Stand: 24.11.2017 von Egmond Haidt 6 Kommentare

Obwohl immer mal wieder große Verkaufsaufträge den Goldpreis nach unten drücken, ist er allmählich auf dem Weg nach oben. Dafür gibt es etliche Gründe. Umso mehr rückt der designierte US-Notenbankchef Jerome Powell in den Fokus der Investoren.

Auf das höchste Niveau seit Mitte Oktober ist die Goldpreisentwicklung geklettert. Zuletzt bekam der Goldpreis von der Mitschrift der Sitzung der US-Notenbank Fed Rückenwind.

Zwar sind viele Notenbanker der Meinung, dass die Fed die Leitzinsen kurzfristig weiter erhöhen solle. Allerdings sind etliche Fed-Mitglieder der Überzeugung, dass man weitere Erhöhungen verschieben sollte, bis sich klar abzeichnet, dass die Inflation in Richtung des Zwei-Prozent-Ziel laufe, denn derzeit sei die Inflation zu schwach.

Zwar ist für viele Investoren eine Erhöhung bei der nächsten Sitzung am 13. Dezember ausgemachte Sache. Allerdings zweifeln die Investoren zusehends, ob der designierte Fed-Chef Jerome Powell, der am 3. Februar 2018 das Ruder von Janet Yellen übernehmen wird, ihren Zinserhöhungskurs fortsetzen wird. Bislang hat Yellen drei Erhöhungen für 2018 signalisiert, während Powell normalerweise ganz auf Yellens Linie liegt.

Dollar deutlich im Rückwärtsgang

Nach der Veröffentlichung des Fed-Protokolls hat sich der Kursrückgang des Dollar fortgesetzt. So ist der Dollar-Index, der die Entwicklung des Dollar gegenüber sechs wichtigen Währungen, wie Euro, Yen, Schweizer Franken und britischem Pfund, widerspiegelt, mit 93,2 Punkten auf das niedrigste Niveau seit Mitte Oktober gesunken.

Wechselkurs der letzten 6 Monate von Mai 2017 - November 2017  Euro / US-Dollar

Gleichzeitig sind die Zinsen für zehnjährige Anleihen auf nur mehr 2,32 Prozent zurückgegangen, womit sie eine deutliche Eintrübung der Perspektiven für die US-Wirtschaft widerspiegeln. Damit nähern sich die Zinsen dem niedrigsten Niveau seit Mitte Oktober. Beide Faktoren sorgen für Rückenwind beim Goldpreis. Investoren befürchten, dass es US-Präsident Donald Trump sehr schwer fallen könnte, eine Steuerreform durch den Kongress zu bringen.

Wenn die Fed in dem Umfeld die Zinsen für die hochverschuldete Wirtschaft weiter erhöht, trüben sich die Perspektiven für die Wirtschaft noch weiter ein.

US-Wirtschaft kann Zinserhöhungen kaum verkraften

Zur Erinnerung: die Schulden des privaten Sektors, also von privaten Haushalten und Unternehmen außerhalb des Finanzsektors sind zuletzt auf den Rekord von 28,8 Billionen Dollar gestiegen. Das sind herbe 148 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. Vor dem Hintergrund sind die deutlich gestiegenen Zinsen für kurzfristige Anleihen beziehungsweise Kredite eine erhebliche Belastung.

So sind die Zinsen für zweijährige US-Anleihen seit dem September-Tief bei 1,26 Prozent zuletzt auf 1,73 Prozent nach oben geschossen. Umso mehr werden Investoren auf Powells Aussagen achten. Zuletzt ist die Wirtschaft zwar ganz gut gelaufen. Sollte die Konjunkturbelebung wegen der Hurrikans vom September allerdings allmählich auslaufen, und die Konjunkturdaten beginnen zu schwächeln, dürften der Dollar und die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen im Rückwärtsgang bleiben, was den Goldpreis weiter stützen könnte. Dann wird es darauf ankommen, ob Powell an Yellens Kurs festhalten oder möglicherweise eine Aufweichung signalisieren wird.

Charttechnik verbessert sich

Nach dem jüngsten Anstieg des Goldpreises hat sich das charttechnische Bild etwas verbessert. Er hat sich in den vergangenen Wochen gut an der 100-Tage-Linie entlang gehangelt, die zuletzt bei 1.282 Dollar lag.

Bemerkenswert war allerdings, dass selbst bei kleinen Kursanstiegen plötzlich große Verkaufsaufträge gekommen sind, wobei an der Derivate-Börse Comex in New York innerhalb weniger Minuten Futures-Kontrakte, die 100 Unzen widerspiegeln, im Wert von zwei, drei oder vier Mrd. Dollar verkauft worden sind, wodurch der Goldpreis wieder nach unten gedrückt worden ist.

Das hat verhindert, dass er trotz des sinkenden Dollar und der sinkenden Zinsen für zehnjährige US-Anleihen deutlich geklettert ist. Ähnliche Vorgänge dürfte es auch in den nächsten Wochen und Monaten durchaus geben, immerhin haben die Fed und die anderen Notenbanken keinerlei Interesse an einem steigenden Goldpreis, würde das doch nur den Vertrauensverlust und den Wertverfall des Dollar widerspiegeln, der wie alle anderen Währungen nur eine Fiat-Währung ist.

Nach dem jüngsten Kursanstieg notiert der Goldpreis in der Nähe der 50-Tage-Linie, die zuletzt bei 1.288 Dollar lag.

Die nächsten Monate werden zeigen, ob der Dollar und die US-Zinsen im Rückwärtsgang bleiben werden, was den Goldpreis beflügeln würde, oder ob der Goldpreis erneut mit großen Verkaufsaufträgen nach unten gedrückt wird.  

Dollar-Schwäche und sinkende US-Zinsen stützen Goldpreis
Egmond Haidt - Nach der Bankausbildung und dem BWL-Studium begann Egmond Haidt im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.
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Kommentare [6]
  • von Hein | 25.11.2017, 08:35 Antworten

    Guten Tag liebe Gemeinde,
    hier nun das Wort zum Sonntag.
    Es ist ja ganz nett immer wieder diese Artikel zu lesen, die uns verdeutlichen, dass es ganz tolle Analysten gibt, die alles wissen.
    Fakt ist aber, dass der Dollar kurz vor der Bedeutungslosigkeit steht.
    Wir werden in den Kommenden Jahren sehen, wie zunächst der Dollar eine zur Raschwährung verkommt und dann auch das Land dahinter.
    Denn dieses besteht ausschließlich aus Schulden und Wehrtechnik.
    Gabe es da nicht schon mal die eine oder andere Parallele?
    Der Dollarpreis und die Edelmetalle an sich, behalten ihren Wert. Nur werden diese in absehbarer Zeit nicht mehr in Dollar gehandelt werden.
    Ich mache mir keine Sorgen um meine Werte und die Analysen sind mir egal.

    Es sollte uns auch egal sein warum der Kurs schwankt, solange wir nicht spekulieren sondern vorsorgen. Denn wir befinden uns in unruhigen Zeiten in denen es leicht zu einem Kollaps kommen kann.

    In diesem Sinne

    Hein

    • von anja wick | 25.11.2017, 19:33 Antworten

      das ist völlig korrekt

    • von Christian G | 27.11.2017, 12:44 Antworten

      Außerdem, solange wir den Euro haben, ist der Goldkurs in Dollar irrelevant. Wenn der Dollar gegenüber dem Euro abwertet, steigt natürlich der Preis des Goldes in Dollar... Der Preis in Euro bleibt aber davon unberührt.
      (1300 $ = 1100 € = 1 oz Gold) Nun lassen wir den Dollar um 5 % zum Euro abwerten... (1368 $ = 1100 € = 1 oz Gold)

  • von bling bling | 25.11.2017, 16:03 Antworten

    mich stört ein wenig der satz "kontrakte verkauft". vielleicht sollte man besser schreiben: kontrakte eingelöst. denn wenn soviele gold-interessen verkauft werden, müssen diese auf der gegenseite auch von einem interessenten gekauft werden, was den goldpreis theopraktisch unverändert lassen sollte.

  • von Beate Clasbrummel | 25.11.2017, 19:31 Antworten

    Wer im Dezember kauft macht das Rennen

  • von Goldmann | 28.11.2017, 11:30 Antworten

    Das Vertrauen in das Papiergeld ist abhanden gekommen. Gold ist die Alternative dazu. Es ist wunderschön Gold zu besitzen. Man kann es sich jeden Tag anschauen.

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