Stand: 21.08.2020 von Egmond Haidt
Der Dollar ist gegenüber dem Euro auf Zwei-Jahres-Tiefs gesunken und auch gegenüber etlichen anderen Währungen deutlich im Rückwärtsgang. Hedgefonds und andere Spekulanten wetten kräftiger als praktisch je zuvor darauf, dass der Abwärtstrend beim Greenback weitergeht.
Dollarkurs: Spekulanten setzen stark auf Dollar-Talfahrt

Wenig begeistert haben Anleger auf die Veröffentlichung des Fed-Protokolls am Mittwoch, 19. August reagiert. Nachdem der S&P500 kurz zuvor noch an der Marke von 3.400 Punkten und damit am Rekordhoch gekratzt hatte, drehte der Index anschließend deutlich nach unten und schloss den Handelstag mit rund 3.375 Punkten nahe des Tagestiefs ab. Was waren die Gründe?

Einerseits hat sich die Fed etwas kritischer zur Erholung der US-Konjunktur geäußert als zuvor, weil die Pandemie für erhebliche Unsicherheiten sorge. Andererseits äußerten sich die Mitglieder der US-Notenbank skeptisch zur möglichen Einführung der Kontrolle der Zinsstrukturkurve. Dabei würde die Fed festlegen, wo beispielsweise die Zinsen für drei-, oder zehnjährige US-Anleihen liegen sollen und mit massiven Anleihekäufen dafür sorgen, dass die Zinsen auf den sehr niedrigen Niveaus bleiben oder sogar noch weiter nach unten gedrückt werden.

Eine Kontrolle der Zinsstrukturkurve wäre zwar verheerend für die US-Banken, weil deren Zinsüberschuss kräftig schrumpfen würde. Allerdings erwarten Investoren, dass die Fed mit dieser Politik die hochverschuldete und damit stark zinsabhängige Wirtschaft stärker ankurbeln könne. Nachdem sich die Fed nun aber skeptisch geäußert hatte, sind die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen deutlich gestiegen, während sich gleichzeitig der Dollar etwas erholt hat. Im Gegenzug ist der Goldpreis eingeknickt und lag zuletzt bei rund 1.930 Dollar je Unze.

US-Wirtschaft ist in miserablem Zustand

Das Problem ist allerdings, dass die Fed mit ihren Prognosen in den vergangenen Jahren wiederholt völlig falsch lag, weshalb die US-Notenbank doch innerhalb weniger Monate eine Politik der Zinskurvenkontrolle einführen dürfte. Wieso? Weil die US-Wirtschaft entgegen den andauernden Beteuerungen der Fed und von US-Präsident Donald Trump in einem katastrophalen Zustand ist.

Die Staatsverschuldung USA eilt von einem Rekord zum nächsten, zuletzt waren es 26,5 Billionen Dollar und es geht rapide in Richtung 30 Billionen. Um vor dem Hintergrund der gewaltigen Haushaltsdefizite einen möglichen kräftigen Zinsanstieg zu verhindern, glühen die Notenpressen der Fed.

Inzwischen tut die Fed gar nicht mehr so, als ob sie die Zinsen anheben könne. Oder gar die Bilanzsumme, die zuletzt auf horrende 7,0 Billionen Dollar explodiert war, durch Anleihenkäufe wieder reduzieren könnte. Das kann die Fed absolut nicht mehr. Vielmehr ist nur die Frage, wann die Fed das Gelddrucken beschleunigen wird.

In dem Umfeld ist der Dollar gegenüber etlichen Währungen auf Talfahrt, weil die US-Geldmenge noch viel stärker wächst als beispielsweise jene der Euro-Zone. Daher ist der Euro mit 1,19 Dollar je Euro auf das höchste Niveau seit Mai 2018 gestiegen (Dollarkurs). Im Gegenzug ist der Dollar Index auf das niedrigste Niveau seit damals gesunken, was dem Goldpreis deutlichen Rückenwind gibt. Der Index spiegelt die Kursentwicklung des Greenback gegenüber sechs wichtigen Währungen, vor allem dem Euro wider.

Spekulanten wetten immer mehr auf Dollar-Rückgang

Vor dem Hintergrund setzen Hedgefonds und andere Spekulanten stärker als praktisch jemals zuvor darauf, dass die Talfahrt des Greenback weitergeht. So ist die Netto-Short-Position der Spekulanten in der Handelswoche per 11. August – das sind die neuesten Daten - auf 212.000 Kontrakte gestiegen. Die Position wird berechnet, indem man von der Zahl der Futures auf steigende Dollar-Kurse (Long) jene auf fallende (Short) abzieht. Spekulanten setzen also mit 212.000 mehr Kontrakten auf fallende als auf steigende Dollar-Kurse.

Damit wetten Spekulanten mit Futures im Wert von rund 32,1 Mrd. Dollar auf einen Rückgang des Greenback gegenüber den sechs Währungen aus dem Dollar Index, nach 28,9 Mrd. für die Vorwoche. Das ist der höchste Wert seit Mai 2011 und liegt damit quasi am Rekordhoch. Die Hedgefonds schätzen damit die Perspektiven des Dollar als so trüb ein wie praktisch niemals zuvor.

Trump und Fed treiben Dollar nach unten

Mancher Experte betrachtet das allerdings als Kontraindikator und könnte sich einen baldigen Stimmungsumschwung zugunsten des Dollar vorstellen. Das sehe ich absolut nicht, tun doch die Fed und Trump alles in ihrer Macht stehende, um den Dollar möglichst schnell nach unten zu treiben. Zumal Trump durch einen schwachen Dollar die Exportwirtschaft ankurbeln will, weil durch ihn US-Produkte im Ausland billiger werden.

In welche Währung wird das Geld umgeschichtet? In den Euro. So ist die Netto-Long-Position der Spekulanten auf den Euro in der vergangenen Woche auf den Rekord von 199.751 Futures gestiegen – das sind 25 Mrd. Euro.

Die Frage ist allerdings, wie lange die EZB dem Treiben zuschauen kann, werden doch durch den steigenden Euro Produkte aus der Region in den USA teurer, wodurch sich die Wettbewerbsfähigkeit der hiesigen Exporteure verschlechtert. Mit jedem Tag, an dem der Euro steigt, wächst daher das Risiko, dass einzelne EZB-Mitglieder verbal intervenieren und so versuchen könnten, den Euro nach unten zu reden.

Allerdings dürfte es ihnen sehr schwer fallen den Trend zu brechen, solange die Fed Investoren klar macht, dass sie als Hüter der mit weitem Abstand führenden Weltreservewährung viel schneller Geld drucken kann als irgendeine andere Notenbank.

Um es noch einmal klar zu sagen: Wegen der katastrophalen Lage der hochverschuldeten US-Wirtschaft und deren verheerenden Perspektiven gehe ich davon aus, dass die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen und damit der Dollar in den nächsten Monaten jeweils auf Talfahrt bleiben dürften. Dann wird sich zeigen, wie sich der Goldpreis in dem Szenario entwickelt.

Autor: Egmond Haidt
Finanzjournalist
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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"