  • Mi, 14:30 Uhr: Verbraucherpreise USA!!!

  • Do, 0:50 Uhr: Güterpreise Japan

  • Fr, 8:00 Uhr: Großhandelspreise Deutschland

Wer hat Angst vor der Fed?

Die Ankündigung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank (FOMC), ihre monatlichen Wertpapierkäufe zu reduzieren, wurde bereits seit Wochen vom Markt antizipiert. Unklar war bislang lediglich der Umfang sowie die Geschwindigkeit, mit der das Gelddruckprogramm zurückgefahren werden würde.

Und obwohl wie erwartet die Fed ab November dieses Jahres die Staats- und Hypothekenanleihekäufe im Volumen von ursprünglich 120 Mrd. US-Dollar pro Monat um 15 Milliarden Dollar pro Monat zu reduzieren beginnt, gab es doch eine faustdicke Überraschung: Denn eigentlich müsste bei diesem Tempo des „Taperings“ der Gelddruckorgie auf "Autopilot" das Wertpapierkaufprogramm bis Mitte 2022 vollständig ausgelaufen sein.

Doch die Fed hat sich eine scheunentorgroße Hintertür eingebaut, ebenso wie ihr europäisches Pendant, die EZB.

Die Fed behält sich vor, die Reduzierung ihres Anleihekaufprogramms ab Januar 2022 erneut zu prüfen, um frühzeitig auf konjunkturelle Veränderungen (oder das Platzen von Vermögenspreisblase) reagieren zu können.

Erst in der letzten Oktoberwoche hatte die EZB vollmundig angekündigt, ihr PEPP-Programm (Pandemic Emergency Purchase Programme) bis zum März 2022 einstellen zu wollen. Gleichzeitig hatte man sich aber die Option offengehalten, das parallel weiter existierende APP (Asset Purchase Programme) zeitlich und volumenmäßig „anzupassen“ und quasi als PEPP-Ersatz zu modifizieren.

Zinsanhebungen stehen übrigens bei allen großen Zentralbanken von Japan, über China, Großbritannien, Europa und den USA trotz dynamischer Preisinflation nicht auf den Agenden.

Der Goldpreis reagierte positiv auf die offensichtliche Zwangslage der großen Notenbanken in Sachen ineffektiver Inflationsbekämpfung. Nach dem Überwinden der 50er und 200er gleitenden Tagesdurchschnittslinien konnte der Preis des Edelmetalls auch zwei Abwärtstrendlinien überwinden und arbeitet sich nun an die Nackenlinie einer inversen S-K-S-Formation heran (Schulter-Kopf-Schulter-Formation).

Sollte deren Vollendung gelingen, wäre eine Trendwende mit Kurszielen in Richtung 1.960 US-Dollar pro Unze bis zum Jahresultimo ein mögliches Szenario – vielleicht sogar das Erreichen der runden psychologische Marke von 2.000 US-Dollar pro Unze.

Goldpreis Chart in US-Dollar per Unze

Pseudo-Inflationsbekämpfung

Die folgende Grafik zeigt, wie weit die Geldpolitik bereits hinter der Realität hinterherhinkt. Die Diskrepanz zwischen Zinsen und Inflation ist historisch hoch. Daran wird sich vorerst auch nichts ändern, obwohl dies längst hätte geschehen müssen:

US-Inflationsrate vs. Effektiver Leitzins

Als die Preisinflation das letzte Mal auf dem jetzigen Niveau verharrte, lag der US-Leitzins bei 2,42 Prozent – also 234 Basispunkte höher. In Deutschland befindet sich die Inflationsrate aktuell auf einem 28-Jahreshoch. Damals stand der Teuerung allerdings ein Leitzins (Diskontsatz) von 5 3/4 Prozent gegenüber.

Heute sind es 0,0 Prozent.

Wie hilflos die jetzigen Maßnahmen in Sachen Inflationsbekämpfung sind (Tapering), zeigt die Entwicklung der Notenbankbilanz als Spiegelbild ihrer Gelddruckorgie.

bilanzsumme der US-Notenbank Fed

Der Wahnsinn nimmt seinen Lauf

Wenn es einen Preis dafür gebe, wie man eine überschuldetet Volkswirtschaft mit der Abschaffung des Zinses und nahezu unlimitierten Krediten für den Staat, Immobilien, Banken, Unternehmen und Verbraucher erfolgreich am Leben erhält, dann wäre Japan der unangefochtene Weltmeister.

Bereits im Jahr 1999 senkte die Bank of Japan (BOJ) den Leitzins auf null. Seitdem kauften die Notenbanker in Tokio nicht nur alle neu emittierten Staatsanleihen Nippons auf, sondern fegten auch noch den Sekundärmarkt leer, übrigens teilweise auch den für US-Staatsanleihen.

Selbst vor Investments in Aktien- und Immobilien in Form von Exchange Traded Funds (ETF) mit Geld aus der digitalen Notenpresse machten die "Währungshüter" aus Tokio keinen Halt. Zum Ultimo 2020 betrug der Anteil der Zentralbankbilanz der Bank of Japan am japanischen Bruttoinlandsprodukt über 130 Prozent, das entsprach knapp 709,5 Billionen Yen.

Im September dieses Jahres sind es bereits 723,73 Bio. Yen (5,5 Billionen Euro).

Getragen von der Begeisterung dieser Erfolgsgeschichte wurde die "moderne" japanische Geldpolitik zum heiligen Gral der weltweiten Geldpolitik erklärt und jüngst sogar indirekt mit dem alternativen Nobelpreis für Ökonomie gekrönt. Geld spielt keine Rolle mehr! Egal ob man es für grüne, soziale oder infrastrukturelle Projekte ausgibt. Es kommt aus der Notenpresse – alles andere ist unwichtig.

Wenn Gelddrucken Probleme lösen könnten, hätte der Kommunismus längst gesiegt

Bis vor kurzem war einer der beliebtesten und zukunftsträchtigsten Spitzenposten für Beamte der des Notenbankchefs bzw. der Notenbankchefin (Madama Christine „Chanel“ Lagarde). Mario Draghi, einer der brillantesten Künstler in Sachen Insolvenzverschleppung eines ganzen Staates (Italien) nebst Bankensystem hat es mittlerweile sogar zum Ministerpräsidenten gebracht – trotz Regel- und Tabubrüchen am laufenden Band zu seiner Zeit an der Spitze der EZB.

Doch nun kehr sich die wundersame Geschichte um: Wie in der Ballade von Johann Wolfgang von Goethe, „Der Zauberlehrling“, ist die jetzige Generation der geldpolitischen Zauberlehrlinge überfordert. Man sieht sich außer Kontrolle geratener Inflationsdynamiken gegenüber. Der den Zauberlehrlingen alle Wünsche erfüllende Besen will nicht mehr, wie er soll.

Oh weh, die neuen Zauberlehrlinge, oft nicht einmal vom Fach, haben zwar gelernt, unendlich viel des geschenkten digitalen Geldes zu verteilen, aber wie es wieder einsammeln, bevor die Güterpreise explodieren und ohne das alle Blasen gleichzeitig zusammenbrechen?

Jedes Kind kann Deflation bekämpfen

Deflation bekämpfen mit einer Notenpresse verdient keinen Nobelpreis. Das weiß jeder, der als Bankhalter beim Monopoly-Spiel seinen Liebsten schon einmal heimlich Extrageld zur Begleichung der Miete in der Schlossallee zuschanzte.

Geldwertstabilität und damit den Wohlstand über Generationen aufrechterhalten ist hingegen eine Kunst.

Diese Kunst herrschen die Geldpolitiker unserer Epoche immer weniger, auch deshalb, weil ihnen ein kapitaler Fehler unterlaufen ist: Mitten im pandemiebedingten Fullstopp der Weltwirtschaft haben sie die Weltmärkte mit frischem Geld überschüttetet, obwohl die Produktionskapazitäten zwangsweise zum Erliegen kamen.

Das allmähliche Wiederhochfahren aller Wirtschaftszweige konnte mit dem künstlichen Nachfrageschock, finanziert aus der Notenpresse, nicht mithalten: Erst explodierten die Aktien- und sonstigen Vermögenspreise, weil die ja verfügbar waren – danach alles andere, das nicht ohne weiteres verfügbar war und wegen gestörter Lieferketten wohl auch noch eine Weile lang nicht verfügbar sein wird.

Der große Unterschied zu Japan ist das direkte zur Verfügung stellen der Kaufkraft aus der Notenpresse für einzelne Wirtschaftssubjekte (Helikoptergeld). Daraus resultierte umgehend zusätzlicher Konsum, Investitionen und Spekulation in zweistelliger Höhe der jeweiligen Bruttosozialprodukte. Die Folge werden nun immer deutlicher spürbar: in Form von Mangelwirtschaft und steigenden Preise.

Und weil viele Menschen, ohne ihr Tagwerk zu verrichten, über Monate hinweg ein Vielfaches der vorherigen Sozialleistungen erhielten, wurden auch noch die Arbeitskräfte knapp und mittlerweile teuer.

Man hat sich an den neuen Wohlstand gewöhnt und möchte entsprechend höhere Löhne.

Im Ergebnis steigen die Preise entlang der gesamten Wirtschöpfungskette und die Tarifverhandlungen lassen bereits jetzt eine Preis-Lohn-Preis-Spirale erahnen. Sowohl die Gewerkschaft GEW als auch Ver.di fordern 5 Prozent Lohnsteigerungen, mindestens 150 Euro mehr Gehalt. In einigen Branchen werden bis zu 12,8 Prozent mehr Lohn eingefordert.

Die Inflationsspirale setzt sich gerade erst in Bewegung und was machen die Zentralbanken? Sie "Tapern“ ein wenig – wenn überhaupt. Aber Zinserhöhungen bleiben tabu. Gut, dass es Gold und andere Wertspeicher gibt, die sich nicht auf die Zaubersprüche der geldpolitischen Lehrlinge verlassen.

Perfekter Sturm versus Strohhalm

Der jüngst zurückgetretene Präsident der Deutschen Bundesbank und Ratsmitglied der EZB, Jens Weidmann, hatte gebetsmühlenartig davor gewarnt, bei diesem weltgeschichtlich einmaligen geldpolitischen Experiment der ungedeckten Fiat-Währungen mit dem US-Dollar als Weltleitwährung auch die Inflationsrisiken zu beachten.

Diese Warnung hat ihn mutmaßlich den Karrieresprung an die Spitze der Europäischen Zentralbank gekostet.

Dieser Posten wird nun von einer vorbestraften Juristin mit im besten Fall stark limitiertem Wissen in Sachen Geldpolitik ausgefüllt. Die Bild-Zeitung nennt die ehemalige französische Justizministerin Christine Lagarde bereits „Madama Inflation“.

Und nun tritt ein, wovor Weidmann warnte: die Inflation gerät außer Kontrolle und die Notenbanken können dieser Entwicklung nichts weiter entgegensetzen als leere Phrasen und Hoffnungen.

Denn ihr Instrumentenkasten besteht primär aus Zinssenkungen und Gelddrucken, auch wenn sie dafür selbstredend hochkomplexe Fachtermini entwickeln, damit das gemeine Volk möglichst spät bemerkt, wie transparent des Kaisers neue Kleider sind.

Aus einer „Deflationsgefahr“ wurden zunächst „disinflationäre Tendenzen“, die zu „leicht erhöhten Preisen“ mutierten, die aber nur außerhalb der Kernrate messbar waren.

Dann folgte die Verschleierung der Aufweichung des Inflationsziels von 2 Prozent p. a. Teuerung auf 2 Prozent p. a. asymmetrische Teuerung.

Danach war die Inflation temporär, dann inflationär innerhalb eines ausgedehnten zeitlichen Rahmens.

Und nun fordert der neue Anwärter auf den Posten des Bundesbankpräsidenten, Leiter des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) und Professor für Makroökonomie an der Humboldt-Universität zu Berlin eine „Grüne Inflation“Natürlich on top zu der bereits grassierenden Teuerung.

Gut, wenn man als Mitfahrer eines Dienstwagens nicht mehr selbst tanken muss. Und gut, wenn im privaten Tresoren bei „Das Safe“ in Wien ein paar Goldbarren liegen – Erbstücke natürlich.

In der folgenden Übersicht finden Sie weitere wichtige Termine, die besonders für deutsche Anleger und den Edelmetallmarkt in der Kalenderwoche 45 relevant sind:

Wochentag Zeit (MESZ) Datenart Prognose Vorherig
Montag 16:30 Uhr USA: Fed-Präsident Jerome Powell äußert sich zur Geldpolitik - -
Dienstag 11:00 Uhr DE: ZEW-Konjunkturindex aktuelle Lage 18 21,6
14:00 Uhr EU: EZB-Präsidentin Christine Lagarde äußert sich zur Geldpolitik - -
14:30 Uhr USA: Erzeugerpreisindex USA Okt. (Jahr) 8,7 % 8,6 %
21:30 Uhr API: Rohöllagerbestände in Mio. Barrel - 3,594
Mittwoch 2:30 Uhr


CNY: Verbraucherpreisindex Okt. (Jahr) 1,4 % 0,7 %
CNY: Erzeugerpreisindex Okt. (Jahr) 12,4 % 10,7 %
8:00 Uhr DE: Erzeugerpreise Okt. (Jahr) 4,6 % 4,6 %
10:00 Uhr DE: Bundesbankpräsident Weidmann spricht zur Gelpolitik - -
14:00 Uhr DE: Verbraucherpreise September (Jahr) 4,2 % 3,9 %
14:30 Uhr USA: Verbraucherpreise Okt. (Jahr) 5,8 % 5,4 %
16:30 Uhr USA: Rohöllagerbestände in Mio. Barrel 58,2 3,291
Donnerstag 0:50 Uhr JP: Güterpreise Okt. (Jahr) 7,0 % 6,3 %
Freitag 8:00 Uhr DE: Großhandelspreise Okt. (Jahr) - 13,2 %
TRY: Verbraucherpreise Nov.-Schätzung 71,0 17,63 %
16:00 Uhr USA: Universität Michigan Inflationserwartungen USA 5,2 % 4,8 %
Autor: Hannes Zipfel
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von Patientenverfügung | 11.11.2021, 10:58 Antworten

Ich wünsche in einem komatösen oder in einem Zustand der Ohnmacht keine invasiven Eingriffe, so auch keine Impfung, insbesondere mit lebensverlängernden Antiaging-Stoffen. Lediglich die zwei Goldmünzen, die ich immer bei mir trage, sollen mir zur Bezahlung des Fährpersonals auf die Augen gelegt werden. Ich bete zu den GöttInnen, dass diese Verfügung auch Kraft gegenüber Notstands-, Seuchenschutz- und Infektionsschutzgesetzgebung hat.

von Zeitgeschehen | 10.11.2021, 20:49 Antworten

Das der Goldpreis abheben wird ist klar wie Klosbühe, ich fage nur, wie werden die Menschen in den Städten überleben die Mieten bezahlen müssen und denen es nicht so gut geht um Gold zu kaufen. Harte Zeiten kommen auf uns zu!!! Zu Ihrem Kommentar Herr Zipfel, sehr sehr GUT! Aber wir müssen auch auf unsere Mitmenschen achten, besonders heute.

von Limit Leaks | 09.11.2021, 14:13 Antworten

Das Leben wird fade. Ich würde gerne auf Ihre bemerkenswerte Arbeit anstoßen. Aber mit COO-freiem Sekt/Bier? Überhaupt würde ich konsequenter Weise das Öffnen aller derzeit gelagerten Sprudelgetränke "vorübergehend", aber besonders an Karneval, untersagen.

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