| GOLD | 4.342,12 $/oz | 3.756,60 €/oz | 120,78 €/g | 120.777 €/kg |
| SILBER | 63,57 $/oz | 54,99 €/oz | 1,77 €/g | 1.767,97 €/kg |
Doch Jubel mag angesichts der Entwicklung von Gold und Silber in den letzten Tagen nicht wirklich aufkommen. Auf Wochensicht hat Silber rund 15 Prozent an Wert eingebüßt, bei Gold sind es minus zehn Prozent.
Für den Edelmetallhandel folgt mit dem Rückgang der Notierungen von Gold und Silber auch eine Verschnaufpause, die sich viele Handelshäuser regelrecht herbeigesehnt haben – vielerorts wurde in den letzten Monaten am Anschlag gearbeitet, auch die Geschäftsführung half im Lager mit und gelegentlich war sogar eine gereizte Stimmung an den Verkaufsschaltern zu beobachten.
Doch nicht nur der Jahresbeginn 2026 war mit neuen Allzeithochs bei Gold und Silber sowie einem regelrechten Goldrausch turbulent. Der Edelmetallmarkt blickt auf ein Jahr der Extreme zurück: Was 2025 verhalten begann, endete in einer Kaufpanik, die die Kapazitätsgrenzen der Händler ausreizte.
Wer geglaubt hatte, dass die Zinswende den Hunger nach Gold und Silber stillen würde, sah sich im Jahr 2025 getäuscht. Für die großen deutschen Edelmetallhändler entwickelte sich das Jahr zu einem der umsatzstärksten der Geschichte:
Das Jahr 2025 ist ein absolutes Rekordjahr für uns, und das nicht nur hinsichtlich Umsatz, sondern auch des gehandelten Goldgewichts.
resümiert Tim Schieferstein von der SOLIT Gruppe.
Doch während die Umsätze aufgrund der explodierenden Preise überall kletterten, blieb der physische Absatz in Tonnen bei einigen Händlern hinter den Pandemie-Jahren zurück. Michael Eubel, Leiter des Edelmetallgeschäfts bei der BayernLB, merkt an:
Von den umgesetzten Gewichten waren die Pandemie-Jahre 2020 bis 2022 deutlich stärker.
Auch Markus Berger, Managing Partner der Ophirum Group, bestätigt zwar ein Rekordjahr beim Umsatz, merkt aber kritisch an:
Vom Gewicht her bewegt sich das Geschäft seit Jahren mehr oder minder auf einem Niveau, genau genommen ist der Markt auf der Verkaufsseite sogar seit Jahren rückläufig.
Der Marktverlauf glich 2025 einer Achterbahnfahrt mit einem fulminanten Finale. Das erste Quartal verlief solide, der Sommer eher flau. Doch im Herbst drehte sich der Wind. „Ab Mitte September ging die Post ab“, beschreibt Eubel die Dynamik. Diese Beobachtung teilen alle drei Experten. „Das vierte Quartal stellt 2025 erfreulicherweise die Umsätze des ersten und zweiten Quartals vollkommen in den Schatten“, so Schieferstein. Markus Berger präzisiert, dass die Nettoverkäufe ab Mitte September wieder deutlich anstiegen, nachdem das zweite und dritte Quartal eher durchschnittlich ausgefallen waren.
Besonders dramatisch gestaltete sich die Situation bei Silber. Hier traf eine explodierende Nachfrage auf ein begrenztes Angebot. „Die Nachfrage nach physischem Silber war in den letzten vier Monaten immens“, berichtet Eubel. Das führte zu einer Anomalie im Markt: „Die physischen Preise haben sich vom Referenzpreis abgekoppelt und sind, je nach Produkt, weit über Spot. König ist, wer Ware hat und der macht den Preis.“ Bei der SOLIT Gruppe verschob sich dadurch sogar der Umsatzmix signifikant. Während zu Jahresbeginn nur gut 10 % des Umsatzes auf Silber entfielen, waren es im vierten Quartal rund 25 %.
Auffällig ist im Handel die Verschiebung hin zu kleineren Stückelungen, auch wenn diese ein höheres Aufgeld kosten. Da die Grenze für anonyme Barkäufe bei 2.000 Euro liegt, weichen Kunden auf leichtere Goldbarren aus: „Seit der Preis für den 20-Gramm-Barren über 2.000 Euro liegt, hat sich der Fokus der Käufer in den Filialen auf Produkte mit niedrigerem Gewicht verschoben", erklärt Berger. Auch Tim Schieferstein bestätigt diesen Trend hin zu Einheiten unter einer Unze, etwa dem 20-Gramm-Goldbarren. Im klassischen physischen Geschäft beobachtet Markus Berger zudem eine generelle Verschiebung weg von der Münze:
„Kleine Barren mit 5 und 10 Gramm lösen zunehmend Münzen ab.“ Während Klassiker wie der Krügerrand Gold oder Maple Leaf Gold dominieren, bestätigt Eubel, dass der 1-Kilo-Silberbarren trotz allem das Maß der Dinge im Silberbereich bleibt.
Der Boom forderte seinen Tribut in der Abwicklung. Die Branche kämpft mit logistischen Engpässen und Versicherungsobergrenzen. Da der Wert der Ware gestiegen ist, werden die Versicherungslimits für Transporte und Lagerung schneller erreicht. „Versicherungsgrenzen spielen hier und da auch eine Rolle und man merkt, dass die Versicherungsmärkte, insbesondere für hochvolumige Versicherungen, ebenfalls angespannt sind“, warnt Eubel.
Hinzu kommen Personalengpässe. Trotz Überstunden und Personalaufbau sei es kaum möglich, alles taggleich abzuwickeln. Berger sieht die Branche hier in einer kritischen Phase:
So ist sie in Deutschland etwa in den Bereichen Logistik und Einlagerung sowohl aktuell als auch für die nahe Zukunft nicht optimal aufgestellt.
Nicht nur die Käufer rennen den Händlern die Türen ein – das rekordhohe Preisniveau mobilisiert auch Bestände aus Tresoren und Schmuckkästchen der Deutschen. „Wir verzeichnen in unseren Filialen eine deutlich erhöhte Ankaufsnachfrage – dieses Geschäft boomt regelrecht“, berichtet Markus Berger.
Dabei zeigt sich eine interessante Divergenz zwischen den Vertriebskanälen: Während Kunden Edelmetalle bevorzugt online erwerben, trennen sie sich davon lieber persönlich vor Ort im Geschäft, wie Tim Schieferstein beobachtet. Michael Eubel bestätigt, dass sowohl Altgold eingeliefert wird als auch Anleger aktiv Gewinne bei Anlagegold und -silber realisieren. Ein neues Phänomen sind kurzfristig agierende Opportunisten: Kunden, die erst zu Jahresbeginn einstiegen, verkauften teilweise bereits wieder, um den rapiden Wertzuwachs noch im selben Jahr zu sichern.
Strukturelle Anpassungen zeigen sich auch bei der Produktwahl. Da physisches Silber der Mehrwertsteuer unterliegt, weichen Anleger angesichts der gestiegenen Preise verstärkt auf Lagerlösungen aus. „Hier sparen Kunden zum Beispiel dank der Verwahrung in einem Zollfreilager die komplette Mehrwertsteuer“, erklärt Schieferstein. Auch bei den Sparplänen registrieren die Händler Zuwächse, wobei Anleger hier laut Eubel inzwischen rund 30 % Weißmetalle beimischen. Besonders auffällig war 2025 auch der Zulauf junger Anleger. Laut einer Studie der Deutsche Börse Commodities gewann Gold als Anlage bei 25- bis 34-Jährigen stark an Bedeutung. Mehr als ein Drittel dieser Altersgruppe erwog eine Goldanlage, und die Hälfte hielt Gold für eine sinnvolle Krisenabsicherung. Studienleiter Steffen Orben stellte fest, Gold genieße bei jungen Investoren hohes Vertrauen.
Neben physischen Käufen stieg das Interesse an Edelmetall-Finanzprodukten. Zwar gibt es in Deutschland keine klassischen Gold-ETFs, doch physisch besicherte Gold-ETCs (zum Beispiel Xetra-Gold) und Goldsparpläne sind verbreitet. Laut Studie nutzten Ende 2025 rund 14 % der Befragten Gold-ETCs bzw. Fonds im Portfolio.
Für das laufende Jahr 2026 erwarten die Händler keine Abkühlung, allenfalls eine Verschnaufpause. Bei Ophirum rechnet man mit weiter volatilen Preisen und setzt auf Expansion im Filialnetz.
Tim Schieferstein blickt auf einen starken Jahresstart 2026 und wagt eine bullische Prognose: "Dass Gold und Silber im Jahr 2026 ihren Glanz verlieren, halte ich für ausgeschlossen."
Sollte die Goldnachfrage anhalten, könnten sich die Umsätze im Vergleich zum Vorjahr sogar nochmals verdoppeln.
Der Autor ist Initiator des ZukunftsForums Edelmetalle. Das Top-Event in der DACH-Region für Investoren, Handel, Banken und Industrie rund um Gold, Silber sowie die Platinmetalle findet am 23. und 24. März 2026 in Frankfurt statt.
Weitere Informationen finden Sie unter zukunftsforum-edelmetalle.de
Ich vermute, dass einige Länder kräftig Geld verkaufen, um die Kriege zu finanzieren und für die steigenden Energiepreise bei Öl und Gas liquide zu bleiben. Das sind dann natürlich größere Mengen...
Ich sehe das ganze sehr entspannt, ich habe seit längerer Zeit schon in Gold und Silber investiert, Ich tue es auch weiterhin. Einfach Ruhe bewahren keine panische Reaktion, die ich dann möglicherweise bereuen würde.