Stand: 28.04.2015 von Mr. Gini 0 Kommentare

Timm Bönke und Giacomo Comeo von der Freien Universität Berlin (FU) und Christian Westermeier vom Deutschen Institut für Wirtschaftsfoschung (DIW) haben sich erst jüngst in einer hervorragenden und lesenswerten Studie mit der Bedeutung von Erbschaften und Eigenleistung im Vermögen der Deutschen beschäftigt. Konkret gingen die Autoren in der detaillierten Verteilungsanalyse der Frage nach, ob die gegenwärtige Vermögensungleichheit in Deutschland auf eine Dominanz von Erbschaften im oberen Bereich der Verteilung zurückzuführen sei.

Eigenleistung dominiert

Im Ergebnis hielten die Wissenschaftler fest, dass die Vermögen der Deutschender Analyse zufolge zu etwa zwei Dritteln aus Eigenleistungund zu etwa einem Drittel aus Erbschaftenbestehen würden. Die Autoren werteten intensiv aktuelle Umfragedaten der Deutschen Bundesbank aus. Höchst interessant ist in dem Kontext, dass dieses Verhältnis von Erbschaften und Eigenleistung für Haushalte mit wenig wie auch besonders hohen Vermögen gleichermasssen zutreffen würde. Anders formuliert, auch für besonders reiche Haushalte sei der Anteil der Erbschaften am Gesamt-Vermögen nicht systematisch höher. Der Analyse würden die Daten des neuen Panels Private Haushalte und ihre Finanzen (PHF) zugrunde liegen. Diese seien unter Federführung der Deutschen Bundesbank erhoben worden und würden die unteren 99 Prozent der Vermögensverteilung repräsentativ abbilden.

Kontroverse Gerechtigkeitsdebatte

Weiter führen die Autoren aus, dass Leistungsprinzip und Chancengleichheit zu den Grundsätzen einer modernen, liberalen Gesellschaftsordnung gehören würden. Diesen Prinzipien entsprechend solle persönlicher Reichtum vorrangig das Resultat eigener Leistung und nicht Geburtsprivilegien widerspiegeln. Es bestehen aber kontroverse Meinungsunterschiede darüber, ob und inwieweit die Verteilung des Reichtums tatsächlich ein Spiegelbild der wirtschaftlichen Anstrengungen der Einzelnen sei. Auf der einen Seite stehen sehr viele, die die starke Konzentration der Vermögen auf wenige vorwiegend auf einen ungleichmäßigen Erhalt von Erbschaften zurückführen. Von dieser Gruppe werde dann starke Kritik an der Dominanz der sog. "leistungslosen Vermögen" geübt.

Sorgen von Thomas Piketty

Andererseits betonen die Autoren der Studie, dass die Reichen als tüchtige "self-made-men" angepriesen würden. In dem Kontext werde jegliche Kritik an der Vermögensungleichheitals reine Neiddebatte abgetan. Wenig verwunderlich, dass hier ganz klar auch der Fokus auf das Werk von Thoma Piketty, "Das Kapital im 21. Jahrhundert", kommt. Piketty sieht die Zukunft unserer Gelsellschaft darin hinauslaufen, dass wenige sehr betuchte Erben dominieren würden. Diese kleine Gruppe würde einen Großteil der Vermögen auf sich konzentrieren und ihren Lebensunterhalt mit Erträgen aus dem Kapitalvermögen finanzieren.

Neue Fakten über die Vermögensungleichheit

Mit ihrer neuen Studie haben nun die Autoren über die relative Bedeutung von Erbschaftenklar herausgearbeitet, dass die Anteile von Erbschaften und selbst erwirtschaftetem Vermögen sich entlang der Vermögensverteilung kaum verändern würden. Tatsache sei demnach, dass die relative Bedeutung von Erbschaften mit größer werdenden Vermögen nicht systematisch zunehmen würde.

Wörtlich bringt es insofern Herr Corneo sehr schön auf den Punkt:

"Die Ergebnisse zu der Bedeutung von Erbschaften und Schenkungen in Deutschland schaffen neue Fakten für die Debatte über die Legitimation der Vermögensungleichheit."

Diese neue Studie sei auch extrem wichtig im Hinblick auf die Beurteilung der viel diskutierten möglichen Wiedereinführung einer persönlichen Vermögensteuer, so die Autoren. Diese mögliche Wiedereinführung hänge unter anderem von der Tatsache ab, ob die betroffenen Vermögen als leistungslos oder selbst verdient erachtet werden würden. Insofern zeigt die Studie klar auf, dass die mögliche Wiedereinführung einer sog. Vermögensteuer für Millionärezwar einige Vermögende wohl treffen würde, deren Vermögen zu 100 Prozent aus Erbschaften stammen würde. Es wird aber gleichzeitig klar betont, dass davon auch Sparer betroffen seien, die überhaupt nicht in den Genuss von Erbschaften gekommen seien. Immerhin sei das ein Drittel der hypothetischen Vermögensteuerpflichtigen.

Herr Corneo geht sogar mit seiner steuerlichen Beurteilung so weit, dass er nicht die Vermögensteuer, sondern die Erbschaftssteuer mit breiter Bemessungsgrundlage als geeignetes Instrument für eine mögliche Belastung leistungsloser Vermögen erachtet.

In dem Kontext bleibt zum Schluss festzuhalten, dass die Erbschaftssteuer ja eine sog. Ländersteuer ist. Die Finanzminister der Bundesländer reiben sich bereits jetzt die Hände. Fakt ist, dass das Aufkommen der Erbschaftsteuer in den ersten drei Monaten des Jahres 2015 im Vergleich zum selben Vorjahreszeitraum kräftig gewachsen ist. Dem aktuellen Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums zufolge stieg im ersten Quartal des Jahres 2015 das Aufkommen aus der Erbschaftsteuer um fast 27 Prozent auf 1,668 Milliarden Euro im Vergleich zum ersten Vierteljahr 2014 an.

Unbeachtlich möglicher Veränderungen bei der Bemessungsgrundlage der Erbschaftsteuer dürfen sich die Bundesländer rein demographisch bedingt in den kommenden Jahren wohl auf satte Zuwächse bei dieser Steuerart freuen.

Bedeutung von Erbschaften für Vermögen in Deutschland
Mr. Gini - Der Autor befasst sich schon seit vielen Jahren hauptberuflich mit den Ungleichge- wichten und strukturellen Problemen der Welt- wirtschaft, insbesondere des Weltfinanzsystems. Der Autor vertritt die Ansicht, dass die Krise erst dann beendet ist, wenn die globale Überschuldungskrise gelöst ist. Sprich, wenn das Verschuldungsniveau auf ein für die Volkswirtschaften tragfähiges Niveau geschrumpft ist.
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