Stand: 25.03.2015 von © Gold.de Redaktion MA/SH 0 Kommentare

Griechenland steht vor der Zahlungsunfähigkeit. Manche Ökonomen meinen, Griechenland solle sich selbst helfen - mit der Einführung einer Zweitwährung in Form von Schuldscheinen. Dadurch würde de facto eine Parallelwährung entstehen.

Erst vergangene Woche hat Griechenland Kredite und Zinsen in Milliardenhöhe bedient. Und auch Ende März wird das Land womöglich noch Gehälter und Renten bezahlen können. Doch dann?

Wenn nicht bald eine Lösung in dem Schuldenstreit gefunden wird, könnte Griechenland Beobachtern zufolge bereits ab dem 9. April pleite sein. Mit unabsehbaren Folgen bis hin zum "Grexit". Doch manche Ökonomen glauben, Griechenland könne sich auch selbst helfen, ohne Nothilfen und Milliardenkredite. Wie das gehen soll?

Griechenland könnte Parallelwährung einführen

Sollten die Finanzhilfen ausbleiben und auch keine sonstigen Lösungen gefunden werden, dann dürfte Griechenland zahlungsunfähig werden, sagte Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt und Bereichsleiter Research und Volkswirtschaft der DZ Bank, in einer Stellungnahme vom vergangenen Freitag (20.03.15). In diesem Fall könne sich Athen dann aber selbst helfen, indem es eine Zweitwährung in Form von Schuldscheinen einführt. Durch die Ausgabe von Schuldscheinen würde de facto eine Parallelwährung entstehen, sagte Bielmeier.

Parallelwährung könnte Euro-Austritt verhindern

Bielmeier ist nicht der einzige Ökonom, der in einer Parallelwährung eine Lösung für die Probleme in Griechenland sieht. Bereits vor drei Jahren schlug Thomas Mayer, damals noch Chefvolkswirt der Deutschen Bank, die Schaffung einer Parallelwährung zum Euro vor. Damit könnten die Griechen nicht nur ihre Wettbewerbsfähigkeit verbessern. Laut Mayer könnte die Regierung in Athen mit der Ausgabe von Schuldscheinen zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, wie das Handelsblatt damals berichtete.

Einerseits würde damit der Euro-Austritt vermieden, andererseits wäre de facto eine Anpassung des Wechselkurses möglich. "Anfangs dürfte es zu einer massiven Abwertung kommen", wurde Mayer von dem Blatt zitiert.

Euro bleibt offizielles Zahlungsmittel in Griechenland

Das Konzept einer Parallelwährung für Griechenland klingt ebenso plausibel wie es einfach klingt. Die griechische Regierung gibt Schuldscheine heraus und bringt sie in Griechenland als offizielles gesetzliches Zahlungsmittel in Umlauf. Diese Parallelwährung ist neben dem Euro in Umlauf und veränderlichen Wechselkursen gegenüber dem Euro ausgesetzt. Alle inländischen Verbindlichkeiten wie etwa Löhne, Gehälter, Renten, Pensionen usw. werden mit der Parallelwährung beglichen. Bei all dem bleibt der Euro weiterhin offizielles Zahlungsmittel sowohl im Inland als auch - und das ist das wichtigste - für alle Verbindlichkeiten im Ausland.  

"Damit kommen sie wieder ins Geschäft"

Durch die Ausgabe von Schuldscheinen würde sich der griechische Staat zunehmend bei den eigenen Bürgern verschulden und müsste sich kein Geld mehr auf den internationalen Finanzmärkten besorgen.

Außerdem dürften laut Mayer aufgrund der "massiven Abwertung" der neuen Parallelwährung die Lohnnebenkosten in Griechenland sinken und damit die griechische Wirtschaft international wieder wettbewerbsfähiger machen. Mayer: "Damit kommen sie (die Griechen) wieder ins Geschäft". Wenn die Krise einmal ausgestanden ist, könnten die Schuldscheine wieder in Euro getauscht werden.

Bei all dem könnte Griechenland in der Eurozone verbleiben und ein Schuldenschnitt vermieden werden.

Parallelwährung erhält Unterstützung von Nobelpreisträger

Jetzt hat das Konzept einer Parallelwährung Rückendeckung durch den griechischen Wirtschaftswissenschaftler und Nobelpreisträger Christofer Pissarides erhalten. Um Griechenland in der Eurozone zu halten, hat sich Pissarides in der vergangenen Woche in einem Interview im griechischen Fernsehen für die Einführung einer Parallelwährung ausgesprochen.

Dies sei zwar eine "weniger als ideale Lösung", sagte Pissarides, doch man könne in dem Fall davon Gebrauch machen, wenn Griechenland in naher Zukunft Schwierigkeiten bekommen sollte, Verpflichtungen wie Löhne und Renten zu bezahlen. Laut einem Bericht der Deutschen Welle sagte Pissarides:

"Griechenland könnte eine Art Wertpapier ausstellen, das sich in eine neue Parallelwährung entwickeln könnte".

Parallelwährung birgt Risiken

Die verhaltene Begeisterung Pissarides' dürfte der Argumentation der Kritiker des Konzepts entspringen, die auf die Risiken einer Parallelwährung hinweisen. Da die neue Parallelwährung voraussichtlich stark abwerten wird, würden wichtige Importe, wie etwa Erdöl und andere Energieträger sowie sämtliche industriellen Vorprodukte wie elektronische Bauteile, deutlich teurer für Griechenland werden. Zudem befürchten Kritiker eine starke Inflation und eine weitere Verschlechterung des Lebenstandards für die Griechen.

Darüber hinaus könnte die Abwertung der Parallelwährung zu einem Run auf den Euro führen, wenn die Bankkunden ihre Guthaben in Euro einfordern. Hinweise darauf gibt es bereits jetzt schon. Laut der Deutschen Welle haben griechische Bankkunden in den vergangenen drei Monaten rund 20 Milliarden Euro von ihren Konten abgezogen.

Im Falle einer stark abwertenden Parallelwährung könnten die Griechen massenweise ihre Eurokonten räumen. Dann würden die Vermögen der Banken weiter an Wert verlieren, während die internationalen Verbindlichkeiten in Euro aufwerten. Den griechischen Banken würde die Pleite drohen.

Das Ende vom Sparkurs in Griechenland

Der griechische Ökonom Panayokis Petrakis warnt laut Handelsblatt noch aus einem anderen Grund vor einer Parallelwährung in Griechenland: Würde die griechische Regierung einmal damit beginnen, eigenes Geld zu drucken, wäre es mit dem Sparkurs endgültig vorbei.

"Das kann keine Handlungsoption für die Politik sein."

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