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Stand: 21.03.2022 von Hannes Zipfel
Bis auf einige Früh- und Stimmungsindikatoren ist noch wenig bekannt über die tatsächlichen Folgen des Ukraine-Krieges und der damit in Zusammenhang stehenden Sanktionen für die deutsche Wirtschaft. Allerdings gibt es bereits erste Daten, die Grund zu großer Besorgnis sind.
Erste Daten zu den Kriegsfolgen

Die wichtigsten Daten-Termine in Sachen Wirtschaft in der KW 12:

  • Montag: Erzeugerpreise Februar auf Jahresbasis (akt.: 25,9 % | Jan.: 25,0 %)

  • Dienstag: Rede der EZB-Präsidentin Christine Lagarde zur Geldpolitik der EZB

  • Mittwoch: Chef der US-Notenbank (Fed) äußert sich zur weiteren Geldpolitik

  • Donnerstag: Einkaufsmanagerindex März Deutschland und USA

  • Freitag: ifo-Geschäftsklima-Index März für Deutschland (e: 92,0 | Feb.: 99,2)

(Details und ergänzende Termine finden Sie in der Tabelle ganz unten)

Mindestens zwei Quartale Rezession statt kurzer Stagnation

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin (DIW) hat seine Prognose für die Konjunktur der Bundesrepublik drastisch nach unten korrigiert:

Statt einer kurzen Stagnation im ersten Quartal rechnen die Ökonomen des DIW nun mit einer technischen Rezession.

Damit wird die deutsche Wirtschaft sowohl im ersten als auch im zweiten Quartal negative Wachstumsraten aufweisen. Die Wirtschaftsforscher des DIW unter der Leitung von Prof. Marcel Fratzscher zählen eigentlich zu den Optimisten der Branche. Bis vor Kurzen hielt Fratzscher die Inflation für

„gesund“ und „temporär“.

Die Konjunktur sah er auf einem

„guten Pfad der Erholung nach der Pandemie“.

Die Kehrtwende in Sachen Konjunktur und Inflation, die man nun für „nachhaltig“ und „hartnäckig“ hält, zeigt den Ernst der Lage.

Auch das Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel hat seine Konjunkturprognosen für die deutsche Wirtschaft zuletzt halbiert. Ursprünglich war man von einem Wachstum im Jahr 2022 von glatt 4 Prozent ausgegangen. Inzwischen rechnen die Ökonomen des ifW nur noch mit knapp der Hälfte in Höhe von 2,1 Prozent.

Hauptgrund für die drastische und wohl auch nicht letzte Revision der Wachstumszahlen sind steigende Energie- und Rohstoffpreise, weitreichende Sanktionen und nach wie vor gestörte Lieferketten. Sollte sich die Lage nicht bald bessern, schließen auch die Wirtschaftsforscher aus Kiel eine Rezession in Deutschland nicht aus.

Alarmsignale von der Preisfront und den Frühindikatoren

Die am heutigen Montagmorgen veröffentlichten Veränderungen der Erzeugerpreise für Deutschland für den Monat Februar zeitigten erneut einen Rekordstand seit dem Beginn der Datenaufzeichnung Anfang der 1950-er Jahre und geben einen Vorgeschmack auf das, was in Sachen Inflation auf die Endverbraucher noch zukommt.

Erzeugerpreise für Deutschland

Die hier sichtbaren Kostensteigerungen für die Industrie basieren noch größtenteils auf den Folgen der Pandemie, die nach wie vor zu Einschränkungen bei den Lieferketten und der Verfügbarkeit von Rohstoffen und Materialien führt.

Noch nicht berücksichtigt sind die drastischen Sanktionen und Embargos gegen Russland, Weißrussland (Belarus) und eventuell demnächst auch gegen China im Zuge des Ukraine-Krieges.

Einige Früh- und Stimmungsindikatoren lassen jedoch in Sachen Preisinflation und Versorgungssicherheit aufhorchen: Der vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung erhobene ZEW-Index für die Konjunkturerwartungen gilt als einer der wichtigsten Frühindikatoren für die wirtschaftliche Entwicklung.

Beim ZEW-Index werden monatlich mehr als 350 institutionelle deutsche Investoren zu ihrer Einschätzung der konjunkturellen Lage befragt. Die am vergangenen Dienstag, den 15. März veröffentlichten Daten übertrafen selbst die pessimistischsten Schätzungen:

Statt eines ZEW-Index im Bereich von 10 Punkten (10,3) für den Monat März wurde der Wert mit -38,7 Punkten veröffentlicht. Im Februar, also vor Ausbruch des Krieges am 24. Februar stand der Index der Mannheimer Wirtschaftsforscher noch bei +48,6 Prozent.

Einen derart heftigen Absturz des ZEW-Index hat es in der Historie der Statistik noch nie zuvor gegeben.

Bei einem Fall des ZEW-Konjunkturindex unter 0 ist mit einer negativen Entwicklung der Konjunktur zu rechnen ist.

Erste Versorgungsmängel und Preisschocks

Da die überwiegende Mehrzahl der Wirtschaftsstatistiken naturgemäß erst im Nachhinein Aufschluss über die konjunkturelle Lage gibt, ist es hilfreich, auch aktuelle Meldungen aus der Wirtschaft mit in die Lagebeurteilung einzubeziehen. Interessant ist in diesem Zusammenhang die Meldung, dass die Unternehmensgruppe Aldi Preiserhöhungen auf ca. 400 Artikel in Höhe von 10 Prozent plant.

Die Sprecherin der Aldi Nord und Aldi Süd Unternehmensgruppe begründete diese Entscheidung folgendermaßen:

“Dort, wo sich die Kosten im Einkauf durch die derzeitige Marktsituation verändern, müssen auch wir die Verkaufspreise erhöhen”.

Die bereits seit Monaten anhaltenden Preisschübe bei den Erzeugern und im Großhandel kommen nun also mit Zeitverzögerung bei den Endverbrauchern an und werden die Inflation in den kommenden Monaten weiter nach oben treiben.

Das Gleiche gilt für die Versorgungssicherheit: So fehlt es in den Regalen einiger großer Supermarktketten bereits jetzt an Raps- und Sonnenblumenöl sowie an Weizenmehl und raffiniertem Zucker. Auch diese Entwicklung dürfte sich abhängig von der Dauer des Ukraine-Krieges noch verschärfen und auf andere Produktgruppen wie z. B. Schrauben, Nägel und Drähte ausweiten.

Keine Hilfe von der Europäischen Zentralbank

Obwohl zu erwarten ist, dass die Konsumentenpreisanstiege in den kommenden Monaten bis in den zweistelligen Prozentbereich vorstoßen werden, ist in Sachen Inflationseindämmung von den Zentralbankern, deren Hauptmandat die Gewährleistung der Preisstabilität ist, keine Hilfe zu erwarten. Die Chefin der EZB sagte am Montagmittag wörtlich in einem öffentlichen Statement:

„Die EZB werde nicht wie die US-Notenbank agieren und die Zinsen anheben“

Obwohl die Preisinflation bereits vor Ausbruch des Krieges in der EU (19 Staaten) den Rekordwert von 5,9 Prozent pro Jahr erreicht hat, hält die Präsidentin der EZB an der Aussage fest, das die Inflation nur temporär sei und bereits im kommenden Jahr in den Zielbereich der EZB von 2,0 Prozent zurückkehren könne.

Die Tatsache, dass zumindest Teile der Sanktionen längerfristiger Natur sein dürften und alternative Beschaffungsquellen von ursprünglich aus Russland bezogenen Rohstoffen wie z. B. Erdgas teurer sein werden (LNG), lassen die Aussagen der obersten "Währungshüterin“ der Eurozone als reines Wunschdenken erscheinen.

Die nächsten sehr beachtenswerten Daten zur Stimmung in der deutschen Wirtschaft werden am Freitag dieser Woche um 10:00 Uhr MEZ vom Münchner ifo-Institut veröffentlicht. Bei den Geschäftserwartungen wird branchenübergreifend mit einem Rückgang von 99,2 Punkten im Februar auf 92,0 Punkte im März gerechnet. Ein noch größerer Rückgang, ähnlich wie beim ZEW-Index, ist durchaus im Bereich des Möglichen.

Ergänzend sind in der folgenden Tabelle weitere wichtige Daten-Termine für die KW 12 aufgeführt:

Wochentag Zeit (MEZ) Datenart Prognose Vorherig
Montag 08:00 Uhr DE: Erzeugerpreise Februar (Jahr) 25,9 % 25,0 %
Montag 12:00 Uhr DE: Monatsbericht März der Deutschen Bundesbank (BuBa) zur Konjunktur und Inflation - -
Dienstag 13:55 Uhr USA: „Redbook“-Einzelhandelsindex (Feb. | Jahr) - 12,6 %
Dienstag 14:15 Uhr EU: Rede der EZB-Präsidentin Christine Lagarde zur Geldpolitik der EZB - -
Mittwoch 13:00 Uhr DE: Präsident der Bundesbank (BuBa) Joachim Nagel äußert sich zur Konjunktur- und Inflationsentwicklung in Deutschland - -
Mittwoch 13:00 Uhr USA: Präsident der US-Notenbank (Fed) Jerome Powell äußert sich zur Konjunktur- und Inflationsentwicklung in den USA - -
Mittwoch 15:30 Uhr USA: Rohöllagerbestände in Mio. Barrel - -4,345
Donnerstag 09:30 Uhr DE: Einkaufsmanagerindex Verarbeitendes Gewerbe Deutschland März (Vorabschätzung) 55,8 58,4
Donnerstag 09:30 Uhr DE: Einkaufsmanagerindex Dienstleistungen Deutschland März (Vorabschätzung) 53,8 55,8
Donnerstag 14:45 Uhr USA: Einkaufsmanagerindex Verarbeitendes Gewerbe USA März (Vorabschätzung) 56,3 57,3
Donnerstag 14:45 Uhr USA: Einkaufsmanagerindex Dienstleistungen USA März (Vorabschätzung) 56,0 56,5
Freitag 10:00 Uhr DE: ifo-Geschäftsklimaindex (März) 92,0 99,2
Freitag 15:00 Uhr USA: Universität Michigan nationales Verbrauchervertrauen (März) 59,7 59,7
Datenquelle: Thomson Reuters, Investing.com
Autor: Hannes Zipfel
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von ich | 21.03.2022, 23:04 Antworten

Muss eigentlich nur ich immer mit den Augen rollen wenn ich "Experten" oder "Forscher" lese? Diese haben bei mir mittlerweile einen Ruf schlimmer wie Gebrauchtwagenhändler.

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