Stand: 03.06.2019 von Egmond Haidt 0 Kommentare

Trotz des gigantischen Schuldenbergs will Italien seine Probleme mit noch mehr Schulden „lösen“. Das sorgt für zusätzlichen Abwärtsdruck auf den ohnehin schwächelnden Euro. Umso wichtiger ist Gold als Schutz gegen eine weitere Abwertung der Gemeinschaftswährung.

Nachdem die weltweiten Börsen die Risiken der Eskalation des Handelskriegs lange Zeit ignoriert hatten, reagieren Investoren nun umso kräftiger und drücken bei DAX und S&P500 den Verkaufen-Knopf. Das ist mehr als verständlich, trüben sich doch die Perspektiven für die Weltwirtschaft immer weiter ein.

Wie skeptisch Investoren inzwischen die Aussichten für die US-Wirtschaft betrachten, zeigt, dass die Zinsen für zehnjährige US-Staatsanleihen auf 2,23 Prozent eingebrochen sind – das ist das niedrigste Niveau seit September 2017.

Umso bemerkenswerter ist es, dass sich der Goldpreis dennoch nur leicht erholt hat und mit rund 1.285 Dollar je Unze nur knapp über dem Fünf-Monats-Tief liegt. Offenbar schauen sich bislang nur wenige Investoren nach dem sicheren Hafen Gold um, zuletzt sind sie vor allem in US-Staatsanleihen geflüchtet.

Euro ist auf Talfahrt

Gegenwind bekommt der Goldpreis hingegen vom allmählich steigenden Dollar. Investoren setzen darauf, dass die US-Wirtschaft den Handelskrieg besser überstehen könnte als stark exportabhängige Volkswirtschaften, wie China, Deutschland oder Japan.

Das könnte sich allerdings als Trugschluss herausstellen, bekommen doch gerade die für die US-Wirtschaft so wichtigen Technologiefirmen, wie aus der Halbleiterindustrie, starken Gegenwind, weil sie entweder einen hohen Umsatz in China haben, oder dort einen wichtigen Teil ihrer Produkte herstellen, womit die Unternehmen stark von den US-Strafzöllen betroffen wären.

Für zusätzlichen Aufwärtsdruck beim Dollar – sprich für Abwärtsdruck beim Euro – sorgen die Nachrichten aus Italien. Nachdem die Lega-Partei des italienischen Vize-Ministerpräsidenten Matteo Salvini bei der Europa-Wahl mit 34,3 Prozent erstmals bei einer landesweiten Abstimmung die meisten Stimmen erreicht hat, geht Salvini noch mehr auf Konfrontationskurs mit der EU als bislang ohnehin schon.

Italiens Schulden steigen von einem Rekordhoch zum nächsten

Salvini will von Sparen noch weniger wissen als bislang, und stattdessen noch viel mehr Schulden machen.

„Es ist an der Zeit, alte und veraltete Regeln, die Europa geschadet haben, völlig neu zu diskutieren“, sagte er.

Niedrigere Steuern seien für die Italiener das Schlüsselthema und würden die Grundlage für den Haushalt des kommenden Jahres bilden.

Damit spitzt sich der Streit zwischen der EU-Kommission und Italien zu. Sie wird am 5. Juni einen Bericht über die öffentlichen Finanzen Italiens vorlegen. Laut einem Pressebericht könnte die EU Italien eine Strafzahlung von bis zu 3,5 Mrd. Euro auferlegen. Die Schulden Italiens steigen von einem Rekordhoch zum nächsten und lagen zuletzt bei 2,36 Billionen Euro – das sind horrende 132 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. Das ist hinter Griechenland der zweitschlechteste Wert in der Euro-Zone.

Dabei dürfen sich die Schulden der Mitgliedsländer des Euro eigentlich auf maximal 60 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung belaufen. Länder mit einer hohen Verschuldungsquote sollen sie allmählich abbauen.

Salvini tut so, als ob er das könnte: angeblich muss die Wirtschaft nur stark genug wachsen, dann würde die Verschuldungsquote sinken.

Salvini hat wiederholt US-Präsident Donald Trump und dessen Steuerreform als sein Vorbild bezeichnet. Das Problem ist nur, dass trotz der Trumpschen Steuerreform nicht nur die US-Schulden nach oben geschossen sind, sondern auch die Verschuldungsquote gestiegen ist. Diese Tatsache ficht Salvini allerdings nicht an, er will weiterhin Wahlgeschenke an die Wähler verteilen.

Das Defizitverfahren ist nur Show

Und die EU dürfte weiterhin dabei zuschauen. Zwar dürfte die Kommission einmal mehr so tun, als ob sie etwas gegen die steigende Staatsverschuldung Italiens unternehmen wolle. Aber auch dieser Versuch dürfte einmal mehr im Sande verlaufen.

Mitte Dezember hatte die Kommission Italiens Prognose eines Haushaltsdefizits von 2,04 Prozent für 2019 akzeptiert, obwohl jedermann gewusst hat, dass das völlig geschönte Zahlen sind und die Neuverschuldung viel höher ausfallen dürfte als die vorhergesagte Zahl. Viel wahrscheinlicher ist, dass eher eine Drei vor dem Komma stehen wird.  

Zuletzt hat Antonio Tajani, der Präsident des Europäischen Parlaments und Nachfolger von Martin Schulz, offen gesagt, wie die Lage aussieht. Es könne Jahre dauern, bis Italien wegen seiner Verschuldung EU-Sanktionen drohen, so der Italiener. Bislang hat die EU noch nie ein Land bei Verstößen gegen die Haushaltsvorgaben bestraft. Das bevorstehende Verfahren gegen Italien ist daher eine reine Farce.

Vor dem Hintergrund dürfte die Talfahrt des Euro weitergehen, zumal wenn die EZB auf die heraufziehende Rezession in der Euro-Zone reagieren dürfte und die QE-Geldpressen wieder auf Hochtouren laufen lassen sollte. Dann wird sich zeigen, wie sich der Goldpreis auf Euro-Basis entwickelt.

Egmond Haidt
Finanzjournalist

EU-Defizitverfahren gegen Italien ist eine reine Farce
Egmond Haidt - Nach der Bankausbildung und dem BWL-Studium begann Egmond Haidt im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.
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