Stand: 07.11.2014 von Mr. Gini 1 Kommentare

Während die Verantwortlichen in der Politik und der EZB nach wie vor davon reden, dass Europa sich auf einem guten Weg der Erholung befindet, berichtet das Uno-Kinderhilswerk Unicef von einem dramatischen Anstieg der Kinderarmut.

Verlorene Generation

Mitten in Europa droht eine ganze Generation den Anschluss zu verpassen. Den Anschluss an Wohlstand und an das in den Krisenstaaten verbliebene soziale Gefüge. Besonders hart getroffen sind vor allem Jugendliche und junge Erwachsene in den Ländern, die einen wirtschaftlichen Absturz erlebt haben. Zu diesem Fazit kommt eine Studie des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen, Unicef, zur Kinderarmut in Industrie- und Schwellenländern (OECD-Länder).

Griechenland extrem hart getroffen

Und wie kaum anders zu erwarten waren es einmal mehr die Hellenen, die extrem heftig unter den realwirtschaftlichen Verwerfungen leiden müssen. Genauer gesagt, die junge Generation in Griechenland. Also, seit dem Jahr 2008 gab es einen Zuwachs der Kinderarmut in Griechenland um sage und schreibe 50 Prozent. Siehe auch: Armes Griechenland: 58 % der Griechen an oder unter Armutsgrenze.

Ferner ist es Unicef zufolge so, dass in Griechenland die Zahl der Haushalte mit Kindern sich verdoppelt hat, die sich nicht mindestens jeden zweiten Tag Fisch, Fleisch oder Geflügel leisten können. Das bittere Fazit der Krisenjahre sei, dass die griechischen Familien in der Wohlstandsentwicklung um 14 Jahre nach hinten geworfen worden seien.

Nicht nur die Griechen leiden

Leider leiden nicht nur die Griechen. Auch in Irland, Kroatien oder Lettland nahm die Kinderarmut in den vergangenen sechs Jahren um mehr als 50 Prozent zu. Die Familien in Spanien und Irland fielen wohlstandsbezogen um ein Jahrzehnt zurück. Und selbst die Familien im "reichen" Luxemburg verloren ein ganzes Jahrzehnt an Wohlstand. Das ist schon mehr als beachtlich.

Subtiles Leiden

In der Studie kam auch klar heraus, dass diese extremen Verwerfungen nicht ohne gravierende Langfristfolgen bleiben würden. Die Studie stellt fest, dass solche Veränderungen gravierende Folgen für die Kinder haben würden. Angst und Stress, das seien oftmals die Reaktionen. In solchen Krisenzeiten würden die Kinder zwar eher subtil, aber doch schmerzvoll leiden. Und es trifft wahrlich sehr viele Kinder.

Drastische Zunahme der Kinderarmut

Alles in allem sei Unicef zufolge in 23 von den 41 untersuchten Ländern die Zahl der in Armut lebenden Kinder gestiegen. Insgesamt seien in den OECD-Staaten 11,5 Millionen Kinder von Armut betroffen. Davon würden sage und schreibe 9,5 Millionen in Europa leben. In Griechenland, Lettland und Spanien sei jedes dritte Kind von Kinderarmut betroffen. Im großen Krisenstaat im Süden, in Italien, leben 30 Prozent aller Kinder in Armut. In mehr als der Hälfte der 41 untersuchten Staaten lebt jedes fünfte Kind in Armut.

Trauriges Fazit sei insofern, dass je länger diese Kinder in dem Teufelskreis aus Armut gefangen bleiben, desto schwieriger werde es, diesem Teufelskreis wieder zu entkommen.

Versagen der Staaten

Höchst beachtlich ist auch, dass Unicef nicht mit Kritik an den Staaten spart. In der Studie wird den betroffenen Staaten ganz klar zum Vorwurf gemacht, viel zu wenig zum Schutz der Kinder und Jugendlichen getan zu haben. Es seien Spar- und Reformprogramme ohne jegliche Abfederung für schwache Bevölkerungsgruppen durchgezogen worden. Das Jahr 2010 sei insofern das Schlüsseljahr gewesen. In just jenem Jahr gingen die meisten Staaten dazu über, von Konjunkturprogrammen auf harte Sparprogramme umzuschwenken. Insbesondere für die Kinder im Mittelmeerraum hatte dieser Schwenk verheerende Auswirkungen.

Last but not least sei in dem Kontext erwähnt, dass Deutschland, oder besser gesagt die Kinder in Deutschland, bislang relativ gut durch die Krisenjahre gekommen sind. Zumindest relativ. Unicef zufolge stieg in deutschen Landen seit dem Jahr 2008 die Kinderarmut nicht weiter an. Die Zahl der 15- bis 24-Jährigen ohne Arbeit und Ausbildung ging sogar leicht auf 6,3 Prozent zurück.

Folgen der Finanzkrise für die junge Generation
Mr. Gini - Der Autor befasst sich schon seit vielen Jahren hauptberuflich mit den Ungleichge- wichten und strukturellen Problemen der Welt- wirtschaft, insbesondere des Weltfinanzsystems. Der Autor vertritt die Ansicht, dass die Krise erst dann beendet ist, wenn die globale Überschuldungskrise gelöst ist. Sprich, wenn das Verschuldungsniveau auf ein für die Volkswirtschaften tragfähiges Niveau geschrumpft ist.
Du hast eine Meinung dazu? Her damit!
Sicherheitsfrage: wie viele Münzen siehst du?
Fragen über Fragen
Ich stimme zu, dass mein Kommentar zur Veröffentlichung auf GOLD.DE gespeichert wird. Du kannst deine Einwilligung jederzeit per Mail an info@gold.de widerrufen. Mir ist bekannt, dass Kommentare, die beleidigend oder diffamierend sind, oder Werbung für Dritte enthalten, nicht erwünscht sind. Hier findest du unsere Datenschutzerklärung.
Kommentare [1]
  • von Brunschwiler | 08.11.2014, 12:44 Antworten

    Leben die Politiker ein Leben des Papiergeldes - und ein klassisches Leben der upper class vor dem crash (die von einem Tag auf den anderen dann auch einfach arm werden) ?

Copyright © 2009-2019 by GOLD.DE – Alle Rechte vorbehalten

Konzept, Gestaltung und Struktur sowie insbesondere alle Grafiken, Bilder und Texte dieser Webseite sind urheberrechtlich geschützt. Missbrauch wird ohne Vorwarnung abgemahnt. Alle angezeigten Preise in Euro inklusive MwSt. (mit Ausnahme von Gold), zzgl. Versandkosten, sofern diese anfallen. Verfügbarkeit, Abholpreise, Goldankauf und nähere Informationen über einzelne Artikel sind direkt beim jeweiligen Händler zu erfragen. Alle Angaben ohne Gewähr.

Handcrafted with in "Schwäbisch Sibirien", Germany