Stand: 06.08.2020 von Egmond Haidt
Mit vereinten Kräften schicken US-Präsident Donald Trump und die Fed den Dollar auf Talfahrt. Umso mehr Rückenwind bekommt der Goldpreis.
Dollar-Entwertung treibt Gold-Hausse an

Nachdem der Goldpreis am 4. August erstmals die Marke von 2.000 Dollar geknackt hatte, ist er zuletzt mit knapp über 2.060 Dollar auf neue Spitzenwerte gestiegen. Beflügelt wurde er zuletzt vom Streit zwischen US-Präsident Donald Trump und den oppositionellen Demokraten, die sich noch nicht auf ein neues Billionen Dollar schweres Konjunkturprogramm einigen konnten – es ist das fünfte seit dem Beginn der Corona-Pandemie.

Es ist dringend notwendig, ist doch die Aufstockung des Arbeitslosengeldes um 600 Dollar pro Woche, wodurch sich die Auszahlung an die 31,3 Mio. Erwerbslosen gegenüber dem vorherigen Niveau annähernd verdreifacht hatte, Ende Juli ausgelaufen.

Je länger es allerdings dauert bis sich der Kongress einigt, umso mehr schlägt das auf die Stimmung der Verbraucher und deren Konsum durch, was die Konjunktur belastet.

Um den Demokraten entgegenzukommen hat Trump angeblich vorgeschlagen, die Aufstockung des Arbeitslosengeldes auf lediglich 400 Dollar pro Woche, statt auf die ursprünglich geplanten 200 Dollar zu kürzen. Zudem soll jeder Erwachsene einmal mehr eine Einmalzahlung von 1.200 Dollar bekommen. Gleichzeitig will Trump die Zahlung der Sozialversicherungsbeiträge aussetzen.

All diese Maßnahmen will der US-Präsident notfalls per Verordnung durchsetzen und so den Kongress umgehen.

US-Schulden explodieren

Weil der Druck vor den Präsidentschaftswahlen am 3. November immer größer wird, dürften sich die Kontrahenten innerhalb weniger Tage einigen. Durch das neue Konjunkturprogramm dürfte allerdings das Haushaltsdefizit im laufenden Fiskaljahr, das im September endet, auf den Rekord von rund 4 Billionen Dollar steigen – das wären rund 20 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung – Rekord.

Dabei sind die US-Staatsschulden zuletzt bereits auf den Spitzenwert von 26,5 Billionen Dollar geklettert.

Das sind horrende 136,6 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung – Rekord. Es sollte niemanden wundern, dass es rapide in Richtung 30 Billionen und anschließend darüber hinaus gehen sollte – völlig egal, ob Trump wiedergewählt wird, oder von seinen möglichen Nachfolger Joe Biden von den Demokraten abgelöst werden sollte.

Fed finanziert Schuldensause mit der Notenpresse

Weil das Haushaltsdefizit auch im kommenden Fiskaljahr deutlich über dem Niveau der Vorjahre von 1 bis 1,5 Billionen pro Jahr liegen dürfte, müssen die Notenpressen der Fed weiter auf Hochtouren laufen. Nachdem die Fed in den vergangenen Monaten aus heißer Luft Billionen von Dollar geschaffen hat, wächst derzeit die Geldmenge um 38 Prozent gegenüber dem Vorjahr - Rekord.

Sie lesen richtig: Während der tiefsten Rezession seit der Weltwirtschaftskrise in den 1930er-Jahren explodiert die Geldmenge um 38 Prozent, weil nur so ein Kollaps des gigantischen Schuldenhauses verhindert werden kann.

Allerdings entwertet die Fed mit der gigantischen Dollar-Schwemme den Greenback noch viel schneller als jemals zuvor.

Kein Wunder, dass der Goldpreis nach oben schießt und seit Jahresanfang um mehr als 35 Prozent gestiegen hat. Ein kräftig steigender Goldpreis bedeutet nichts anderes, als dass der Dollar kräftig an Wert verliert. Damit hat die Notierung des Edelmetalls noch deutlich stärker zugelegt als der Nasdaq Index, der angetrieben von den US-Technologiewerten von einem Rekordhoch zum nächsten steigt und im gleichen Zeitraum um „nur“ 22,6 Prozent geklettert ist.

Dass es in dem Umfeld die mit weitem Abstand größte Blase aller Zeiten am US-Aktienmarkt insgesamt gibt, sei nur am Rande erwähnt.

Sinkender Dollar treibt den Goldpreis auf Rekordhochs

Wegen der massiven Dollar-Schwemme der Fed ist der Greenback gegenüber wichtigen Währungen, wie dem Euro, deutlich auf Talfahrt. So ist die Gemeinschaftswährung mit 1,19 Dollar je Euro auf das höchste Niveau seit Mai 2018 gestiegen, zumal die Geldmenge in der Euro-Zone aktuell um „nur“ rund 13 Prozent wächst.

Die Talfahrt des Dollar dürfte anhalten, zumal die US-Konjunkturerholung wegen der hohen Infizierten-Zahlen zügig auslaufen dürfte, weshalb sich viele Verbraucher beim Konsum zurückhalten, beispielsweise bei Restaurantbesuchen, oder Reisen. Zusätzlichen Gegenwind bekommt die US-Wirtschaft durch die zunehmenden Spannungen zwischen den USA und China, die Trump in den nächsten Monaten weiter anheizen dürfte, um so seine Wahlchancen zu verbessern.

US-Zinsen nahe Rekordtiefs beflügeln Goldpreis zusätzlich

In dem Umfeld sind die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen auf 0,52 Prozent gesunken und liegen damit nur noch minimal über dem Rekordtief vom 9. März von 0,50 Prozent auf Schlusskursbasis. Das zeigt, dass der Anleihenmarkt die langfristigen Perspektiven der US-Wirtschaft als so schlecht einschätzt wie praktisch niemals zuvor.

Wie soll es auch anders sein, wenn man auf eine ohnehin hochverschuldete US-Wirtschaft noch eine gigantische Menge an neuen Schulden obendrauf packt?

Gleichzeitig sind die Realzinsen auf Basis zehnjähriger inflationsgeschützter Anleihen auf das Rekordtief von minus 1,07 Prozent kollabiert. Das signalisiert, wie verheerend die Aussichten für die US-Wirtschaft sind. Der Realzins wird berechnet, indem man vom Nominalzins die Inflationsrate abzieht. Zwischen dem Realzins und dem Goldpreis gab es in den vergangenen zehn Jahre eine sehr hohe inverse Korrelation, das heißt je weiter der Realzins gesunken ist, umso mehr hat er den Goldpreis nach oben getrieben, zuletzt auf immer neue Allzeithochs.

Je nachdem wie sehr Dollar und US-Zinsen in den nächsten Monaten auf Talfahrt sein sollten, wird sich der Goldpreis weiter entwickeln.
Autor: Egmond Haidt
Finanzjournalist
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von Aureus | 08.08.2020, 00:30 Antworten

Das Zeitalter der Sachwerte hat endgültig begonnen. Das Rotieren der Notenbankpressen ist der Glockenschlag, der diese neue Zeitalter unabwendbar mit den globalen Ausweitungen der Geldmengen eingeläutet hat.
Doch der Greenback wird nicht untergehen, seine Bedeutung als Weltleitwährung aber wird sukzessive unterminiert werden; nicht zuletzt durch die Anwesenheit eines inkompetenten Narzisten im Oval Office, der dabei ist, das Land in eine sehr peinliche Bananenrepublik zu verwandeln.
In einem Punkt möchte ich Herrn Haidt ausdrücklich widersprechen: der amerikanische Aktienmarkt ist nicht generell überbewertet. Denn es gibt weiterhin moderat bewertete Unternehmen, man muss nur mittlerweile sehr gründlich danach suchen und ein weitaus defensives Bewertungsmodell als zuvor zur Anwendung bringen. Bitte bedenken sie: Gerade die Schwäche des Dollars eröffnet auch Chanchen für Investoren und ist daher nicht per se nur als negativ zu betrachten.

von Commander C | 06.08.2020, 20:12 Antworten

Wohin könnte man denn fliehen? Und was würde, nach allen Transfers übrig bleiben? Wenn man z. B. 500tsd in Gold und 500tsd in Bar-/Giralgeld mitnimmt.
:)

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