Stand: 22.06.2017 von Dr. Jürgen Müller 1 Kommentare

Im Rahmen der Geschäftstätigkeit unserer Einkaufsgemeinschaft protokollieren wir seit Jahren auf Wochenbasis die Entwicklung der Aufgelder bei den vier wichtigsten Edelmetallen Gold, Silber, Platin und Palladium.

Aufgeldentwicklung verschiedener Barrengrößen

Abbildung 1 zeigt die Entwicklung der Aufgelder von Gold für die Barrengrößen 50, 100, 250, 500 und 1000 Gramm, sowie im Vergleich hierzu die Einkaufskonditionen unserer Einkaufsgemeinschaft für 1 kg Barren beim Barrenhersteller Umicore (grüne Kurve). D.h. der prozentuale Unterschied zwischen den Kurven für die Barren, und der grünen Herstellerkurve stellt in der Größenordnung die Gewinnspanne für "normale" Händler dar.

Aufgeld in Prozent Abb.1: Prozentuale Aufgelder von Goldbarren verschiedener Größe von 09/2008 bis heute
(Quelle: Eigene Recherche und Aufzeichnungen der Einkaufsgemeinschaft).

In dieser Abbildung ist zu Beginn die Zeit des offiziellen Beginns der Wirtschaftskrise (Lehman Brothers Pleite, AIG Fast-Pleite, Immobilienblase) 2008 zu erkennen. Die Angst eines monetären Zusammenbruchs und damit die Nachfrage nach Edelmetallen waren groß und insofern auch die Aufgelder, die die Händler verlangen konnten.

Viele Händler schalteten in dieser Zeit ihre Webshops kurzerhand ab und konnten gar keine neuen Aufträge mehr annehmen bzw. bedienen da auch die Hersteller mit der Produktion nicht nachkamen.

Randbemerkung: In dieser Zeit kaufte die Einkaufsgemeinschaft noch bei einem Händler ein und hatte daher ebenfalls höhere Margen zu zahlen. Die Handelsbeziehung der Einkaufsgemeinschaft zu Umicore begann im November 2009, sodass die grüne Kurve in dieser Zeit auf ca. 0,5% fiel.

Weitere Faktoren der steigenden Margen

Die zweite Spitze Mitte 2010 ist der ersten Griechenland-Krise zuzuordnen. Auch damals war die Befürchtung, dass der Euro an Griechenland auseinanderbrechen könnte, sodass die Nachfrage nach Edelmetallen kurzzeitig stark anstieg und die Händler wiederum mit steigenden Margen reagierten.

2011 und 2012 wiederum spitzten sich die Geschehnisse weiter zu (z.B. partielle Enteignung zypriotischer Sparer), sodass Griechenland zeitweise über 25% Zinsen für seine 10-jährigen Staatsanleihen bieten musste, um überhaupt noch Abnehmer zu finden (heute ist das Dank der EZB natürlich kein Problem mehr ... wer braucht auch schon freie Märkte?)

Entwicklung der Renditen für zehnjährige Staatsanleihen - Tatsächliche MarktwertAbb. 2: Entwicklung der Renditen für zehnjährige Staatsanleihen
(Datenquelle: EZB, Bildquelle: Wikipedia).

Seit 2013 befinden sich die prozentualen Aufgelder in einer sehr engen Handelsspanne. Die gemittelten Werte dieser letzten Jahre stellen sich wie folgt dar:

Einheit Aufgeld gegenüber
Briefkurs
Marge
50 Gramm Barren 3,68 % 3,28 %
100 Gramm Barren 2,23 % 0,83 %
250 Gramm Barren 1,78 % 1,38 %
500 Gramm Barren 1,43 % 1,03 %
1000 Gramm Barren 1,23 % 0,83 %
Einkaufsgemeinschaft (Umicore): 0,4 % /

Händler arbeiten demnach aufgrund des großen Wettbewerbdrucks mit einer sehr niedrigen Marge. Je größer die Einheit wird, umso geringer wird diese prozentuale Spanne. In Zahlen ausgedrückt, verdient ein Händler aktuell am Verkauf eines 1 kg Goldbarrens nur ca. 285,- EUR.

Da die Herstellungskosten der Barren prozentual höher werden, wenn die Barrengröße abnimmt, sind die Zahlen für kleinere Einheiten mit einer größeren Varianz versehen, die aber nicht allzusehr ins Gewicht fallen sollte.

Für Silber sieht der Graph der Entwicklung der prozentualen Aufgelder wie folgt aus.

Prozentuale Aufgelder von Silberbarren verschiedener Größe von 11/2007 bis heute Abb.3: Prozentuale Aufgelder von Silberbarren verschiedener Größe von 11/2007 bis heute
(Quelle: Eigene Recherche und Aufzeichnungen der Einkaufsgemeinschaft).

Die für die Goldkurven besprochenen geschichtlichen Effekte lassen sich natürlich auch in den Kurven für Silberbarren wieder erkennen. Da die Einkaufsgemeinschaft die mit Umsatzsteuer (einen "Mehrwert" kann der Autor nicht erkennen) belasteten Metalle netto einkauft und auch netto seinen Kunden weiterveräußert, ist die Differenz der Kurven wesentlich größer als beim umsatzsteuerfreien Gold.

Die gemittelten aktuellen Werte der letzten Jahre stellen sich beim Silber wie folgt dar:

Einheit Aufgeld gegenüber
Briefkurs
Marge (sbzgl. 19 %)
0,5 kg Barren: 33,2 % 12,3 %
1,0 kg Barren: 25,2 % 0,3 %
5,0 kg Barren: 25,4 % 4,5 %
EKG (Umicore, 15 kg) 1,9 % /

Da bei Silberbarren mehr Material bearbeitet werden muss, sind die Herstellungskosten bei Silberbarren wesentlich höher als bei Goldbarren und schlagen daher prozentual im Vergleich zum Barrenwert höher zu Buche (0,4% Aufgeld der EKG gegenüber dem Gold-Briefkurs im Vergleich zu 1,9% Aufgeld gegenüber dem Silber-Briefkurs).

Die Händlermarge bei Silberbarren ist jedoch weitaus höher, als bei Goldbarren. Viele Investoren greifen bei Silber jedoch auf Münzen zurück (Umsatzsteuer 7%, jedoch höhere prozentuale Herstellungskosten der Münzen im Vergleich zum Materialwert), um sich auch einen Handbestand an kleinen fungiblen Münzen anzulegen, d.h. eine Versicherung gegen die Inflationierung unserer staatlichen Währung.

Diese könnte u.U. soweit gehen, dass im normalen Handelsleben keine Zettel mehr angenommen werden würden.

Die analogen Kurven für Platin- und Palladiumbarren sind in Abb. 4 und 5 zu sehen:

Prozentuale Aufgelder von Platinbarren verschiedener Größe Abb.4: Prozentuale Aufgelder von Platinbarren verschiedener Größe von 08/2008 bis heute
(Quelle: Eigene Recherche und Aufzeichnungen der Einkaufsgemeinschaft).

Prozentuale Aufgelder von Palladiumbarren verschiedener Größe
Abb.5: Prozentuale Aufgelder von Palladiumbarren verschiedener Größe von 08/2008 bis heute
(Quelle: Eigene Recherche und Aufzeichnungen der Einkaufsgemeinschaft).


Fazit:

Händler reagieren natürlich wie alle Kaufleute und erhöhen ihre Margen, wenn die Nachfrage steigt. Dies geht bis zu dem Punkt, an dem die Hersteller der Barren und Münzen die Nachfrage nicht mehr bedienen können und die Händler daher ihre Geschäfte (temporär ?) schließen müssen. Die Einkaufsmargen der Einkaufsgemeinschaft für Sachwerte GmbH (www.ekg-sachwerte.de oder www.goldsilber.org) waren hingegen auch in früheren Krisenzeiten bemerkenswert stabil.

Die Kapazitäten der Hersteller sind definitiv nicht für Nachfragespitzen ausgelegt, sondern für eine "mittlere Nachfrage", da das Vorhalten zumeist ungenutzter Maschinen- und Personalkapazitäten betriebswirtschaftlich nicht sinnvoll ist. Inwieweit sich dies in kommenden Krisen auswirken wird, wird die Zukunft zeigen.

In meinem letzten Buch "Gold 10.000 Dollar?", welches 2016 im Kopp-Verlag erschien, gehe ich zusammen mit meinem amerikanischen Co-Autor Gary Christenson auf die Frage ein, wie sich der Goldpreis in den kommenden Jahren entwickeln kann.


Dr. Jürgen Müller
Einkaufsgemeinschaft für Sachwerte GmbH
www.goldsilber.org


Entwicklung der Aufgelder bei den Edelmetallen
Dr. Jürgen Müller (Einkaufsgemeinschaft für Sachwerte GmbH) - Herr Dr. Müller ist Geschäftsführer der Einkaufsgemeinschaft für Sachwerte GmbH, die Edelmetalle physisch bankenunabhängig für Kunden handelt und in der Schweiz lagert. Er ist Autor von mehreren Fachbüchern wie der "Drei Speichen Regel" und "Gold: 10.000 Dollar?".
Webseite des Autors:
www.goldsilber.org
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Kommentare [1]
  • von herbert singer | 03.07.2017, 22:00 Antworten

    Bei Edelmetallen weissman nicht was da passiert.....

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