Gold: 1.750,27 € -0,04 %
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Stand: 07.04.2022 von Hannes Zipfel
Im März kam es zu einem Absatzsprung bei Gold- und Silbermünzen. Die enorme Nachfrage reißt bei vielen stationären Anbietern und Onlineshops immer größere Lücken in die physischen und digitalen Regale. In der Folge steigen die Aufgelder bereits spürbar an. Welche Münzen jetzt noch günstig zu haben sind.
Engpässe bei Gold- und Silbermünzen

Prägeanstalten vermelden Absatzboom

Die zunehmende Sorge vor Geldentwertung, wirtschaftlichen Risiken und geopolitischen Konfrontationen motiviert Anleger zum massenhaften Kauf von Goldmünzen und Silbermünzen.

Die weltweit größten Münzprägeanstalten in den USA, Kanada, Australien, Südafrika, Österreich und Deutschland vermelden eine rekordhohe Nachfrage für das erste Quartal.

Die United States Mint (U.S. Mint) verzeichnet beim Absatz von Goldprodukten wie dem „American Eagle“ und dem „American Buffalo“ insgesamt die höchsten Verkaufszahlen seit 23 Jahren. Allein von den beliebten „Gold-Eagles“ wurden in den ersten drei Monaten des Jahres 426.500 Unzen verkauft.

Etwas höher war der Absatz lediglich im vergangenen Jahr.

In den ersten fünf April-Tagen wurden weitere 53.500 Unzen Gold-Eagle verkauft.

Setzt sich diese Dynamik fort, könnte das Jahr 2022 einen neuen Rekordabsatz für die U.S. Mint bringen. Zumal, wenn sich der Inflationstrend weltweit auch in den kommenden Quartalen fortsetzt, wovon aktuell auszugehen ist.

US-Mint American Gold Eagle Verkäufe

Auch bei den Silbermünzen zeichnen sich neue Rekorde ab. Bei dem Edelmetallhändler Pro Aurum aus München werden die Silber-Eagles des aktuellen Jahrgangs mittlerweile für ca. 33 Euro verkauft (ca. 36 US-Dollar).

Die Ankaufskurse sind noch nicht im gleichem Ausmaß nachgezogen. Erfahrungsgemäß ist es gleichwohl so, dass bei anhaltenden Versorgungsengpässen die Edelmetallhändler zunehmend auf Sekundärware aus Ankäufen von ihren Kunden angewiesen sind. Da der Wettbewerb unter den Händlern sehr hoch ist, bewegen sich dann auch die Ankaufspreise mit etwas Zeitverzögerung nach oben.

Vor allem Silbermünzen mit einem Gewicht von einer Unze (31,1g) und einem Feingehalt von 99,99 Prozent Silber sind momentan knapp oder bereits ausverkauft. Dies trifft vor allem für die britische „Britannia“, den österreichischen „Philharmoniker“, den australischen „Kookaburra“ sowie den „Koala“ zu.

Relativ preiswert sind aktuell noch australische „Känguru“, kanadische „Maple Leaf“ sowie die südafrikanischen Silber-Krügerrand des jeweils aktuellen Jahrgangs 2022 erhältlich.

Aufgelder steigen

In Folge der Produktknappheit steigen bei den Edelmetallhändlern die Aufgelder vor allem bei den Silbermünzen spürbar an. Das Aufgeld beschreibt die Differenz zwischen dem Spot-Preis am Weltmarkt für eine Unze Silber und dem Verkaufspreis des Händlers. Diese Differenz beinhaltet die:

  • Händler-Marge
  • Prägekosten
  • Transportkosten
  • Preisabsicherungskosten
  • Refinanzierungskosten
  • sowie Steuern

Für Anleger ist die Entwicklung der Aufgelder eine Indikation für die Marktsituation – vor allem für die Verfügbarkeit der Edelmetallprodukte und die Intensität der Nachfrage.

In der Vergangenheit gingen starken Preisanstiegen am Sport-Markt Versorgungsengpässe und stark steigende Aufgelder bei den physischen Edelmetallprodukten voraus. So war es auch während der Weltfinanzkrise und zu Beginn der Corona-Pandemie.

Eine solche Entwicklung scheint sich jetzt wieder anzubahnen.

Entwiklung der Aufgelder für Silberbarren und Silbermünzen

Neben der allgemeinen Aufgeldentwicklung bietet die Aufgeldtabelle Anlegern eine Vergleichsmöglichkeit zu den Mehrkosten einzelner Münzen und Barren aus den Edelmetallen Gold, Silber, Platin und Palladium.

Fazit und Ausblick

Der aktuelle dynamische Anstieg der Aufgelder für Silbermünzen sowie die hohen Verkaufszahlen der Münzprägeanstalten weltweit sind ein erster Indikator dafür, dass die Nachfrage unter Privatanlegern enorm hoch ist und sich die Preise im Einzelhandel zunehmend verteuern.

Sollte die Inflation weiter ansteigen und die geopolitischen Risiken anhalten, dann ist aus der Erfahrung der Vergangenheit davon auszugehen, dass auch die Ankaufspreise nachziehen und die Spot-Preise am Weltmarkt ebenfalls steigen.

Von Kaufpanik ist zwar aktuell noch nichts zu spüren, gleichwohl sollten Anleger, die den Erwerb von Edelmetallprodukten in Erwägung ziehen, zeitnah eine Entscheidung treffen. Für die kommenden Monate ist auf Basis der Vorlaufindikatoren (Importpreise, Erzeugerpreise und Großhandelspreise) von weiter steigenden Verbraucherpreisen auszugehen, was sich auch auf die Nachfrage nach der Inflationsschutz-Anlage schlechthin, also nach Edelmetallprodukten, auswirken dürfte.

Autor: Hannes Zipfel
Ökonom
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von Yaman | 10.04.2022, 06:47 Antworten

Warum finden die Gold & Silber Münzen aus China, Israel und Armenien keine Erwähnung in diesem Artikel?

1 Antwort an Yaman anzeigen
von Thomas Richter | 08.04.2022, 04:56 Antworten

Falsch. Meine zwei Red Dragon of Wales SIlberunzen sind bei Ebay wieder mal unter dem Durchschnitt verkauft worden. Silber und Gold braucht jetzt keiner, sondern Geld zum Überleben.

10 Antworten an Thomas Richter anzeigen
von Goldfisch | 11.04.2022, 20:08 Antworten

Heute war mal wieder sauber erkennbar, wie der Silberppreis nach unten manipuliert wurde. Ich warte auf den Tag, wo sich die Augen der Anleger öffnen, wenn heute schon die Wartezeit auf physische Münzen bis zu 50 Tage dauert, müsste der silberpreis nach gesundem Menschenverstand von Angebot und Nachfrage locker 20% nach oben schnellen. Irgendwer will das aber nicht.

1 Antwort an Goldfisch anzeigen

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