Stand: 14.12.2014 von Mr. Gini 0 Kommentare

Im Gegensatz zu den Italienern tun sich die Griechen ja weiter extrem schwer, den gigantischen Staatsschuldenberg mit billigstem Geld zu refinanzieren. Schon im Jahr 2012 hatte es ja einen Schuldenschnitt gegeben und das Land ist bis auf weiteres abhängig von den Hilfsprogrammen der sogenannten Troika, bestehend aus IWF, EU-Kommission und EZB.

Schwere Verhandlungen

In diesen Tagen finden ja insofern entscheidende Verhandlungen zwischen Griechenland und der Troika statt. Eine Einigung mit der Troika aus Internationalem Währungsfonds (IWF), EU und Europäischer Zentralbank (EZB) ist Voraussetzung für weitere Gespräche darüber, wie den Griechen weiter geholfen werden. Das aktuelle Hilfsprogramm läuft ja zum 31.12.2014 aus. Laut dpa seien in den vergangenen Tagen Unstimmigkeiten zwischen Athen und der Troika aufgekommen. Demnach sehe die Troika eine Lücke im Haushalt 2015 in Höhe von mindestens 2,5 Milliarden Euro und fordere Kürzungen unter anderem bei den Renten, hieß es. Das Athener Finanzministerium sieht indes keinen Fehlbetrag im Etat und lehnt Rentenkürzungen ab. Kein Wunder also, dass in Griechenland die Bevölkerung, die ohnehin schon schwer unter den Sparmaßnahmen leidet, gegen weitere Kürzungen massiv aufbegehrt. Erst jüngst legte ein Generalstreik (siehe auch Meldung der Nachrichtenagentur Reuters) das Land komplett lahm.

Griechenland Staatsschuldenberg gigantisch hoch

Ja, die Griechen leiden immer noch unter der Abhängigkeit der internationalen Geldgeber und vermögen es trotz der Nullzinspolitik der EZB in Frankfurt nicht, sich aus eigener Kraft vollumfänglich zu refinanzieren. Das ist auch kaum möglich bei einem Staatssschuldenstand, der in Relation zum BIP weitaus höher als bei den Italienern ist. Zum Vergleich, Italien ist ja mit knapp 133 Prozent des BIP verschuldet und kann sich aktuell problemlos am Markt mit 2,14 Prozent für zehn Jahre verschulden. Der griechische Staatsschuldenberg liegt bei gigantischen 175,1 Prozent. Und zwar trotz des Schuldenschnitts im Jahr 2012! Das ist fast dreifach so hoch wie nach den Maastricht-Kriterien ja erlaubt.

Astronomisch hohe Renditen

Kein Wunder, dass die Renditen für griechische Staatstitel weiter in Relation zu den anderen Staaten in Europa astronomisch hoch sind. Aktuell rentieren zehnjährige griechische Staatsanleihen mit 8,11 Prozent; bei den fünfjährigen liegt die Verzinsung bei 7,13 Prozent). Den täglichen "Wasserstand" können Sie unter pigbonds.info ansehen.

Zum Vergleich, der deutsche Bundesfinanzminister ist ja momentan in der Lage, den deutschen Staaatschuldenberg fast zum Nulltarif zu finanzieren. Zehnjährige Bundesanleihen rentieren mit 0,76 Prozent; bei den fünfjährigen liegt die Rendite bei mageren 0,12 Prozent. Und am kurzen Ende verdient der deutsche Staats gar Geld mit der Schuldenmacherei. Die Rendite der zweijährigen Bundesanleihe liegt bei MINUS 0,04 Prozent! Ja, Sie lesen richtig. Minusrenditen sind am kurzen Ende schon längst neue Normalität.

Austritt Griechenlands im Visier

Wie auch immer, die geldpolitischen Maßnahmen der EZB in Frankfurt kommen im fernen Athen kaum an. Von einer nachhaltigen Lösung der Probleme, der Krise kann keine Rede sein. Im Gegenteil, die Bevölkerung muss ja im kommenden Jahr sich vor weiteren Kürzungen bei der Rente sorgen. Das wäre in Deutschland aus heutiger Sicht kaum vorstellbar, wenn die 20 Millionen Rentner mit möglichen realen Kürzungen konfrontiert wären. Wohl gemerkt, es handelt sich hierbei nicht um die erste Kürzungswelle. Die griechischen Rentner mussten ja bereits massive Kürzungen erdulden.

Und da wären wir wieder bei Professor Sinn, der ja als Ausweg aus dieser nicht enden wollenden Malaise den Austritt Griechenlands aus dem Eurosystem ins Spiel bringt. Das große Problem in dem Kontext ist aber die Frage, ob die Griechen ihre alten Schulden gegenüber dem Ausland auch in Drachme umwandeln dürfen.

Schwierige Frage des Umgangs mit den Auslandsschulden

Also, hier bringt Professor Sinn die sog. Lex Monetae, eine ungeschriebene Regel ins Spiel. Demnach ist es ja so, dass sich ein Schuldenschnitt IMMER zum Nachteil ausländischer Gläubiger auswirkt. Leider ist es aber im Fall Griechenland etwas komplexer. Hintergrund sei, dass im Jahr 2012, also nach dem Schuldenschnitt die Kontrakte über die griechischen Staatsschulden in britisches Recht überführt worden seien. Und nach britischem Recht sei eben die Anwendung der sog. Lex Monetae explizit ausgeschlossen. Folglich bleibt für die Griechen die Frage des Umgangs mit den Auslandsschulden bei einem allfälligen Euro-Austritt weiter äußerst schwierig. Prof. Sinn bezeichnet die Lage insofern als "brenzlig."

Letztlich ist es also die Wahl des "geringeren" Übels, den die Griechen über kurz oder lang vornehmen müssen. Entweder die weitere innere Abwertung mit schwersten sozialen Verwerfungen oder der brenzlige Umgang mit den Auslandsschulden.

Ja, die Wahl zwischen dem Teufel und dem Beelzebub...

Euro Austritt Griechenland - Prof. Sinn
Mr. Gini - Der Autor befasst sich schon seit vielen Jahren hauptberuflich mit den Ungleichge- wichten und strukturellen Problemen der Welt- wirtschaft, insbesondere des Weltfinanzsystems. Der Autor vertritt die Ansicht, dass die Krise erst dann beendet ist, wenn die globale Überschuldungskrise gelöst ist. Sprich, wenn das Verschuldungsniveau auf ein für die Volkswirtschaften tragfähiges Niveau geschrumpft ist.
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