Stand: 03.04.2020 von Egmond Haidt
Die Bekämpfung der Corona-Pandemie verursacht den schwersten Konjunktureinbruch seit der Weltwirtschaftskrise in der 1930er-Jahren und kostet Billionen von Dollar und Euro. Daher werden hochverschuldete Länder, wie Italien, oder die USA immer abhängiger von den Geldpressen der Notenbanken. Eines der wichtigsten Barometer für die anhaltende Krise ist der kräftig steigende Dollar.
Dollar-Rally ist enormes Krisensignal

Nachdem im ersten Quartal am weltweiten Aktienmarkt der Rekord von umgerechnet 19,6 Billionen Dollar an Börsenwert vernichtet worden war, sind die Börsen verheerend ins zweite Quartal gestartet. Der S&P500 ist am 1. April, dem 1. Tag des neuen Quartals, um 4,5 Prozent eingebrochen – das ist der schlechteste Start in ein neues Quartal seit 1932, also einem der Jahre der Weltwirtschaftskrise der 1930er-Jahre. 

Zwar hat der Goldpreis zuletzt etwas nachgegeben, weil Investoren Gold-Futures verkauft haben, um damit zumindest einen Teil ihrer massiven Verluste am Aktienmarkt zu decken. 

Mit Kursen von rund 1.600 Dollar je Unze liegt der Preis allerdings um rund fünf Prozent über dem Niveau von Ende 2019, womit das Edelmetall seiner Funktion als sicherer Hafen hervorragend nachgekommen ist. 

Größter Konjunktureinbruch seit der Weltwirtschaftskrise droht

Wegen der stark steigenden Infizierten-Zahlen aus den USA befürchten viele Investoren zusehends, dass die Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie in der mit weitem Abstand größten Volkswirtschaft der Welt noch lange anhalten könnten, zumal US-Präsident Donald Trump sie zuletzt erst bis Ende April verlängert hat.

Damit trüben sich die Perspektiven für die US- und damit die Weltwirtschaft immer weiter ein, was S&P500 und DAX erheblich belastet. 

Zwar kann niemand sagen, wie groß der Einbruch der Weltwirtschaft diesmal ausfallen dürfte, allerdings sollte er viel schlimmer als während der 2008er-Schuldenkrise in den USA werden, die fast zu einem Kollaps des weltweiten Finanzsystems geführt hatte. So sagen einige Experten vorher, dass die Wirtschaftsleistung der USA im zweiten Quartal um bis zu zehn Prozent gegenüber dem ersten kollabieren dürfte. 

Mit umso größeren Rettungspaketen stemmt sich Trump gegen die Krise. Zuletzt hat der Kongress ein Rettungspaket von zwei Billionen Dollar verabschiedet, das sind fast zehn Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung - Rekord. Hingegen belief sich das 2009er-Paket der damaligen US-Regierung von Barack Obama auf „nur“ 800 Mrd. Dollar, das waren 5,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Da bereits vor der Pandemie eine Neuverschuldung von einer Billion geplant war, summiert sich das Haushaltsdefizit selbst im optimistischsten Fall auf horrende 15 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung – Wahnsinn!

US-Wirtschaft leidet unter Angebots- und Nachfrageschock

Trump genügt die Schuldenexplosion allerdings noch längst nicht, kaum war das Paket verabschiedet hat er gleich ein neues gefordert, diesmal ein Infrastrukturprogramm von zwei Billionen. Zwar können die bisherigen Programme den Wirtschaftseinbruch etwas abfedern, allerdings können sie die Wirtschaft nicht ankurbeln, weil sie unter einem Angebotsschock leidet. 

Wenn viele Unternehmen, wie die Autohersteller, ihren Betrieb eingestellt haben, werden viel weniger Güter als vorher produziert – das Angebot kollabiert also -, weshalb viel weniger verkauft werden können. Einen derartigen Angebotsschock hat die US-Wirtschaft und die Weltwirtschaft noch niemals erlebt. 

Nun kommt ein Nachfrageschock hinzu, der die Lage zusätzlich dramatisch verschlechtert. Weil die Arbeitslosigkeit rasant steigt, können viele hochverschuldete Amerikaner, die häufig nicht mal über einen Notgroschen von 1.000 Dollar verfügen, bei Weitem nicht mehr so viel konsumieren wie früher. Das ist für eine Wirtschaft wie die der USA, die so stark vom Konsum abhängt, ein riesiges Problem. 

Wie wird Trumps gigantische Schuldensause finanziert? Mit der Notenpresse, wie sonst? 

Die Fed hat zeitlich und mengenmäßig unbegrenztes QE-Gelddrucken angekündigt. Allerdings entwertet die Fed damit den Dollar immer mehr, weshalb im Gegenzug der Goldpreis Auftrieb bekommt. 

Dollar-Rally im Auge behalten

Um die Folgen der Pandemie abzufedern, haben auch die Länder der Euro-Zone, einen enormen Geldbedarf. Das Münchener ifo Institut hat gewarnt, dass einzelne Länder, wie Italien, Spanien, oder Frankreich Kosten von jeweils hunderten von Mrd. Euro haben dürften. 

Im Gegensatz zu Deutschland können viele hochverschuldete Länder, gerade Italien, das kaum stemmen.

Daher kauft die EZB über ihr neues „Pandemie-Notfallaufkaufprogramm“ (PEPP) von 750 Mrd. Euro kräftig Anleihen der angeschlagenen Länder, woraufhin die Zinsen für Italien, und Griechenland kollabiert sind. 

In diesem Umfeld einer dramatischen Wirtschaftskrise ist der Dollar kräftig auf dem Weg nach oben. Einerseits ist die Nachfrage der US-Banken nach Liquidität dramatisch gestiegen, weil sich die Geldhäuser auf stark steigende Kreditausfälle vorbereiten. Andererseits ziehen viele US-Unternehmen und Banken ihr Geld aus dem Ausland ab, was den Dollar zusätzlich beflügelt. 

Zusätzlich brauchen viele ausländische Unternehmen und Verbraucher, die sich in den vergangenen Jahren massiv auf Dollar-Basis verschuldet haben, Dollar, um ihre Kredite zu bedienen. Sie belaufen sich laut den Schätzungen von Experten auf rund 12 Billionen Dollar. 

Die Folge: Der Dollar Index, der die Entwicklung des Greenback gegenüber sechs wichtigen Währungen, vor allem dem Euro, widerspiegelt ist seit dem zwischenzeitlichen Tief vom 9. März um 5 Prozent nach oben geschossen – eine enorme Bewegung in so kurzer Zeit. 

Crash am Aktienmarkt dürfte weitergehen

Ich befürchte, dass die Infizierten-Zahlen in den USA in den nächsten Wochen weiter deutlich steigen dürften, woraufhin die Konjunkturängste der Investoren weiter zunehmen würden. Daher sollten die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen weiter in Richtung des Rekordtiefs von 0,31 Prozent nach unten rauschen – das wäre ein starkes Warnsignal für die US- und damit die Weltwirtschaft. In dem Umfeld dürfte der S&P500 und der DAX unter kräftigem Verkaufsdruck sein. 

Gleichzeitig sollte der Dollar auf dem Weg nach oben sein, was ein starkes Krisensignal wäre. Wie sehr das allerdings den Goldpreis belasten dürfte wird sich zeigen, zumal eine anhaltende Talfahrt bei den US- und damit den weltweiten Zinsen die Notierung des Edelmetalls beflügeln sollte. 
Autor: Egmond Haidt
Finanzjournalist
Ihre Meinung zum Thema?
Sicherheitsfrage: Wie viele Münzen sehen Sie?
Fragen über Fragen
Ich stimme zu, dass mein Kommentar und Name zur Veröffentlichung auf GOLD.DE gespeichert wird. Die Netiquette für Kommentare hab ich gelesen. Sie können Ihre Einwilligung jederzeit per Mail an info@gold.de widerrufen. Unsere Datenschutzerklärung.
von Golddigger | 10.04.2020, 16:49 Antworten

Die Entwicklung war zu erahnen. Beginnend mit dem Ankauf von Schrott-Anleihen im 2-stelligen Milliardenbereich monatlich durch die EZB, Null-Zins-Politik, Warnungen vor der Immobilienblase in China, der beginnenden Blase auf dem Aktienmarkt durch immer frisches Geld. Aktien spiegeln heute nicht mehr den Wert des Unternehmen, sondern die Erwartungen, Hoffnungen in evtl. Wachstum. Gold war schon lange Zeit als unterbewertet bekannt, Der Preis wird nicht durch Angebot und Nachfrage bestimmt, sondern in New York von einer Aufsichtsbehörde festgelegt. Corona crashed jetzt die Aktienmärkte, weil die erhofften Gewinne ausbleiben werden. - Ich hoffe meine "Erkenntnisse" stimmen soweit.

von Peter L Ustig | 06.04.2020, 14:51 Antworten

Nun zeigt es sich, wie gehandelt wird.
NORMALO-Anlegern wird es erschwert ihre Rücklagen beiseite schaffen zu können und preislich nach ganz oben geschraubt, was einem schrittweisen GOLDVEROT auf Raten gleichkommt,
Es ist nicht gewollt, dass NORMALO-DEUTSCHVOLK (Mittelstand) durch physische Realgoldkäufe dem SYSTEM die Nahrung entziehen und ihre "Schäfchen" rechtzeitig in Sicherheit bringen können, denn das ist den "SCHLAWINERN" und "Abgeordneten" vorbehalten...damit diese ihren Tresor in ihren FINCAS im Ausland bestücken können,bevor alles crashen wird.

Es kommen "TOLLE CHAOSZEITEN" auf uns zu.
Dank der "B-Waffe" und zauberhafter Regierung wird alles heruntergerockt bis alle Kassen
leer sind !!! Und das Volk applaudiert!

2 Antworten an Peter L Ustig anzeigen
von C April | 04.04.2020, 12:32 Antworten

"Wie wird Trumps gigantische Schuldensause finanziert? Mit der Notenpresse, wie sonst?"
Mit Gold. Die Notenbanken haben nicht umsonst vorgesorgt. Es ist völlig unlogisch, dass Scheideanstalten geschlossen und Baumärkte geöffnet haben. In ersteren geht es so ordentlich zu, dass Hygiene gut eingehalten werden kann. Wir haben es hier mit einem(er) faktischen Edelmetallverbot / - reglementierung zu tun, nur dass es, historisch bedingt, nicht so ausgesprochen wird.

1 Antwort an C April anzeigen
von Bernd Goldstein | 06.04.2020, 11:27 Antworten

Es ist vorbei mit Gold für jeden

Copyright © 2009-2020 by GOLD.DE – Alle Rechte vorbehalten

Konzept, Gestaltung und Struktur sowie insbesondere alle Grafiken, Bilder und Texte dieser Webseite sind urheberrechtlich geschützt. Missbrauch wird ohne Vorwarnung abgemahnt. Alle angezeigten Preise in Euro inklusive MwSt. (mit Ausnahme von Gold), zzgl. Versandkosten, sofern diese anfallen. Verfügbarkeit, Abholpreise, Goldankauf und nähere Informationen über einzelne Artikel sind direkt beim jeweiligen Händler zu erfragen. Alle Angaben ohne Gewähr.

Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"