Stand: 28.07.2017 von Egmond Haidt 0 Kommentare

EZB-Chef Mario Draghi hat es mit massivem Gelddrucken geschafft, dass hochverschuldete Länder, wie Italien, weiter Schulden machen können. Die Leidtragenden dieser Politik sind allerdings die Sparer. Je länger die EZB an ihrer Politik festhält, umso mehr macht es Sinn, sich mit Gold gegen den Irrsinn zu schützen.

Auf das höchste Niveau seit Mitte Juni ist der Goldpreis gestiegen. Grund waren die Ergebnisse der Sitzung der US-Notenbank FED vom 26. Juli. Die Fed hat eingeräumt, dass die Inflation zuletzt gesunken ist. Zwar hat die Notenbank auch angekündigt, dass sie schon „ziemlich bald“ mit dem Abbau der Bilanzsumme durch den Verkauf von Staats- und Hypothekenanleihen beginnen werde.

US-Inflationsrate tand Juni 2017 1,6

Die Investoren haben sich allerdings auf die Inflationsaussagen fokussiert, und sie so interpretiert, dass die Fed die Geldpolitik möglicherweise langsamer verschärfen könnte, als bislang angekündigt.

Da zudem der Chef der österreichischen Notenbank Ewald Nowotny praktisch zeitgleich gesagt hatte, dass die Reduzierung des Anleihenankaufprogramms der EZB ab Januar 2018 „vernünftig“ sei und er die Gefahr von Verzerrungen durch Strafzinsen sehe, sind der Dollar und die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen eingebrochen.

Damit hatte die Goldpreispreisentwicklung kräftigen Rückenwind. Nach dem Kursanstieg hat er sämtliche Kursverluste seit der Fed-Sitzung vom 14. Juni wettgemacht.

Minizinsen entlasten Euro-Länder enorm

Inzwischen setzen Investoren zusehends darauf, dass die EZB bei ihrer Sitzung entweder am 7. September oder am 26. Oktober ankündigen wird, dass QE-Gelddruckprogramm von aktuell 60 Mrd. Euro pro Monat allmählich herunterzufahren.

Diese Aussicht beflügelt den Euro, weshalb er gegenüber dem Dollar auf das höchste Niveau seit Januar 2015 geklettert ist. Hingegen sind die Zinsen für zehnjährige Bundesanleihen im Sog der sinkenden US-Zinsen zuletzt auf 0,52 Prozent zurückgegangen. In dem Umfeld kann Nowotny leicht von einer Verschärfung der Geldpolitik reden.

Dabei wären steigende Zinsen nach der Schuldensause der vergangenen Jahre das Letzte, was etliche Staaten der Euro-Zone gebrauchen können. Im jüngsten Monatsbericht hat die Bundesbank ausgerechnet, wie viel Geld die Euro-Länder durch das Gelddrucken der EZB gespart haben, wodurch die Zinsen auf Rekordtiefs gesunken waren: eine Billion Euro an Zinszahlungen. Eine Billion Euro!

Italien profitiert am meisten

Laut den Berechnungen der Bundesbank hat Italien am Stärksten von dem Minizinsumfeld profitiert. Italien hat horrende 2,2 Billionen Euro Staatsschulden. Das sind herbe 132,6 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. Das ist der schlechteste Wert in der Euro-Zone hinter Griechenland.

„So ergeben sich für Italien die größten Ersparnisse, die sich allein für das Jahr 2016 auf 2,5 Prozent des BIP (Bruttoinlandsprodukts) und kumuliert für die Jahre 2008 bis 2016 auf 10,5 Prozent des BIP belaufen“, so die Bundesbank.

Einfache Rechnung: Bei einem BIP von 1,6 Billionen Euro für 2016 hat sich Italien allein in dem Jahr also 40 Mrd. Euro an Zinszahlungen gespart. Die Ersparnis hat die Bundesbank dabei als „Differenz der tatsächlichen Zinsausgaben 2016 zu denjenigen, die sich bei einer Durchschnittsverzinsung entsprechend dem Jahr 2007 ergeben hätten“ errechnet.

Deutschland hat ebenfalls kräftig von Draghis Gelddrucken profitiert, wenngleich sich die Einsparungen laut der Bundesbank auf „nur“ 7,5 Prozent der Wirtschaftsleistung der Jahre 2008 bis 2016 belaufen.

Draghi wird Verschärfung der Geldpolitik weiter verhindern

Zwar dürften die österreichische Notenbank und die Bundesbank weiter fordern, dass die extrem lockere Geldpolitik allmählich verschärft wird. Angesichts eines Schuldenstandes von horrenden 9,6 Billionen Euro für die Euro-Zone - das sind 89,2 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung - dürften sich aber Draghi und seine Kollegen aus den Südländern weiter mit Händen und Füßen gegen eine Verschärfung der Geldpolitik sträuben.

Denn wenn er das Gelddrucken ab Anfang 2018 um nur zehn Mrd. Euro pro Monat zurückfahren würde, würde die EZB ab Juli 2018 nichts mehr netto kaufen, sondern nur noch die alten, auslaufenden Anleihen in neue umschichten, genauso wie es die US-Notenbank derzeit tut.

Sollte es in diesem Umfeld zu deutlich steigenden Zinsen in der Euro-Zone kommen, würde das Kartenhaus zusammenbrechen - und damit der Euro schneller auseinanderbrechen. Daher dürfte das Strafzinsumfeld in der Euro-Zone weiter anhalten.

Umso mehr macht es Sinn, auf Gold zu setzen. Bei einem weiter sinkenden Dollar dürfte der Goldpreis deutlich steigen und könnte schon bald die Mehr-Monats-Hochs von knapp unter 1.300 Dollar je Unze in Angriff nehmen.

Zuletzt war der Preis über die 50- und die 100-Tage-Linie geklettert, die bei jeweils rund 1.250 Dollar liegen. Für hiesige Gold-Fans ist allerdings von großer Bedeutung, ob der Anstieg des Euro gegenüber dem Dollar weiter geht und wie stark der mögliche Anstieg sein könnte.

Erst wenn der Euro gegenüber dem Dollar langsamer klettern sollte, als der Goldpreis auf Dollar-Basis steigt, erhöht sich der Goldpreis auf Euro-Basis.

Euro-Länder sparen durch Draghis Gelddrucken 1 Billion
Egmond Haidt - Nach der Bankausbildung und dem BWL-Studium begann Egmond Haidt im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.
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